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Interview: RABENSCHREY
Titel: Gegen alle Widerstände

Vieles wird immer wieder über Donar von Rabenschrey erzählt, gemutmaßt und gemunkelt, den Anführer und Sänger dieser gleichfalls eigenwilligen als auch nicht wenig aufmüpfigen Mittelalter Metal-Gesandtschaft.

Wer den auch als Komponist, Texter, Produzent, Flötist und in gewisser Weise auch Multiinstrumentalist tätigen Zeitgenossen jedoch näher kennt, der schätzt ihn als aufrichtige und angenehm unprätentiöse Erscheinung. Im Herbst wollen Donar und seine rebellische Truppe das neue Album mit dem griffigen Titel „Metal Alter“ auf den (Mittelalter)Markt schmeißen.

Was die Hörer auf dem neuen Werk erwarten wird, das ergibt sich bereits durch den Albumtitel, so der urwüchsige Protagonist in aller erdenklichen Lässigkeit. Und dabei grinst der Kerl so breit, dass glatt die Ohren Besuch bekommen.

„Es geht um Metal, Alter! Geboten wird dabei eine Weiterentwicklung und Fortsetzung der letzten drei Rabenschrey-Alben. Nachdem wir mit dem Album ,Unvollkommen‘ den musikalischen Weg der härteren Gangart beschritten haben, wird dieser mit den folgenden Alben auch entsprechend konsequent fortgesetzt.“


Das Grinsen im Antlitz des Interviewpartners, es geht nahtlos weiter. Und der prägnanteste Unterschied zum Album-Vorgänger in rein musikalischer Hinsicht ist laut einem nicht wenig zynischen Donar derjenige, dass völlig neue und unbekannte Rabenschrey-Songs auf dem Tonträger sein werden. Mann, nun lass‘ es doch raus! Das zeigt Wirkung:

„Die irischen Flöten werden etwas häufiger ihren Einsatz finden als auf dem letzten Album.“

Grundlegende Ideen zu den neuen Rabenschrey-Kompositionen kamen vom schlitzohrigen Meister selbst, wie dieser nachfolgend erläutert.

„Doch auch meine beiden Gitarristen Wayk und Hippie haben etwas beigesteuert. Das haben wir dann gemeinsam ausgearbeitet und arrangiert. Allein das schreiben der Texte blieb exklusiv in meinem Schoß.“

Und so kamen die Basis-Ideen zum Kompositionsprozess für den kommenden Album-Dreher aus gleich drei Richtungen.

„Die Aufnahmen, zumindest während der Vorproduktion, machte aber jeder von uns für sich. Dank der heutigen Technik ist dies sehr unkompliziert machbar. In unserem Studio erfolgte dann die Hauptarbeit und alles wurde dort zusammen gefügt. Zum Glück brauchen wir uns dazu nirgendwo einbuchen. Die Songs wurden somit in mehreren Passagen eingespielt.“

Dabei handelt sich eigentlich jedes Mal um einen sehr dynamischen Prozess, der sich nicht immer vorhersagen lässt, so der Wuppertaler Gevatter.

„Rund muss man es machen. Das eigentliche Problem bestand bei dem Faktor ,zeitnah‘. Wayk und unser Drummer Axt fielen während der Vorproduktion aus beruflichen Gründen über einen längeren Zeitraum aus als geplant. Zudem kam dann auch noch eine gesundheitliche Einschränkung, welche ich beheben lassen musste, und die mir dann auch noch eine Auszeit einbrachte. Alles in allem erzeugte dieser ganze Tumult eine nicht unerhebliche Verzögerung und katapultierte den geplanten Veröffentlichungszeitpunkt vom Sommer in den Herbst. Totale scheiße, aber leider nicht zu ändern“, konstatiert der Musikus mit gewohnt schroffen Worten.

In der ersten Jahreshälfte ist ohnehin eine Menge Spannendes passiert bei und rund um Rabenschrey, wie noch zu erfahren ist. „Doch für mich ist auch die jetzige Zeit immer noch sehr spannend. Was durchaus auch etwas ironisch zu betrachten ist. Denn nachdem wir von unserem letzten Booker verarscht worden sind und nicht wirklich ein auch nur halbwegs guter Job für das laufende Jahr gemacht wurde, kam aus dieser Ecke natürlich auch noch ein gutes Paket an Arbeit auf mich zu. Der Vertrag ist glücklicherweise seit Mai beendet. Somit war und ist wohl das Spannendste für mich, alle diese Faktoren unter einen Hut zu bringen.“

Es geht weiter im Gespräch zur aktuellen stilistischen Mixtur auf „Metal Alter“ beziehungsweise, worin der kernige Typ deren größte Stärke sieht.

„Ich denke es ist die gleiche Stärke wie auch in der Vergangenheit. Ein eigener Stil, keine Orientierung an Trends oder anderen Bands – wir machen exakt nur was wir wollen. Den ,wir versuchen so wie die oder die zu klingen‘-Modus überlassen wir gern anderen Bands. Ich denke sowieso, dass der wesentliche Unterschied zu sonstigen Alben aus dem Genre ,Mittelalter Metal‘ unser eigener und individueller Stil ist. Wenn ein Song von Rabenschrey, vornehmlich mit Low Whistle, startet, dann ist unverkennbar was da gerade läuft. Dieser Unterschied ist der wohl relevanteste um sich von den üblichen Werken zu unterscheiden.“

Songtexte haben bei dem diesem schwarzhaarigen Querkopf ihre ganz eigenen Gesetze in der Entstehung.

