Top
Interview: MOSHQUITO
Titel: Hat unsere Welt das Ende verdient?

Die Thrash Metal-Veteranen Moshquito bestehen seit langer Zeit und agierten bereits schon zu Zeiten der DDR unter Erich Honecker, was diesem ob der aufmüpfigen und stark „westlichen“ Attitüde unserer Helden schnell ein Dorn im Auge war. Zwar ließ der allseits beliebte Erich in seiner Kunstlederjacke zu den kraftvollen und zündenden Rhythmen der metallischen Moskitos vermutlich heimlich das Haupt kreisen, mit Sportbrille, versteht sich, dies aber lediglich hinter verschlossener WC-Tür. Offiziell widerstrebte der damaligen Stacheldraht-Republik natürlich das Treiben der Burschen, und so ließ ein Auftrittsverbot nicht allzu lange auf sich warten.

Moshquito waren wie ihre Verwandten aus dem Tierreich jedoch ziemlich zäh, und so kämpften sie im Underground weiter. Das neue Album der beinharten Blutsauger mit dem programmatischen Titel „World´s End“ kündet erneut vom nimmermüden Kampf gegen die Harmoniegesetze der Notenlehre. Erstmals auf dem neuen Label, hat man sich keine Blöße gegeben und ein wirklich kerniges und erdiges Thrash-Album eingespielt, welches mit ungewohnt frischen und unverbrauchten Songstrukturen zu überraschen weiß. Ich finde, wer über eine solch' lange Zeit an seiner Sache festhält und sein Ding mit solcher Beständigkeit durchzieht, hat eine Würdigung seiner Bemühungen verdient. So zieht nun Shouter Olli vom schweißnassen Leder:

„Moshquito stammen ursprünglich aus Zwickau, aber im Laufe der Jahre rekrutierten sich die Mitglieder aus Teilen Sachsens und Thüringens. Wir wurden erstmalig unter dem Namen Argus 1983 erwähnt und heißen seit 1988 Moshquito. Das aktuelle Album ist erst das zweite. Das erste hieß `Secrets`, ist 1998 bei Noiseworks erschienen und wurde von uns im Eigenvertrieb vertrieben. Das ist zwar total stressig, hat aber auch seinen Reiz (jede von Hand verkaufte CD verschafft einem immer wieder ein Erfolgserlebnis). Das letzte Album haben wir immerhin circa 800 mal unters Volk bringen können und die Rezensionen waren meist auch immer sehr positiv. Sogar ein Auftritt auf dem 1999er WFF Festival in Rojtschora ist dabei für uns heraus gesprungen. Weiterhin haben wir zur `Secrets` noch eine Minitour mit Postmortem und Mainpoint durchgezogen.“

Olli listet die aktuelle Besetzung auf: „Am längsten dabei sind unser Gitarrist Igor und sein Bruder Lutz, der für den Live- und Studiosound zuständig ist. Rudi, unser Basser, zupft seit mittlerweile zehn Jahren am Baß ´rum und ich war von 1987-88 schon mal in der Band; jetzt seit 1996 wieder. Der einzige Stuhl in der Band ist der Schlagzeughocker, der sich allerdings in der Vergangenheit bei uns als Schleudersitz entpuppt hat. Somit ist Jens unser `jüngstes` Mitglied, und zwar seit dem Herbst 1999. Im CD-Booklet taucht allerdings noch ein fünfter Mitstreiter auf: Andy. Er wollte ursprünglich auch mitmachen, war Mitglied und zeichnete auch gleich für das Coverkonzept verantwortlich. Allerdings reaktivierte er kurz nach seinem Einstieg seine alte Band Disillusion und somit war für Moshquito kein Platz mehr. Wir möchten uns aber hiermit ganz herzlich bei ihm für seine Hilfe bedanken und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.“

Was war der damalige Anlaß, die Band zu gründen? Wart ihr Fans, die ihren Idolen nacheifern wollten oder bestand der Drang, einfach seinen Haß auf das DDR-Regime und auch die ganze heuchlerische Welt in Musik zu formen?

