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Interview: MOURNING BELOVETH
Titel: Betont düster

Einen der wohl geradlinigsten Vertreter des gesamten langsamrhythmischen Metal-Bereiches stellen diese fünf bierernst dreinblickenden Iren dar. Mit manisch depressiv anmutenden Doom Death Metal haben Mourning Beloveth, gnadenlos kompromisslos wie immer, auch ihr aktuelles drittes Album „A Murdeous Circus“ gefüllt.

Was die berühmten My Dying Bride einst zu Beginn der 90er Jahre so stil- und gehaltvoll begannen, was von Bands wie den kürzlich aufgelösten US-Schwerenötern Morgion dann bravourös weitergeführt wurde, genau diesen lichtlosen Klangkosmos durchreist dieses stolze Quintett von der grünen Insel also erneut in aller schmerzerfüllten Erhabenheit.

Brachialsänger Darren Moore lässt für mich von seinem Mikrofon ab.

„Wir haben ganz gewiss keine allzu großen Erwartungen, was nach der Veröffentlichung des neuen Albums geschehen wird. Wir nehmen alles, wie es kommt. Erfreuliche, positive Erfahrungen werden wir jedoch wie einen verdienten Bonus aufnehmen. Um ehrlich zu sein, dachten wir damals bei der Bandgründung im Winter 1992 sowieso nicht im Geringsten daran, jemals irgendwann ein drittes Album aufzunehmen.“

Wie der Vokalist dazu noch berichtet, wollten die Beteiligten eigentlich lediglich in einer Band wie eben Mourning Beloveth zusammen spielen:

„Doch nun haben wir erfreulicher Weise erneut die Möglichkeit, so viele Gigs wie möglich in vielen verschiedenen Ländern und Städten zu spielen. Hoffentlich werden wir die ganze Welt sehen.“

Ein zweifellos überaus bodenständiger Mensch und Musiker, dieser Darren. Und ein, wohl typisch irisch, recht eigenwilliger Künstler mit einer sehr interessanten Auffassung über die stark subkategorische Musik seiner Truppe:

„Doom Metal ist wahrscheinlich das einzige Subgenre im gesamten Metal, welches bislang noch nicht von kommerziellen Aspekten infiltriert wurde. Doom Metal ist Musik für Menschen, die sie ausschließlich um ihrer selbst Willen hören, und nicht, um einem speziellen Trend zu folgen. Doom ist der Metal der Denker, einzigartiger Sound mit viel gezeigtem Gefühl und großer enthaltener Leidenschaft. Ich persönlich denke nicht, dass Doom im Gegensatz zu den vielen sonstigen schwermetallischen Stilistiken irgendeine Message an die Hörer richtet. Denn es ist beinahe eine Art Regel beziehungsweise Berufung für Bands aus diesem Sektor geworden, ihre innersten negativen Emotionen auf rein natürlicher Basis in einer Art kathartischem Prozess in die Musik zu legen.“

Der charakterstarke Sänger, der neben seiner Tätigkeit bei Mourning Beloveth Co-Editor eines irischen Metal-Magazines namens Metalworks ist, ist Vollblutmetaller. Er betreibt laut eigener Erzählung auch einen eigenen Shop in Templebar, Dublin, in welchem er Metal-CDs und -Vinylplatten feilbietet. Darren bezieht Stellung zu speziellen Neuerungen auf „A Murdeous Circus“ gegenüber dem 2002er Vorgängeralbum „The Sullen Sulcus“:

„Die neue Scheibe ist unsere bisher variantenreichste Veröffentlichung. Wir haben so einige Uptempo-Parts mit draufgenommen, auch finden die Hörer verschiedene Riff-Arten vor. Dies geschah, um etwas mehr an Abwechslung in die Songs reinzukriegen, denn bei unserer betont düsteren Art von Metal kommt schnell Monotonie auf, wenn man nicht höllisch aufpasst.“

Diese Modifikationen wurden jedoch aber nicht durchgeführt, um für die Leute interessant zu bleiben, sondern um den eigenen künstlerischen Anspruch zu befriedigen und die Lust am Musizieren zu nähren, so Darren.

„Ich probierte daneben auch einige neue Gesangstechniken aus. Auf dem letzten Album dominierte ja durchgehend mein abgrundtiefer, fast kotzender Growl, was auf Dauer nicht sehr ereignisreich ist. Hingegen der Klargesang von unserem Gitarristen Frank wurde weniger durchschaubar beziehungsweise vorhersehbar gestaltet.“

Doch trotzdem ist `A Murderous Circus` ein sehr typisches Mourning Beloveth-Album geworden, wie der Vokalist hier ebenso eindeutig wie auch nachhaltig klarstellen will.

„Die Platte ist insgesamt sehr langsam, sehr schwer und betont dunkel, jedoch auch ganz bewusst mit einigen neuen Klangdimensionen von uns versehen worden.“ Bevor es ans Erarbeiten der Kompositionen zum aktuellen Epos ging, war der Band laut Darren wohl bewusst, dass sich alles ein wenig schwieriger gestalten würde, als dies in der jüngeren Vergangenheit der Fall war. Der Frontmann resümiert:

„Wir wussten genau, dass wir einige Parts drin haben wollten, die anders klangen als alles, was wir bisher bei Mourning Beloveth so gemacht haben. Doch weil wir unverkrampft vorgingen, gestaltete sich der Kompositionsprozess doch insgesamt gesehen recht reibungslos. Richtig nervös hingegen waren wir jedoch vor Beginn der eigentlichen Aufnahmen im Studio. Wir konnten uns anfänglich überhaupt nicht so richtig vorstellen, wie unsere Stücke hinterher klingen werden. Doch als wir dann endlich anfingen, die neuen Songs aufzunehmen, verflogen sämtliche Zweifel und Ängste im Nu. Wir wussten intuitiv, für uns selbst auf dem richtigen Weg zu wandeln.“

Inspirative Einflüsse für ihre elegischen Klangkonstrukte beziehen die fünf Iren überraschender Weise von AC/DC, wie Darren offenbart, aber auch von den monolithischen Überlängenliedern der finnischen Ultra-Doomer Skepticism.

„Wir sind keine engstirnigen Doom-Fanatiker, wie man vielleicht aufgrund unserer Musik von uns denken möchte. Genau genommen steht unsere puristische Kunst jedoch den frühen Werken von My Dying Bride, Anathema oder Paradise Lost am nahesten.“

© Markus Eck, 11.02.2005

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