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Interview: SLARTIBARTFASS
Titel: In die Höhe Horn und Krug!

Völlig überraschend stieß ich auf diese ebenso trinkfreudige wie -feste Viking Folk Metal-Horde. Das beherzt agierende Ulmer Quintett, welches seine Lieder laut eigener Aussage in erster Linie unter „unbändigem Alkoholeinfluss“ kreiert, veröffentlichte vor kurzem ein erstes Musikwerk, das interessante Minialbum „Nordwind“.

Obwohl die Gruppe um Gitarrist Philipp auf musikalischem Wege genau genommen – noch – nichts grundlegend Neues offenbart, so sind ihre gleichfalls ergötzlich grimmigen wie mitreißend schmissigen Waldlieder doch mit großer authentischer Hingabe gemacht. Und genau das zählt doch letztendlich auf solcherlei Untergrundscheiben.

Als ich diese durch und durch beschwingten Musikanten kürzlich auf dem Eisenwahn-Festival 2006 in Obersinn persönlich getroffen habe, entstand rasch eine herzliche und unverkrampft wohltuende Stimmung untereinander. Anlass genug für mich, dieses frohgemut werkende Wald- und Wiesenkommando genauer unter die Lupe zu nehmen.

Am wichtigsten ist es dem Ulmer Heidentrupp laut eigenem Bekunden, mit der kreierten Musik eine Menge Spaß zu haben und diesen natürlich auch den Hörern zu vermitteln:

„Der hauptsächliche künstlerische Aspekt ist hierbei, durch die Kompositionen eine naturverbundene, ursprüngliche Atmosphäre zu erschaffen, andererseits aber auch durch mitreißende Hymnen das Publikum zum Feiern und zum Saufen zu animieren“, gibt mir Gitarrist und Maultrommler Philipp lachend zu Protokoll.

Seit nicht geringer Zeit gibt es ja auf dem harten Musikmarkt eine richtige Schwemme an Pagan-, Viking- und Folk-Metal-Veröffentlichungen. Die Favoriten in dieser Richtung sind für Slartibartfass recht einheitlich: „Wir hören am liebsten Finntroll, Moonsorrow, Korpiklaani, Skyforger, Thyrfing, Ensiferum, Kromlek, Turisas, Menhir, Mithotyn, Nomans Land, Bathory und Trollfest.“

An der Szene gefällt der Band vor allem die allgemeine Feierfreude, die gute Atmosphäre auf den ganzen Konzerten sowie dass sie im Moment noch relativ klein und überschaubar ist. „Was wir hingegen sehr schlecht finden ist der problematische Umgang der Öffentlichkeit mit Themen wie der germanischen Mythologie, Runen oder Ähnlichem. Außerdem stört uns auch der wachsende Missbrauch und der unreflektierte Gebrauch eben jener Mythologie durch rechtsradikale Bands, welche die Viking- beziehungsweise Pagan-Szene immer mehr unterwandern.“

Da der Bandname des flotten Fünfers alles andere als profan klingt, galt es für mich, da gleich anschließend genauer auf den spitzen Trollzahn zu fühlen. Philipp hierzu: „Slartibartfass ist in Douglas Adams Kultroman `Per Anhalter durch die Galaxis` der Erbauer Norwegens und hat für das Design der Fjorde einen Preis bekommen. Außerdem hört es sich toll wenn man ihn laut ruft [lacht laut]. Der Bandname beschränkt uns auch nicht auf einen bestimmten Stilistikbereich, so dass wir sowohl bei der Komposition als auch bei den Texten großen Spielraum haben und nicht an ein Thema gebunden sind.“

