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Interview: NAIO SSAION
Titel: Nicht im Geringsten limitiert

Dass nicht nur ihr Bandname, sondern sowohl Musik als auch Herkunft ungewöhnlicher nicht sein könnten, verdeutlichen diese sechs Slowenen mit ihrer zweiten Veröffentlichung, dem neuen Studioalbum „Out Loud“. Erst einmal zum dezibelstarken Erklingen gebracht, setzt dieses enorm vielfältig angelegte Silberdeckelchen eine stilistisch betont richtungsoffene künstlerische Oberfläche frei, deren teils ungeschliffen raue Facetten jeweils die musikalischen Bestandteile Gothic- und Heavy Rock sowie Dark- und Nu Metal widerspiegeln.

Und der arg verspielte Neusound von Naio Ssaion schimmert gar gleißend in den allerbuntesten Klangfarben – mit hörbarer Hingabe vokalisiert durch ein ansehnliches Fräulein namens Barbara Jedovnicky. Dazu unterlegt durch eine mit schnell gezogenen Bogenstrichen quirlig in die Pflicht genommene Violine.

Selbst teilweise anmutig umgesetzte Klassikeinflüsse verwob das blutjunge Innovatoren-Sextett wie selbstverständlich in sein zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftiges Liedgut.

Naio Ssaion-Violinist Rok Kolar befindet sich samt seiner Band zum Zeitpunkt des Interviews gerade auf Tour mit den beliebten Mittelalter-Rockern In Extremo.

„Im Moment bereiten wir uns gerade auf unseren elften Gig der Tour vor, der in Fürth stattfinden wird. Bislang konnten wir ausschließlich großartige Auftritte zu verbuchen, das deutsche Publikum ist wunderbar. Aber auch die Schweizer und Österreicher Besucher unserer Konzerte bewiesen viel Enthusiasmus – momentan gehen wir also definitiv durch die bisher schönsten Momente unserer Karriere mit Naio Ssaion“, erzählt mir der slowenische Saitenstreicher.

Sein anschließend von ihm selbst für sich ausgestelltes Persönlichkeitsprofil zeugt von einer optimistischen Geisteshaltung.

„Manchmal bin ich gar ein wenig zu frohgemut, was mein Dasein anbelangt. Aber ich glaube eben, dass ich im Leben alles erreichen kann, was ich mir vorgenommen habe, wenn ich nur fest genug daran glaube und auch eine entschlossene Bereitschaft in meinem Inneren verspüre, dafür eigene Grenzen zu überwinden, falls nötig. Was mich also als Person ganz speziell kennzeichnet: Ich mache überhaupt keinen Unterschied zwischen meinen Träumen und meinen Plänen. Denn meine Träume sind meine Pläne. Daneben will ich stets mein Recht bekommen, das ist bei mir sehr ausgeprägt. Andererseits, im Gegensatz, bin ich aber auch ein sehr harmoniebedürftiger Mensch, der mit beinahe jedem gut auskommen möchte, in erster Linie mit meinen Freunden sowie mit meiner Familie, die mir allesamt sehr viel bedeuten. Ich würde für solche speziellen Menschen alles tun.“

Die gegenwärtige Bandchemie in Naio Ssaion ist laut Statement des spielfreudigen Sprachrohres Rok, dem seine blonden Dreadlocks vom Kopf herunterhängen wie baumelnde Lianen, trotz des momentan vorherrschenden Tourstresses sehr gut:

„Das ist aber nichts Ungewöhnliches bei Naio Ssaion. Als wir in September 2005 unsere erste Konzerttournee absolvierten, waren wir auch 14 Tage ununterbrochen eng zusammen – 24 Stunden täglich. Streit, Rivalitäten, Egotrips oder Ähnliches gab es dabei nicht. Wir hatten viel eher eine richtig fantastische Zeit miteinander, und aktuell ist es ebenso. Wir sechs Bandmitglieder passen eben verdammt gut zusammen.“ Auch wenn nicht alles perfekt läuft, wie Rok dem scherzend anfügt.

Der zugegebenermaßen doch einige linguistische Trainingseinheiten bis zu seiner flüssigen Formulierung in Anspruch nehmende Gruppenname Naio Ssaion nötigt einiges an Interesse hinsichtlich seiner Herkunft und Bedeutung ab.

Der Saitenspieler legt diesbezüglich dar:

„Naio Ssaion steht für uns sechs Individuen, die zusammen ihre ureigene Musik machen, diese auf den Bühnen zelebrieren und eine schöne Zeit zusammen verleben. Der Bandname wurde von uns selbst kreiert, er stellt im eigentlichen Sinne ein Wortspiel dar. Mehr möchte ich darüber nicht verraten, außer, dass wir unseren Bandnamen sehr mögen und uns vollauf mit ihm identifizieren können.“

Bei solcherlei offenbar vielfältig inspirierten Klängen wie denen auf dem neuen Album „Out Loud“ vermutet man doch nicht wenige dahinter steckende Einflüsse.

