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Interview: SAXORIOR
Titel: Direkt aus dem Herzen

Um einen gar mächtigen Heathen Metal-Hammer wie ihr aktuelles Album „Never Ending Battles“ zu schmieden, bedurfte es für diese ostdeutschen Überzeugungskämpfer einer künstlerischen Entwicklungszeit von ganzen zehn Jahren.

Im Januar 1994 als Quartett gegründet, machten Saxorior bis zum heutigen Tage also eine bemerkenswerte musikalische Reife durch, welche sich nach dem Demo „The First Fight“ über die Alben „Return From The Dark Side“, „Portent Of Eternity“ und „Saxot“ bis zur aktuellen Veröffentlichung hinzog. Und mit „Never Ending Battles“ offerieren diese fünf historisch orientierten Sachsen ihren Hörern eine erhaben epische und stark hymnische Edelmischung aus Pagan- und Black Metal, herrlich orchestral konturiert und mit energisch wütendem Biss dargeboten.

„Zurzeit sind wir ganz gut drauf; außer dass nach unserem letzten Gig an der Küste nach zwei Tage langem exzessiven Alkoholgenuss massive Magen- und Darmprobleme auftraten. Seit April stellen wir bei Auftritten, unser neues Album vor und die Resonanzen waren bis dato sehr positiv. Außerdem sind wir selbst immer noch mit `Never Ending Battles` sehr zufrieden“, verkündet mir Gitarrist und Shouter Kai-Uwe Schneider aus dem Camp der tatenstarken Truppe.

Der Griffbrettmann resümiert in diesem Atemzug:

„Nach dem 2001er Release von `Saxot` präsentierten wir uns wieder live, und wenig später begannen wir zwischendurch immer wieder mal neue Songs zu schreiben. Wir waren auch letztes Jahr 2003 kreativ tätig, und zwar brachten wir die limitierte Vinyl-Scheibe `Von Rache und Schmerz` bei Fog Of Apocalypse raus. Auf der A-Seite sind Studioaufnahmen, auf der B-Seite Live-Mitschnitte. Und das Ganze über 53 Minuten lang. Bei den Studioaufnahmen handelt es sich um zwei neue Songs in Deutsch und zwei alte, die wir nochmals neu aufgenommen haben. Desweiteren haben wir den AC/DC-Song `For Those About To Rock` gecovert, welchen Gorgoroth von Baltak eingesungen hat. Dann waren da auch noch organisatorische Dinge zu erledigen, wie beispielsweise unser Wechsel von G.U.C. zu Battlegod Productions, einem australischen Label.“

Kai-Uwe hasst es laut eigener Aussage, Metal in Schubladen zu stecken. „Als Orientierung könnte man unsere Musik grob als einen Mix aus Pagan-, Black- und Death Metal beschreiben, wobei auch einige klassische Elemente eine Rolle spielen. Wir legen Wert auf Abwechslung, einprägsame Hymnen und hohen musikalischen Anspruch. Mit Sicherheit ist `Never Ending Battles` das beste Album, das wir gemacht haben, und unser eigener Stil hat sich damit noch mehr gefestigt. Die Songs sind nun ausgereifter und soundtechnisch ist es auch eine sehr gute Produktion geworden, da wir uns diesmal viel Zeit genommen haben, bis wir endlich mit dem Ergebnis zufrieden waren. Es wird einem akustisch ganz langsam durch liebliches Vogelgezwitscher die Schönheit der sächsischen Natur nahe gebracht, jedoch artet es dann in einem tosenden Schlachtengewitter aus, was durch fette Gitarrenriffs, höllisches Drumming, tragende Keyboardsounds sowie das sich abwechselnde Geschreie unseres zweiten Gitarristen Eschi und mir rübergebracht wird. Auch ein paar anmutige Klänge wurden hier und da eingeflochten.“

Natürlich haben sich Saxorior über die Jahre musikalisch Stück für Stück verbessert, wie Kai-Uwe stolz bekennt. So findet er:

„Es wäre ja schlimm, wenn man sich nicht weiterentwickeln würde. Bereits unser Vorgängeralbum `Saxot` kam bei den Fans gut an; wobei man `Hic Nulla Pax`, `Siegfried` und die Mike Oldfield-Coverversion `Tubular Bells` als Höhepunkte unter den enthaltenen Tracks nennen kann.“

Das Konzept der neuen Scheibe behandelt in erster Linie die Geschichte Sachsens vor der Christianisierung, als beispielsweise der Sachsenführer Wittekind eine bedeutende Rolle spielte.

„Letztendlich brachten wir rohe Energie kombiniert mit durchdachtem Songwriting sehr lebendig und überzeugend rüber. Darauf wollten wir aufbauen und ein noch fetteres Album produzieren.”