Im Weiteren fragte ich nach, wo die Horde ihre aktuelle Veröffentlichung aufgenommen hat und wie lange sie für die Aufnahmen gebraucht haben beziehungsweise wie ihnen die Arbeit daran gefallen hat. „Das Minialbum haben wir im Studio 2 in Neu Ulm aufgenommen, wofür wir etwa drei Tage benötigt haben. Für uns war es eine interessante Erfahrung, da bisher noch niemand von uns in einem Tonstudio war. Die Aufnahmen und die Zeit im Studio haben uns so viel Spaß gemacht, dass wir sicherlich noch öfter etwas aufnehmen werden. Es war jedoch auch sehr viel Arbeit, da das komplette Minialbum selbst produziert wurde. Wir hätten nie gedacht, dass das ganze Drumherum noch so viel Arbeit für uns bereit halten würde.“

Die Arbeit am aktuellen Werk hat im Prinzip ja eigentlich bereits mit der Bandgründung begonnen, ergänzt Philipp. „So ist mit `Waldlauf` beispielsweise ein Lied aus unseren Anfangstagen auf dem Werk enthalten, aber mit `Baldurs Tod` auch unser bis dato neuester Song. Die aktuelle CD spiegelt also unsere bisher kurze Bandgeschichte ganz gut wider.“

Das wirklich wunderbare Front-Cover dieser Scheibe ist ebenso einfach wie wirkungs- beziehungsweise anspruchsvoll gemacht wie auch sehr schön anzusehen und vor allem sehr gut zur Musik passend. Da heutzutage leider nur noch sehr selten Ölgemälde auf Veröffentlichungen aus diesem Bereich verwendet werden, ist es als umso wertvoller zu erachten. „Das Bild hat Wolf Greiner gemalt – ein befreundeter Neu Ulmer Künstler, der sich eine zeitlang mit dem Thema `Wald` beschäftigt hat. Unser Cover zeigt einen Ausschnitt aus einem seiner Bilder. Es hat uns auf Anhieb sehr gut gefallen und passt auch gut zum Titel `Nordwind`. In erster Linie ist uns die Musik natürlich am wichtigsten. Jedoch muss man erwähnen, dass das Cover beziehungsweise die Aufmachung einer CD auch einen kleinen Teil dazu beiträgt, wie ansprechend eine Musikveröffentlichung ist. Das Auge `hört` eben doch ein bisschen mit.“

Wie ich schon gleich richtig vermutete, soll der Titel `Nordwind` Assoziation zu skandinavischen (Natur)Stimmungen hervorrufen, die man sich verbildlichen soll. Philipp berichtet mir ergänzend: „Wie bereits gesagt legen wir auf eine naturverbundene Atmosphäre wert und da wir uns mit nordischer Mythologie beschäftigen, erschien uns dieser Titel passend – zumal er zugleich auch der Titel eines unserer Lieblingslieder ist.“

Instrumentell ist das Minialbum noch nicht ganz ausgereift, auch habe ich auf gesanglicher Ebene auch nach mehreren Hördurchläufen so meine Schwierigkeiten – gerade die Growl-Parts wirken oftmals eher unpassend. Es wirkt irgendwie so, als würde eine Unentschlossenheit herrschen, wann keifend und wann growlig gesungen wird. Ich bat also um eine Stellungnahme von Sänger Daniel.

„Nun, ich würde nicht unbedingt sagen, dass eine Unentschlossenheit herrscht was die Growls betrifft. Was auffallend ist, die Growls werden bei uns weniger eingesetzt als das `high-pitched screaming`. Die Growls werden zum Großteil in einem Teil des Refrains eingesetzt. Außerdem bringen die Growls doch eine bestimmte Abwechslung in die Musik. Wir haben uns jedoch für das kommende Album vorgenommen auch mal mit richtigem klaren Gesang zu arbeiten und diesen abwechselnd mit den Growls einzusetzen. Wir werden jedoch beide Gesangsrichtungen klar voneinander abgrenzen und erhoffen uns dadurch eine noch größere Vielfalt.“

Bei Slartibartfass entsteht die Musik immer vor dem Text, wie mir Philipp nachfolgend berichtet. „Die Musik an sich nimmt also einen größeren Stellenwert ein, wobei die Texte uns aber auf jeden Fall auch sehr wichtig sind. Wir interessieren uns für die nordische Mythologie, sprich, wir befassen uns auch in unserer Freizeit viel damit. Die `Edda` gehört hierbei natürlich zur Pflichtlektüre, aus ihr stammt beispielsweise die Idee zum Text von `Baldurs Tod`.“

