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Interview: MORRIGAN
Titel: Eigenwillige Individualisten

Es trug sich bereits 1992 zu, dass in Form von Gitarrist Beliar und Schlagzeuger Balor zwei ausgemachte Bathory-Fanatiker voller unstillbarem Enthusiasmus ihre Band Mayhemic Truth gründeten.

Der großartig inszenierten Viking Metal-Epik von Bathory-Mainman Quorthon sollten sich die beiden Anhänger seiner Kunst nie wieder entziehen können. Kein Wunder, dessen zeitlose und mächtige Alben wie beispielsweise „Blood Fire Death“ oder „Hammerheart“ haben es auch mir angetan. „Son Of Dawn“, das erste Demo erschien ein Jahr später mit einer Auflage von lediglich 100 Exemplaren, aus dem anfänglichen Duo wurde danach mit Tieftöner Lilith ein Trio.

Neue Stücke für das „Promotape '94” entstanden nachfolgend. Nach dessen Release ging es für das Dreigespann auf Konzertreise für die damalige „Sons of Northern Darkness“-Tour. Nach der Tour befand sich Lilith aus sich meiner Kenntnis entziehenden Gründen auf einmal nicht mehr in der Band, die beiden Verbleibenden wurden dadurch anscheinend umso fester verschweißt.

Denn einer 1995er 7“-EP mit dem Titel „Cythraw“ ließen Beliar und Balor ein Jahr später das dritte Demo folgen.

Einige weitere Gigs wurden zelebriert und im Mai 1997 löste sich die Band auch schon wieder auf.

2000 rauften sich Beliar und Balor dann doch wieder zusammen und gründeten Morrigan.

Den bisherigen Alben „Plaque, Waste & Death”, „Enter The Sea Of Flames” und „Celts“ folgt jetzt der neue und vierte Streich „Headcult“, nach Meinung des Autoren das bisher beste Werk von Morrigan.

Schlagwerker Jörg Schmidt, bei Morrigan unter dem Künstlernamen ,Balor‘ am Werk und gewohnt ja ohnehin schon recht wortkarg, erklärt sich zur Beantwortung einiger Fragen bereit.

Der Informationsgehalt seiner oftmals ultrakurzen Statements kann leider nicht gerade als erdrückend bezeichnet werden.

Balor, seid ihr denn noch immer solche Bathory-Freaks, auch nach all den Jahren? „Nun ja, mehr oder weniger.“ Wie stehen Morrigan persönlich der heutigen Metal-Szene gegenüber? „Wir verfolgen zwar die Begebenheiten in der heutigen Szene, lassen uns aber nicht von ihnen beeinflussen.“

Iron Pegasus Records veröffentlichten glücklicherweise das 1996er Mayhemic Truth-Demo samt der Seven-Inch-Platte, betitelt „In Memoriam“. Wer diese durchweg geniale Scheibe in seinem Besitz hat, der weiß, was Mayhemic Truth für ein abartig großes Potenzial innehatten. "In Memoriam" ist ja heutzutage ein sehr gesuchtes Sammlerstück geworden. Wie stehen Morrigan im Nachhinein eigentlich dazu? „Wie sollen wir dazu stehen? Es ist ein Querschnitt durch das, was wir früher gemacht haben, mehr nicht.“

Warum haben Morrigan im Jahre 2003 die Kooperation mit Barbarian Wrath abgebrochen?

„Weil es einige Unstimmigkeiten gab.“

Was gibt es zum Band-eigenen Label Horns Of Cernunos Productions zu berichten? „Das Label wurde auf Eis gelegt, da es zu viel Arbeit gebraucht hätte, um das Ganze vernünftig aufzuziehen.“

Warum hat sich die Band damals nach dem Weggang von Lilith auch wieder von Bassist Baldur getrennt? „Es gab mehrere persönliche Differenzen.“

Wieso sind Morrigan erst auf „Celts“ wieder epischer und melodischer geworden? „Die Songs kommen wie sie kommen. Wir machen uns keine Gedanken darüber, wie hoch der epische oder der aggressive Anteil auf einer Morrigan-CD sein soll.“

Was können Morrigan den Fans grundlegend zum aktuellen Werk „Headcult“ mitteilen?

„Es ist noch epischer als die letzte CD; was aber nicht heißen soll, dass es so wie auf der "Headcult" in Zukunft weitergeht.“

Wie fielen die Reviews zur neuen Morrigan-Veröffentlichung bis jetzt überwiegend aus? „Ich habe noch kein einziges Review gesehen.“

Überhaupt: Verlief die Morrigan-Band-Historie nach Vorstellung der Urheber? „Ja.“

Welche Ziele wurden beim Schreiben der neuen Songs „Headcult“ verfolgt? „Dass uns die Songs gefallen.“ Malerische nordische Epik und unstillbare Sehnsucht nach uralten Zeiten geben sich auf der neuen Morrigan-Scheibe ein edles Stelldichein mit guten alten atmosphärischen Bathory-Klangbildern, wie sie eben „Hammerheart“ oder „Twilight Of The Gods“ boten. Woher stammen die Inspirationen für all die Texte der neuen Lieder? „Wir verarbeiten unser Interesse an der keltischen Mythologie.“

Wie liefen die Live-Touren bis jetzt denn so? Gute beziehungsweise überwiegend schlechte Erinnerungen?

„Bis jetzt haben wir auf Tour noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, bis auf die Tatsache dass versucht wurde, uns auf der Abigail-Tour abzuzocken.“

Wie waren die Morrigan-Fans denn im Allgemeinen vor der Bühne so drauf? „Gut.“

Warum werden gerade die Morrigan-Anhänger oftmals als ziemlich gewaltbereit in einschlägigen Medien dargestellt?

„Den von dir angesprochenen Medien sollte keine allzu große Bedeutung entgegengebracht werden, da oftmals verfälscht berichtet wird.“

Wie sieht eine kommende Live-Show für das aktuelle Album von Morrigan aus? Besondere Effekte?

„Wir sind eine Metal-Band und benötigen keinen technischen Firlefanz auf der Bühne. Es wird wie immer bei uns eine reine Metal-Show sein.“

Vom Plagiat sind Morrigan auf ihrer aktuellen Scheibe eindeutig meilenweit entfernt, viel zu eigenständig und künstlerisch gehaltvoll sind die neuen Tracks des abermalig in Duoformation agierenden Metal-Doppels Beliar und Balor. In welcher Position zwischen den deutschen Black Metal-Truppen sehen sich Morrigan?

„"Black Metal" ist ein Album von Venom und kein Musikstil. Deshalb gehen uns irgendwelche Positionen in irgendwelchen so genannten Szenen, die uns nicht interessieren, komplett am Arsch vorbei.“ Zukunftspläne? „Weitere Konzerte und nächstes Jahr 2006 eine neue CD.“

© Markus Eck, 26.08.2005

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