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Interview: SIEBENBÜRGEN
Titel: Legenden dunkler Leidenschaften

Auch auf ihrem neuen und vierten Album, welches den bedeutungsschwangeren Titel „Plagued Be Thy Angel“ erhielt, beweisen die schwedischen Metal-Vampire Siebenbürgen ihre überragende und auch dominante Relevanz in diesem Genre.

Dieses Werk wird den geschminkten Schweden erneut eine ganze Reihe neuer Fans einbringen. Restlos überzeugender und in der noblen Klasse seiner ästhetischen Erscheinung unnachahmlich dunkler nordischer Metal, welcher sich aufgrund seiner dauerhaften musikalischen Vielschichtigkeit nach wie vor den gängigen Schubladenbezeichnungen der einschlägigen Presse nun schon seit vielen Jahren hartnäckig zu entziehen weiß.

Die superbe Band benannte sich passender Weise nach der sagenumwobenen karpatischen Heimatstadt des ebenso mit einem massiven Mystizismus behafteten rumänischen Grafen Vlad Zepesch, besser bekannt als Dracula.

Die aktuellen Stücke verleugnen ihre kreativen dunklen Wurzeln zu keiner Zeit, doch haben sich Siebenbürgen auch gehörig nach vorne weiterentwickelt.

Was sich neben vielen metallisch traditionellen Querverweisen vordergründig immer mehr im ausdruckstarken Gesang von Marcus Ehlin manifestiert, welcher um einiges in Richtung Individualität nivelliert wurde.

Auch die liebliche Stimme von Elfenkehle Kicki Höijertz ist erneut mit von der Partie, was wie gewohnt Garant für einige stimmige Momente der träumerischen Verlorenheit ist.

Und begannen Siebenbürgen auf ihrem bezaubernden Debüt „Loreia“ einst noch unter dem Signet „Black Metal-Band“, so vollzog sich über die nachfolgenden Alben „Grimjaur“ und „Delictum“ eine Wandlung im Soundkonstrukt der schwarzen Schweden.

Somit spielt das vampireske Blutorchester auf dem neuen Album „Plagued Be Thy Angel“ eine ureigene Stilistik, die sie jüngst selbst gerne als „Vampyric Metal“ titulieren.

Die bezwingend hohe Qualität der aktuellen Kompositionen blieb von den leichten stilistischen Modifikationen jedoch unberührt.

Der gleichermaßen druckvolle wie bewegungsfreudige hochwertige Schwedenstahl der Band wurde abermalig in seiner Reinform ausgeschmiedet und scheint auch auf „Plagued Be Thy Angel“ wieder von einer ganz besonders edlen Legierung zu sein.

Die beiden Siebenbürgen-Hauptkomponisten Marcus Ehlin und Linus Ekström haben erneut ganze Arbeit geleistet und stellen ihr beängstigend hohes musikalisches Talent eindrucksvoll zum wiederholten Male nachhaltig unter Beweis. Vokalist und Saitensadist Marcus Ehlin tritt zum zweiten Mal mit mir in den Dialog.

Die aktuelle Situation im Bandlager ist wohl alles andere als unverändert. „In der Vergangenheit gab es einige Veränderungen. Nach den Aufnahmen zum neuen Album verkündeten Kicki und unser Gitarrist Linus Ekström, daß sie Siebenbürgen verlassen würden. Ihre Statements gründeten auf persönlichen sowie musikalischen Differenzen. Das traf uns zwar sehr, doch da das Engagement der beiden in der letzten Zeit doch zu wünschen übrig ließ, hatten wir anderen uns auch recht schnell damit abgefunden. Und es dauerte nicht lange, da fanden wir in Fredrik Folkare und Turid Walderhaug auch schon wieder adäquaten Ersatz.“

Der Sänger und Bandboss ist mit Leib und Seele bei Siebenbürgen, die Band ist sein Leben geworden. Daher verlangt Marcus von seinen Mitstreitern auch bedingungslosen und höchsten Einsatz, wie er verlauten lässt.

„Für mich ist es das Größte, wenn ich mit begeisterten Musikern arbeiten kann. Bei Linus und Kicki war dies schon seit Längerem nicht mehr der Fall, daher war ich doch im Nachhinein betrachtet recht froh, daß sie von selber gingen.“

Der skandinavische Namensvetter des Autoren ist hinsichtlich der anstehenden Veröffentlichung der neuen Platte auch schon sehr gespannt.