Im Prinzip drehen sich aber auch alle anderen Texte der Gruppe um nordische Mythologie oder ähnliche, artverwandte Themen, so Philipp: „So geht es im Text von `Waldlauf` darum, wie jemand in einem Wald stirbt. Der Vorgang des Sterbens wird als Suche nach der Kriegs- beziehungsweise Liebesgöttin Freija beschrieben. Am Ende kommt der Sterbende zu ihr nach Folkvang. Um was genau es im Text vom `Trinklied` geht, erklärt sich wohl von selber. Es kommt jedenfalls viel Met darin vor [lacht laut]. `Nordwind` hingegen ist wieder ein ernsterer Text, bei dem es um die Kriegsgötter geht, die während einer Schlacht in Erscheinung treten. Mit dem `Tanz der Kobolde` kommt wieder ein humorvollerer Text daher, der, mit einem Augenzwinkern, die Mahlzeit der Kobolde beschreibt.“

Die Ulmer Trinkhörnerheber sehen ihre Band als ein Hobby, in das sie Geld und Zeit investieren und das ihnen großen Spaß macht. „In der Gruppe kann sich jeder von uns musikalisch kreativ einbringen und so mit den anderen gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Am meisten Spaß macht es uns, in Gemeinsamkeit als eine geschlossenen Band auftreten zu können und das gemeinsam erarbeitete Material vor entsprechendem Publikum präsentieren zu können. Da vier von uns sich bereits seit sehr langer Zeit kennen, ist es für uns kein Problem, gut zusammen zu arbeiten und auch unser Neuzugang Daniel hat sich sehr schnell in die Band einfügen können. Alles in allem kann man jedoch sagen, dass sich die Bandchemie bei uns stetig verbessert hat und wir mittlerweile an einem Punkt angelangt sind, an dem die Band eine der wichtigsten Rollen in unseren Leben eingenommen hat. Vor allem die regelmäßigen Auftritte und die Zeit im Studio haben uns stark zusammengeschweißt.“

Da Slartibartfass im aktuellen Jahr 2006 ihren ersten Bühnenauftritt hatten, sind die Jungs noch ein wenig unerfahren in diesen Belangen, so Phillip. Doch: „Wir hätten nach dem ersten Gig im März nicht erwartet, dass wir in so kurzer Zeit noch so oft auftreten würden. Mal sehen, was uns die Zukunft bringt. Auf jeden Fall haben wir für 2006 bereits weitere Auftritte in Planung. Wir treten jedenfalls immer entsprechend gewandet auf und versuchen auch die Bühne durch stilgerechte Verzierung aufzubereiten – um damit das anwesende Publikum mit allem während des Auftritts mental ein paar Jahrhunderte zurück zu versetzen. Um unserem Publikum immer aufs Neue etwas Besonderes darzubieten, spielen wir jedes Mal andere Pausenfüller und natürlich head-bangen wir uns auf jedem Konzert das Hirn aus dem Schädel“, lässt der blonde Gitarrist energisch vor mir verlauten.

Die gesamte Slartibartfass-Horde freut sich jetzt schon sehr darauf, wieder genau das tun zu können worauf sie am meisten Lust haben: Nämlich neue Lieder zu schreiben und aufzutreten. „Denn die letzte Zeit haben wir ja eigentlich nur damit verbracht, das aktuelle Minialbum fertig zu stellen, wodurch das Musizieren an sich etwas auf der Strecke geblieben ist. Für die Zukunft ist noch vieles geplant, allem voran das Aufnehmen eines Vollzeitalbums. Markus, wir danken dir für das Interview, hoffen auf ein baldiges Wiedersehen und verbleiben mit einem trollischen Gruß! In diesem Sinne: `In die Höhe Horn und Krug!`“

© Markus Eck, 02.08.2006

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