„Kommt zum Beispiel eine Songidee von einem der Kollegen, dann kann diese bereits die Inspiration für einen Text sein. Ich höre ihn, sofern er mich grundlegend anspricht, häufig hintereinander und langsam formiert sich eine Geschichte in meinem Kopf aus der dann langsam der Songtext entsteht. Bei meinen eigenen Kompositionen entstehen Text und Musik meistens parallel zueinander. Das Eine stößt das Andere an. Es gibt jedoch auch Situationen, in denen, wie aus dem Nichts, eines der Beiden entsteht und das Andere folgt. Die Inspirationen kommen in der Regel aus dem alltäglichen, sind jedoch oft nicht im Detail greifbar sondern einfach da.“

Letztlich freut sich der Freiherr von Rabenschrey natürlich darüber, wie er offenbart, wenn es Menschen gibt, die Bock auf die Musik seiner Band haben, sich daran erfreuen können oder einfach nur darauf abfeiern. „Und da ich weiß, dass sich nur die anspruchsvollen Hörerinnen und Hörer dafür interessieren werden, beantwortet sich diese Frage ja eigentlich stets immer wieder wie von selbst.“

Er und seine Rabenschreyer sind ehrlich und haben Spaß an dem was sie machen, lässt er noch in aller Deutlichkeit verlauten, und das ebenso auf den Brettern, die bekanntlich die Welt bedeuten.

„Es ist also bei uns mit keiner einstudierten Abfolge von Sprüchen zwischen den Songs und abgespulten Witzen zu rechnen, die jeder Zuschauer nach der dritten gesehenen Show von Anfang bis Ende mitpredigen kann. Ich versuche spontan auf das Publikum einzugehen und so eine Interaktion entstehen zu lassen. Natürlich wiederholen sich gewisse Elemente. Aber das gesamte Programm … na ja, dass muss wohl jeder selber wissen“, platzt es lachend heraus.

Dann fügt der Düstermann noch etwas eher Unerwartetes an, was ihm aber persönlich immens wichtig ist.

„Vor der Arbeit am neuen Album beschäftigten wir uns mit einigen anderen Fragen rund um Rabenschrey. Uns ist bei vielen Kollegen aufgefallen, dass sie im Laufe der Zeit von einem Sog eingefangen wurden. Dem Sog nämlich, innerhalb einer vorgegebenen Zeit ein neues Album fertig zu stellen. Um dieses dann zielgruppengerecht zuzuschneiden und immer brav genau das zu tun, was von anderen vorgegeben wird. Immer schön ja zu allem sagen und möglichst in jeden Arsch kriechen, damit man kalkulierbar als Produkt verwendet und vermarktet werden kann. Die größte Gefahr dabei ist aber, dass das eigene ,Gesicht‘ auf der Strecke bleibt. Der erhoffte Bekanntheitsgrad dann einen höheren Wert hat als die Individualität und der künstlerische Aspekt des Musikerseins. Viele Bands merken so gar nicht, wie hoch der Preis sein kann und wenn sie es erkennen, ist es oftmals schon zu spät. So fragten wir uns, wo stehen wir? Und stellten dabei fest, dass wir immer noch die Rebellen sind. Dass unsere Ecken und Kanten immer noch so scharf sind, dass sich das oftmals korrupte und manipulierte Musikgeschäft nach wie vor an uns schneidet. Sicherlich zahlen auch wir einen hohen Preis dafür. Einflussreiche Größen aus dem Musikgeschäft versuchen uns Steine in den Weg zu legen. Bemühen sich uns klein zu halten. Nutzen ihren Einfluss um beispielsweise Festival-Bookings zu unserem Nachteil zu manipulieren. Wir sind weder die Ersten, noch die Einzigen die von solchen Manipulationen betroffen sind und manche Kollegen sind auch bereits schon daran zerbrochen. Auch wir stellten uns die Frage: Macht es überhaupt noch Sinn weiter zu machen? Und nun kommen wir zu unserem Ergebnis: Man wird uns nicht klein kriegen, man wird uns nicht zu musikalischen Huren machen. Man kann uns das Leben so schwer machen wie man will. Aber wir geben nicht auf! Wir bleiben wer wir sind! Wir werden nicht den Spaß an unserer Musik verlieren! Wir vertrauen auf die größte Macht im Musikgeschäft – den Hörer!“

Wenn das neue Album dann letztendlich fertig gestellt sein wird, dann kommt die Administration auf den Schirm und das Booking für das kommende Jahr auf den Zettel. „Aber ich bin nicht undankbar über eine ruhigere und entspannte zweite Jahreshälfte. Am 29. November machen wir dann noch unser ,Winterkonzert‘ in Wuppertal im LCB und werden dort exklusiv unsere neueste Show vorstellen.“

© Markus Eck, 10.07.2013

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