„Zum Zeitpunkt der Gründung waren die Gründe dafür sehr vielschichtig; beispielsweise bin ich schon seit meinem 13. Lebensjahr Metalfan und wollte schon immer ein Rocksänger werden. Von unserem Basser Rudi weiß ich, daß er früher ein Fan von uns war und durch seinen alten Kumpel Kuvi, Ur- Drummer zu Ostzeiten, motiviert wurde, Baß zu lernen. Bei den anderen zweien weiß ich aber nicht, was sie geritten hat, ein Instrument zu lernen. Ich weiß nur, daß sie die Sache ernst genommen haben und immer geübt haben. Das Ergebnis kannst Du auf der Platte hören.“

Ihr habt ja schon unter Honecker euer Ding durchgezogen; das war bestimmt bei weitem nicht so einfach wie es im Westen immer war, oder? „Ja und nein! Was das Equipment anging, war der Westen ja deutlich im Vorteil. Außerdem hatte man dort künstlerische Freiheiten von denen wir nur geträumt haben. Aber dafür hatten wir über Jahre hinweg fast immer ausverkaufte Sääle, was heute ja nur noch wenigen Bands vorbehalten ist. Das soll aber nichts über irgendwelche Qualitäten der Metalbands heute und damals aussagen.“

Was waren denn damals eure Idole? Bay Area Thrash-Truppen? „Du wirst lachen, aber zur Zeit der Gründung von Argus hießen die Helden noch John Lee Hooker und Muddy Waters. Die Metalschiene ist erst später gefahren worden. Angefangen hat es aber erst mal mit Coverversionen von Iron Maiden, Saxon, Judas Priest etc. Erst mit meinem Einstieg 1987 wendete sich das Blatt und wir fingen an, Slayer, Kreator und Destruction nachzuspielen.“

Euren Stil kann man definitiv als brachialen und tödlichen Thrash Metal mit leichten Industrial Anleihen im Gesang definieren. Wie ordnet ihr euch selbst denn ein? Und wo seht ihr euch in dieser gigantischen Szene? „Tja, mit dem Einordnen ist das bei uns so eine Sache; aber ich denke, deine Definition kann man schon so stehen lassen. In der Metalszene sehen wir uns eigentlich als ganz normale Metalband. Unseren Exotenbonus gibt es eh` nicht mehr; den kriegen wohl auch jetzt nur noch Bands aus Nepal oder Botswana. Das einzig Besondere an uns ist vielleicht, daß wir noch so eine Art Relikt aus DDR-Zeiten sind, ähnlich dem grünen Ampelmännchen etc. Es haben ja nicht viele aus unserem Genre überlebt. Außer unseren Label-Kollegen Manos und uns gibt es wohl niemanden mehr. Formel 1 aus Berlin hat es zwar auch mal wieder hinterm Ofen hervorgezogen aber die haben ja keine Veröffentlichung am Start und wollen wahrscheinlich nur noch ein Paar Taler zur Rente hinzuverdienen.“

Wer komponiert die Songs bei euch; wer schreibt die Lyrics? „Moshquito ist ein reines Gemeinschaftsprodukt und jeder gibt das hinzu, was er geben kann. Ideen und Inspirationen gibt es in unserem Alltag ja mehr als genug, man muß die Augen nur weit genug aufsperren. Zu den Kompositionen kann ich sagen, daß das jahrelange Üben unserer Instrumentalisten wahrscheinlich doch was genützt hat, es sind auf jeden Fall eine Menge Ideen hängen geblieben!“

Gibt es ein spezielles Konzept bei euch? „Natürlich haben wir ein Konzept, die Songs sollten ein gewisses Niveau nicht unterschreiten. Wir sind froh, am Ende der Produktion alle Texte zusammen zuhaben.“ Und was bedeutet der Titel „Worlds End“ für euch? Klingt ein wenig apokalyptisch, nicht? „Im Bezug auf die komplette CD hat der in der Tat etwas apokalyptisch anmutende Titel keinerlei Bedeutung. Er ließ sich gut für das Coverartwork verwenden und daher hat der Andy sich für den Song als Albumtitel entschieden. Sicherlich haben auch die Lyrics eine Bedeutung für uns; aber damit wird man heute doch jeden Tag in den Medien konfrontiert, so das man das Thema nicht noch mal extra aufwärmen muß. Jeder, der ein bißchen an unserer guten Mutter Erde hängt, weiß bestimmt genau, was wir mit dem Ganzen meinen.“

© Markus Eck, 14.10.2001

[ zur Übersicht ]

Advertising

+++

+++


+++

+++