„Ich bin schon neugierig, wie die Reaktionen ausfallen werden. Allerdings interessieren mich beide Seiten – also die Presse und die Fans – gleichermaßen.“

Obwohl, wenn er ganz ehrlich ist, wie er offenbart, dann interessieren ihn die Fans sogar noch mehr.

„Aber ich denke, sie werden `Plagued Be Thy Angel` genauso wie unsere anderen Releases mögen.“ Der idealistische Schwede war nämlich „noch niemals zuvor in der Historie der Band so dermaßen zufrieden mit einem Album wie diesmal. Das neue Album ist das repräsentative Resultat von Siebenbürgen in Top-Form!“

Zum neuen Albumtitel will er den Fans Interpretationsspielraum lassen.

„Ich hoffe, daß unsere Anhänger den Titel jeder für sich in seiner eigenen Weise auszulegen verstehen.“ Marcus ist jedoch davon überzeugt, die aufzeigende „lyrische Lösung liegt im Titelstück. Das Hauptthema auf der Scheibe sind aber wie bereits von uns gewohnt viele kleine dunkle Geschichten über Horror-Szenerien und beängstigende Alpträume.“

Die Produktion der aktuellen Platte ist erneut erfreulich ohrenfreundlich ausgefallen. „`Plagued Be Thy Angel` wurde im selben Studio wie `Loreia` und zuletzt `Delictum` aufgenommen, in den Six String Studios.”

Und eigentlich hätte alles in viel kürzerer Zeit fertig sein sollen. „Wir vermuteten, innerhalb von zwei Monaten mit den Arbeiten daran fertig zu sein. Aber irgendwie sollte es verdammt noch mal nicht sein und wir benötigten ganze vier Monate. So kam uns jedes noch so kleine Problem in die Quere, welches man sich überhaupt nur vorstellen kann. Manchmal spielte die interne Software verrückt, manchmal die Hardware. Und als ob das alles noch nicht genug wäre, plagten uns auch noch Bandinterne zwischenmenschliche Differenzen.“

Marcus kam es an manchen dieser mitunter recht verdrießlichen Tage im Studio schon fast so vor, „als ob jeder kleine Dämon der Unterwelt uns heimsuchte, uns in die Kehlen pisste und unser Leben zu einem Scheißhaufen machen wollte.“

Davon blieb glücklicherweise die enorme Transparenz und Soundqualität der aktuellen Siebenbürgen-Scheibe dann aber letztendlich doch unberührt. Marcus komponierte mit Linus laut eigener Aussage ein ganzes Jahr an den aktuellen Stücken:

„Für mich war es einer der psychisch aufreibendsten und auch schwierigsten kreativen Prozesse seit dem Beginn der Band. An manchen Tagen schienen die Worte für meine Songtexte meinen inneren Geist nicht verlassen zu wollen und es beanspruchte eine lange Zeit, bis ich sie hervorholen konnte.“ Wenn Marcus aber zurückblickt, so ist das aktuelle Resultat seiner Auffassung nach doch sehr gut geworden und war jeden einzelnen Blutstropfen wert, berichtet er.

Bestimmt wird sich unter vielen Siebenbürgen-Fans nach dem Erscheinen der neuen CD eine mehr oder weniger hitzige Diskussion um die Einordnung der von ihrer Lieblingsband gespielten metallischen Stilistik entfachen.

Marcus stellt daher unmissverständlich klar: „Was haben die uns in der letzten Zeit doch wieder genervt mit ihren schier nicht enden wollenden Fragen bezüglich unseres Stils. Wir wären durch die Abänderung unserer einstigen musikalischen Direktive zu weit von unseren Wurzeln weg gekommen usw. usf. Dabei spielen Siebenbürgen weder Black- noch Death- noch sonst irgendeinen in den letzten Jahren von den Medien kreierten Metal-Stil. Unser Sound ist einfach nur Metal, sonst nichts. Kaum zu glauben, was?“ , macht sich der Sänger Luft. Man kann ihn verstehen.