Und dieser Eindruck täuscht in der Tat nicht, so der gute Rok:

„Aber für mich ist es immer wieder sehr schwer, auf solcherlei Fragen eindeutige Antworten zu geben. Fest steht, dass wir musikalisch nicht im Geringsten limitiert sind, weder als Hörer noch als Musiker. Denn wir sechs mögen eigentlich alle Formen von Musik – das geht von Rock und Pop über Metal hin zu Electro und dergleichen mehr. Jeder von uns frönt bei sich zuhause seinen eigenen Vorlieben nach Lust und Laune, wir engen uns da überhaupt nicht bestimmend ein. Das Resultat dieser Einstellung ist die Musik, die wir als Band zusammen machen. Wir sind davon überzeugt, mit unseren Liedern etwas in dieser Branche wirklich Eigenständiges und völlig Individuelles zum Leben erweckt zu haben.“

Wie der Violinist mit weiteren Worten erklärt, versucht das eigenständige slowenische Sixpack dabei die erheblich große Eigenenergie, die es auf der Bühne entwickelt, komplett in seine Kompositionen zu transformieren. „Wir spielen Musik, die wir uns auch selbst gerne anhören und die wir noch lieber auf der Bühne spielen. Und `Out Loud` ist das aktuelle Resultat all unserer Leidenschaften.“

Laut Rok würden Naio Ssaion ohnehin niemals einen Song aufnehmen, den die Band nicht auch gerne live spielen würde, darauf schwört der Fidelmann. Er ergänzt zu diesem nicht gerade unwichtigen Thema:

„Unser neues Werk ist auch nicht strikt auf eine ganz bestimmte Hörerschicht ausgerichtet, sondern eher auf ein breites Publikum, welches gerne harte Musik hört. Dank meinem Violinspiel und ganz besonders Barbaras wunderschöner Singstimme kann man die neue Scheibe schon ganz gut hören, möchte ich meinen. Ich glaube daran, dass die meisten der Hörer `Out Loud` mögen werden.“

Aufgrund der eingangs erwähnten stilistischen Ungewöhnlichkeit dieses mutig aus der Reihe tanzenden Langspielers darf man da jedoch mehr als verdammt gespannt sein.

Für Gewöhnlich startet das Sextett das Songwriting für seine Lieder primär mit reinem Komponieren, Texte kommen erst nach und nach hinzu, so Rok:

„Ich mache da zumeist den Anfang mit meinen Ideen. Dann bringen sich auch unsere beiden Gitarristen Tine und Luka sowie unser Schlagzeuger Mic in den Kompositionsprozess ein. Barbara verfasst ihre Texte in der Regel selbst – lediglich für das Stück `Shut Up` trug unser Bassist Lenart die Lyrik bei. Die Arrangements für die Stücke arbeiten wir als Team in unserem Probenraum aus. Normalerweise benötigen wir bei dieser Arbeitsweise immer einige Monate pro Lied, bis es reif für die Aufnahme im Tonstudio ist.“

Hauptsächlich behandeln die Songtexte von Barbara allerlei Positivmus. Rok summiert die grundsätzliche lyrische Direktive der Sängerin von Naio Ssaion wie folgt:

„Sie singt sehr gerne davon, nicht aufzugeben und entschlossen mit dem weiterzumachen, was einem wichtig ist. Jeder Song erzählt eine kleine Geschichte darüber. Wie gesagt, ist es unser Hauptanliegen, gute und harmonische Energien zu repräsentieren beziehungsweise zu vermitteln. Wir möchten den Menschen durch unsere Texte helfen, sich und ihren Idealen stets und in jeder Lebenslage treu zu bleiben.“

Und da aus Slowenien auch nicht gerade jeden Tag eine Metal-Band von sich Reden macht, beschreibt Rok gerne seine Heimat.

„Slowenien ist ein zwar kleines, aber sehr schönes Land. Ich persönlich lebe in einer kleineren Ortschaft, welche zehn Kilometer entfernt ist von Velenje, der fünftgrößten Stadt in Slowenien.“

Aus Velenje und der näheren Umgebung stammen laut Aussage von Rok ohnehin alle Bandmitglieder von Naio Ssaion.

„Wir lieben unsere Heimat. Vielleicht mögen wir sie ja noch viel mehr, weil wir allesamt ziemlich reisefreudige Gesellen sind und somit eine ganze Menge Zeit außerhalb von hier verbringen. Da macht nicht zuletzt auch die Heimkehr immer wieder riesige Freude. `Home Sweet Home` eben. Ich zögere an dieser Stelle abschließend auch nicht, alle Leser guten Gewissens zu einer Stippvisite unseres Heimatlandes aufzufordern. Ich bin mir absolut sicher, ausnahmslos jeder Besucher wird positiv überrascht sein.“

© Markus Eck, 01.01.2006

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