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Interview: SIEBENBÜRGEN
Titel: Tanz der Vampire

Längere Zeit haben ihre durstigen Anhänger nichts mehr von diesen anspruchsvollen Schwedenvampiren vernommen.

Im Januar dieses Jahres begannen jedoch dann endlich die Aufnahmen für das aktuelle fünfte Studioalbum „Darker Designs & Images“, welches derzeit veröffentlicht wird. Und erneut zelebrieren Siebenbürgen in ihrer arttypischen Weise melodisch vollständig beseelten und bluttriefenden Black Heavy Metal, der die gewohnte Unzahl an packend dramatischen Momenten beinhaltet.

1994 gegründet, also noch in der Aufbruchszeit dieser dunklen Stilistik an sich, blicken auch die neuen Bandmitglieder mittlerweile auf eine gleichfalls erfolgreiche wie bewegte Zeit zurück, die unter dem Namen Siebenbürgen nicht immer problemlos absolviert wurde.

Mikroquäler Marcus Ehlin, auch ein echter Routinier an den sechs Saiten seiner ebenso scharf wie druckvoll klingenden Holzaxt, berichtet zum neuen Klangwerk.

„Die zwischenmenschliche Harmonie innerhalb der Band ist nun wieder großartig, nachdem die meisten der alten Mitglieder durch neue Mistreiter ersetzt wurden. Sieht ganz so aus, als hätten wir diesmal die richtigen Entscheidungen getroffen. Denn es war schon eine sehr gute Zusammenarbeit, die wir allesamt zwischen den Aufnahmen zum neuen Album und den anderen angefallenen Arbeiten daran zustande gebracht haben“, entfährt es dem linientreuen Bandgründer mit Erleichterung in der Stimme.

„Unsere alte Sängerin Kicki Höijertz verließ uns zusammen mit dem Gitarristen Linus Ekström, als die Aufnahmen zum vorhergehenden Album `Plagued Be Thy Angel` in trockenen Tüchern waren. Die zwei, auch privat ein Paar, hauten echt blitzartig ab: Nicht mal mehr auf die anschließende Tour kamen sie mit. Bis zum heutigen Tage wissen wir immer noch nicht so ganz genau, warum sie so schnell türmten. Wir haben aber so unsere Vermutungen, was diesen raschen Abgang anbelangt. Man kann ohnehin sagen, dass meine Beziehung zu den beiden sehr angespannt war“, lacht Marcus hämisch, um gleich darauf wieder ernst zu werden.

Denn dann drehte sich das eigentlich stets rotierende Besetzungskarussell bei Siebenbürgen erneut und einiger Ärger ging für die Stockholmer Blutsauger einher.

„Anstelle von Kicki kam eine neue Sängerin in die Truppe, Turid Walderhaug. Ihre Rekrutierung erwies sich jedoch recht bald als richtig schlechte Wahl. Sie begleitete uns zwar sogleich auf Tour, erledigte ihren Bühnenjob aber auf schreckliche Art und Weise. Als wir wieder daheim waren, wurde Turid umgehend gefeuert. Auch Bassist Fredrik Brockert machte leider einen Abgang. Und anstatt Linus gesellte sich ein neuer Gitarrist zu uns: Fredrik Folkare. Anfangs schien es gut mit ihm zu laufen, doch nach einiger Zeit trennten wir uns einige Monate vor den Studioaufnahmen zu `Darker Designs & Images` letztlich auch von ihm.“

Eine selten leidige Serie von anstrengenden Besetzungswechseln, möchte man meinen. Doch mit der neuen Vokalistin Erika Roos ist der erfahrene Bandboss Ehlin endlich wieder richtig zufrieden, wir er vorgibt.

„Erika arbeitete bereits für die Stockholmer Royal Opera, nun studiert sie an einer der besten Operettenschulen in Dänemark. Wir sind wirklich mehr als froh, mit ihr in Kontakt gekommen zu sein, denn neben ihrer wundervollen Stimme ist sie ein großartiges Mädchen mit einer Menge an morbidem Humor. Und davon braucht man schon sehr viel, wenn man es mit uns mit uns aushalten will“, grinst der Sänger.

Vergleicht man die neuen Songs auf „Darker Designs & Images“ mit denen in den Anfängen von Siebenbürgen, also mit deutlich härteren Alben wie „Loreia“ oder „Grimjaur“, so hat sich das Quintett in markanter stilistischer Weise eindeutig weiterentwickelt.

Meister Ehlin sieht seine Düsterhorde aber trotzdem in immer derselben musikalischen Position, wie er entschieden klarstellt.

„Ich denke, dass wir auf jeden Fall stets in derselben Liga einzuordnen waren beziehungsweise noch immer sind, denn wir machen auch aktuell genau die Musik, die wir schon immer mit Siebenbürgen gemacht haben. Musik, die wir selbst hören möchten. Daher haben wir eigentlich was dagegen, wenn unsere Musik mit einem speziellen Oberbegriff versehen wird. Seit ich Siebenbürgen damals in Leben rief, gab ich immer an, reinen Metal zu spielen. Nicht mehr und nicht weniger, daran hat sich auch nicht das Geringste geändert. Und so wird es bleiben.“

Wie der Axeman auf die nachfolgende Frage eingeht, wird sich auch das vampireske Image von Siebenbürgen nicht ändern. Obwohl:

„Letztlich wird das aber nur die nachfolgende Zeit erschöpfend beantworten können. Wir haben zwar nichts in dieser Richtung geplant, aber ich kann nicht versprechen, dass wir für immer auf der Vampirwelle reiten werden.“

Auf einer massiven Welle der Harmonie ritten die fünf Beteiligten aber auf jeden Fall, was die Homogenität und Natürlichkeit ihrer neuen Kompositionen betrifft. Marcus blickt zurück:

„Aufgenommen und produziert wurde `Darker Designs & Images` in unserem eigenen Tonstudio, genannt Sundown Studio. Wir machten alles selbst, außer dem Mastering. So hatten wir dieses Mal die totale Kontrolle über den Sound der neuen Scheibe. Was man auf dem Album hört, ist also exakt das, was wir den Fans zum Hören geben wollten. Selbst ich bin diesmal wirklich mit dem Endergebnis zufrieden, was schon einiges heißen will. Einige Leute teilen meine Ansicht zum aktuellen Sound in diesem Kontext zwar nicht, deren Namen ich hier auch nicht nennen möchte, doch ich bin vollauf zufrieden. Und nur das zählt für mich letztendlich, da bin ich ganz ehrlich.“

© Markus Eck, 03.08.2005

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