Jetzt sollte aber Klarheit herrschen. Nachfolgend möchte ich dem zornig singenden Obervampir noch etwas zu seiner spirituellen Einstellung entlocken. Jedoch:

„Die Zeit ist noch nicht reif dafür. Ich habe noch niemals in Interviews darüber gesprochen und werde auch diesmal keine Ausnahme machen. Ich habe einen Pakt geschlossen, welcher mir verbietet, etwas davon in die Öffentlichkeit gelangen zu lassen. Alles was ich sagen kann, ist, daß ich einen tiefen Glauben an etwas habe und daß ich in diesem Zusammenhang über die Jahre einige äußerst befremdliche Erlebnisse hatte. Eines Tages werde ich vielleicht darüber sprechen, aber bis dahin bleiben meine Lippen in dieser Hinsicht geschlossen.“ Wir können gerne warten, bereitet das verzückte Lauschen der wirklichen einmaligen Musik Siebenbürgens doch zeitlose und erquickende Hörfreude genug.

Der Bandname seiner Truppe fasziniert vom ersten Kontakt an und die sechsköpfige Bande um Mister Ehlin hat ihn auch ganz bewußt gewählt, wie zu erfahren ist.

„Er paßt ganz hervorragend zu unseren Lyrics, denn jeder unserer Songs ist eine eigene kleine Horrorstory für sich. Das war schon immer so bei uns. Deswegen ließen wir uns von Anfang an auch nur sehr ungern als reine Black Metal-Band abstempeln. Denn wir haben doch erheblich mehr mitzuteilen als das übliche dunkle und okkulte Gedankengut. Leider werden wir jedoch nicht immer richtig verstanden, und dazu trägt der Bandname auch immer wieder einiges bei. Denn hier bei uns in Schweden halten uns einige Arschlöcher doch glatt für eine Nazi-Band und behandeln uns auch so. So wäre der Name Siebenbürgen heute nicht mehr meine erste Wahl, wenn ich die Band noch einmal gründen würde. Aber es gibt halt nun mal in jeder Szene verbohrte Ignoranten und so läßt mich der Nazi-Vergleich auch immer mehr kalt.“

Das neue Werk „Plagued Be Thy Angel“ weist eine außerordentlich wohlklingende Produktion auf, die weder zu wenig Druck macht noch die vielen spielerischen Finessen des dunklen nordischen Ensembles aber dadurch unterschlägt. Das kommt nicht von ungefähr.

„Wir nahmen die Scheibe im selben Studio auf, in welchem auch schon `Loreia` und `Delictum` produziert wurden. Doch hatten wir diesmal im Six String Studio [Inhaber und hinter den Reglern: Micke Bergström; A.d.A.] eine gravierende Anzahl an technischen und personellen Problemen – so daß wir uns im Nachhinein entschieden haben, das nächste Werk bei einem anderen Produzenten aufzunehmen.“

Na, diesmal ging es ja noch gut. Die neuen Songs verlangen förmlich nach einer Darbietung auf der Bühne, wann soll es hier in Deutschland soweit sein? „Napalm Records haben etwas um den März/April 2002 herum geplant, aber leider habe ich im Moment keine detaillierten Infos. Wer aber immer mal wieder unsere Website checkt, wird sicher auf dem Laufenden gehalten. Die Tour soll zusammen mit Hollenthon und Eisregen stattfinden und auch über die Stationen Österreich, Belgien, Holland, Schweiz und Italien laufen. In Italien waren wir nämlich noch nicht und so freuen wir uns alle schon wie verrückt. Hoffentlich klappt es, denn ich liebe es zu touren und kann es kaum erwarten, wieder auf die Bretter zu gehen und den Fans ordentlich einzuheizen!“

Das hört man gerne, denn so soll es auch sein. Siebenbürgen haben sich vorgenommen, erneut alles zu geben. „Das müssen wir auch, denn da wir nur ein kleines Budget für das Touren haben, können wir uns keine aufwendige Bühnendekoration leisten. Und müssen dies durch entsprechend energiegeladenes Stageacting ausgleichen. Doch wir arbeiten bereits an einigen interessanten Ideen für eine effektgeladene Show und hoffen auch sehr, diese ausreichend umsetzen zu können.“

© Markus Eck, 08.11.2001

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