Den Menschen, welche die Zeit des 30-jährigen Krieges mitgemacht haben, müssen all diese blutigen Kämpfe damals wie eine niemals endende Schlacht vorgekommen sein. Der Gitarrist führt hierzu aus:

„`Never Ending Battles` kann man dazu in übertragenem als auch direktem Sinne sehen. Ersteres ist so zu verstehen, dass es ein ständiger Kampf ist, den man im Leben führt, egal, um was es geht. Sei es Schmerz, Liebe, Trauer, Krankheiten, der Kampf mit einem selbst oder auch irgendjemand, der einem ständig Steine in den Weg legt, worauf auch in dem Lied `Reasons Of War` angespielt wird. Im direkten Sinne bedeutet für uns, dass es ständig Kriege gab, heute noch gibt und wohl auch immer geben wird. Bis die Menschheit sich selbst vernichtet hat oder vielleicht doch noch eines fernen Tages zur Vernunft kommt.“

Wie auf vorangegangenen Alben von Saxorior bereits zu hören ist, werden die Musiker sehr durch die Geschichte ihrer Heimat inspiriert.

„Die Idee war da anfangs, ein Album über den 30-jährigen Krieg zu schreiben. Und die Rolle lyrisch umzusetzen, welche unsere heimatliche Gegend darin spielte. Beispielsweise durch die Festung Königstein, eine alte Gedenktafel von zwei Gekreuzigten oder auch die ältesten Fichten Europas in der Wolfsschlucht, die in dieser Zeit gepflanzt wurden und nunmehr ca. 380 Jahre alt sind. Dies wurde dann auch in den ersten fünf Songs von `Never Ending Battles` umgesetzt.“

Dann sind da laut Kai-Uwe auch noch Songs auf dem neuen Album, in denen es um die Rache einer Misshandelten geht. Oder um Schmerz, der einen schier in den Wahnsinn treibt.

„Wiederum Extreme, die gut zum Thema passen. Des Weiteren hat Eschi ein Lied in Gedenken an seinen Vater geschrieben, der dem schweren Kampf gegen seine Krankheit erlag. Ich persönlich widmete einen Song dem Leben und Schaffen Richard Wagners, in welchem verschiedene musikalische Themen des Meisters eingebaut wurden.“

Ihre Musik kommt dieser Band jedenfalls immer direkt aus dem Herzen und aus dem Bauch, was dann später in den kreativen Köpfen der Mitglieder richtig zurechtgerückt wird. Spezielle Einflüsse für die epischen Songs von Saxorior zu nennen, fällt Kai-Uwe daher nicht gerade leicht.

„Da keiner von uns taub durchs Leben rennt, ist es sehr schwer, alles aufzuzählen. Aber die wichtigsten sind auf jeden Fall Acts wie Kiss, AC/DC, Ozzy Ozbourne, Manowar, Slayer und im Prinzip die ganzen Größen der NWOBHM. Natürlich werden wir auch von aktuellen Pagan-, Black- und Death Metal-Bands beeinflusst. Ich persönlich bin seit über 20 Jahren Kiss-Fan, habe alles von Mike Oldfield und höre aber auch klassische Musik, vor allem Richard Wagner. Eschi und ich machen die Songs jeder für sich zu Hause, wodurch dann auch die Abwechslung entsteht. Im Proberaum wird dann so lange gebastelt, bis alles paßt. Der einzige Song mit speziellem musikalischem Einfluss ist eigentlich `Dem Meister`, der strotzt nur so von Wagnerthemen. Als Bonustrack auf unserer aktuellen Veröffentlichung wäre da noch `For Those About To Rock` von unserer zuvor bereits erwähnten Vinyl-Platte `Rache und Schmerz`. Die Reaktionen darauf waren immer wieder so dermaßen überwältigend, dass wir ihn einfach noch auf die CD mit drauf packen mussten.“

Live auf der Bühne ist dagegen ja an und für sich auch nichts einzuwenden, jedoch hat ein klassischer Hardrocksong wie dieser auf einer nur noch atmosphärischen Heathen Metal-Schlachtplatte wie „Never Ending Battles“ nach persönlicher Ansicht des Autoren nichts zu suchen. Apropos Live:

„Unsere Shows ziehen wir so professionell wie möglich durch und legen großen Wert darauf, dass die Leute einen guten Sound um die Ohren kriegen. Wir spielen natürlich alte und neue Songs, lassen die Haare wehen, spucken zwischendurch etwas Feuer, lassen das Keyboard brennen und beweisen, dass wir es ernst meinen. Wir danken allen, die uns die Treue gehalten haben, an uns glauben und uns unterstützt haben, trotz aller Schwierigkeiten. Metal rules!”

© Markus Eck, 07.06.2004

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