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Interview: SLARTIBARTFASS
Titel: Treu den eigenen Idealen folgend

Die ambitionierte Ulmer Pagan Metal-Horde holt endlich zum zweiten Schlag aus: Das Debütalbum „Nebelheim“ ist im Kasten und steht in Kürze zur offiziellen Veröffentlichung an.

Und meine ersten ausgiebigen Hörproben ergaben eine erfreuliche Steigerung gegenüber dem vorangegangenen 2006er Minialbum „Nordwind“. Glücklicherweise übernahm der fähige Maler Wolfgang Greiner erneut die Gestaltung des geschmack- und stimmungsvollen Frontbildes für die neue Slartibartfass-Liedersammlung: Dieser feinsinnige Pinselschwinger zeichnete nämlich auch schon für „Nordwind“ verantwortlich. Und er lieferte dabei wirklich exzellente grafische Arbeit ab. Insgesamt eine gelungene Angelegenheit.

Heidnische Ehrensache also, dass ich aus diesem erfreulichen Anlass heraus nicht nur den aktuellen Gegebenheiten des mittlerweile sechsköpfigen Trupps auf den Grund ging. Gitarren-Gevatter Philipp Bulling stand mir in einem weiteren informativen Dialog gerne so ehrlich und ausführlich wie möglich Rede und Antwort.

Gleich zu Anfang überrasche ich den Saitenmann und haue ich ihn auf seine Selbstsicht gegenüber eigenen Charaktereigenschaften an. Da stöhnt er lachend:

„Oh je, gleich als erstes eine Frage, die man selbst nur schwer beantworten kann. Da müsstest du meine Mitmusiker fragen.“ Werde ich tun.

Dann erkundige ich mich neugierig, ob der gute Philipp in seiner Eigenschaft als Pagan Metal-Musiker die heidnischen Grundsätze auslebt beziehungsweise in welcher Form er dies tut.

„Das kommt darauf an, was du mit heidnischen Grundsätzen meinst. Wenn du damit die (neun) Tugenden meinst, die von vielen Neuheiden immer als die Messlatte schlechthin für ihre Religiosität gesehen werden, dann kann ich dazu nur sagen, dass in meinen Augen diese Tugenden etwas sind was jeder vernünftige Mensch anstreben sollte. Insofern versuche ich also schon, diese heidnischen Grundsätze auszuleben. Pagan Metal und die dazu gehörende Einstellung ist für mich aber viel mehr sich auf die Menschen und die Kultur aus der Zeit vor der Christianisierung zurück zu besinnen. Der Mensch ist aus der Natur hervorgegangen, er ist Teil von ihr. Die Menschen vor, sagen wir 2000 Jahren, lebten in Einklang mit der Natur, die Natur war für sie etwas Göttliches. Für diese Menschen war es selbstverständlich, dass der Blitz der vom Himmel fährt nur von Donar kommen kann. So etwas ist in der heutigen, technisierten Gesellschaft nicht mehr möglich, da der Mensch die Natur bis aufs Kleinste erforschen und verstehen will. Für eine göttliche Natur, die man einfach akzeptiert wie sie ist, gibt es keinen Platz mehr. Ich denke jedoch, man muss versuchen zurück zur Natur zu finden. Klar, es ist heute unmöglich als Selbstversorger in einer kleinen Hütte im Wald zu wohnen. Aber soweit muss man auch nicht gehen, man sollte einfach versuchen die Natur nicht mit Füßen zu treten, sondern sie zu achten und pflegen. Das fängt damit an, dass man beispielsweise kein Fleisch aus Massentierhaltung isst – McDonald's ist für mich sowieso tabu. Es gibt unzählige weitere Arten, sich für die Natur einzusetzen. Ich finde es gibt nichts Schlimmeres, als Metaller, die "Odin" grölend ihre "Fastfood"-Verpackungen und ihre Met-Flaschen durch die Gegend werfen. Diese Menschen haben einfach gar nichts verstanden.“

In der Tat. Die oft zitierte Spreu wird sich jedoch wie immer mit der Zeit vom Weizen trennen, ein nur natürlicher Vorgang: Genannt Auslese. Nachdem Slartibartfass „Nordwind“ veröffentlicht hatten, haben sie sich sofort daran gemacht neue Lieder zu schreiben, weil sie mit ihrem alten Klangmaterial nicht sonderlich zufrieden waren. Philipp resümiert hierzu:

„In diesem einen Jahr, zwischen der Veröffentlichung von "Nordwind" und der Arbeit an "Nebelheim", sind wir alle musikalisch gereift, unsere Ansprüche an die Musik sind stark gewachsen. Das spiegelt sich auch in den neuen Texten wider, die neuen Lyriken sind viel ernster und reifer als auf "Nordwind". Klar gibt es auch einen etwas humorvolleren Text in Form von "Rache der Kobolde", doch ist selbst dessen Kernaussage sehr tiefgründig. Aber auch sonst ist gruppenintern in diesem Jahr 2007 so einiges passiert. So haben wir uns zum Jahreswechsel von unserem alten Trommler Markus trennen müssen, da dieser leider nicht mehr die Zeit aufbringen konnte, welche die Gruppe mittlerweile in unserem Leben in Anspruch nimmt. Das hängt vor allem damit zusammen, dass er jetzt in Tübingen wohnt und studiert. Wir haben uns aber im Guten getrennt und verstehen uns auch nach wie vor bestens. Juan, der jetzt bei uns die Keulen schwingt, kennen wir alle schon länger. Er passt sowohl musikalisch als auch persönlich super zu uns und der Besetzungswechsel hat uns allen einen großen Aufschwung verschafft. Außerdem spielt ebenfalls seit Januar meine Schwester Jessica bei uns Dudelsack. Bisher nur bei zwei Liedern, die übrigens beide auf dem neuen Album zu hören sein werden, aber wir werden sie in Zukunft sicher noch stärker mit einbinden. Zu guter Letzt sind wir in einen anderen Proberaum umgezogen, aber das interessiert hier wohl niemanden“, lacht der blonde Axtmann herzlich.

Philipps ideeller Antriebsmotor ist in erster Linie der Umstand, dass er bei genau dieser Musikrichtung, also Viking Pagan Metal, das Gefühl hat, genau das gefunden zu haben was zu ihm passt und ihm gefällt. Der Ulmer Musikus bekennt:

„Natürlich spielt auch meine eingangs erwähnte Naturverbundenheit, die ich in dieser Musik zum Ausdruck bringen kann, eine große Rolle. Jedoch muss ich dazu sagen, dass sich meine Einstellung und unsere Musik parallel entwickeln und je länger ich mich mit dieser Musik beschäftige, desto eher komme ich an den Punkt an dem ich sagen kann: "Jetzt habe ich genau das geschaffen, was ich wollte". Aber wir sind erst am Anfang eines langen Weges. Und wer weiß wie wir uns auf dieser Reise noch ändern werden?“

Zu Beginn ihrer kreativen musikalischen Laufbahn waren die Gruppenmitglieder ziemlich glücklich, wenn sie es überhaupt geschafft haben, ein Lied komplett fertig zu bekommen und dieses dann auch noch zusammen spielen zu können. Wir erfahren dazu von dem Gitarristen:

„Für uns alle ist dies unsere erste Band und dementsprechend niedrig hatten wir uns am Anfang unsere Ziele gesteckt. Als wir dann jedoch gesehen haben, dass alles was wir zusammen machten mehr oder weniger Hand und Fuß hatte, wurden auch die Ziele größer und die Arbeit wurde professioneller. Am Anfang fiel es mir noch nicht so leicht, meine Gefühle und Gedanken durch die Musik so auszudrücken, wie das auf unserem neuen Album der Fall ist. Heute haben wir unser Ziel klarer vor Augen: Wir wollen genau die Musik machen, die uns selbst zufrieden stellt und mit der wir uns identifizieren können. Ob dies beim Hörer ankommt ist zunächst einmal zweitrangig. In erster Linie müssen wir selbst damit zufrieden sein.“ Ja, genau so gehört sich das ja auch, wie ich meine.

Ich stelle die mittlerweile beinahe obligatorische Frage nach der persönlichen Einstellung der Band zur „Szene“ und ihren immer umfangreicher werdenden Verwässerungen. Aus Philipp´s Mund platzt es da regelrecht heraus:

„Wie ich schon erwähnt habe, nerven mich die Leute, die nicht verstehen, dass Pagan Metal mehr ist, als nur Sauforgien zu veranstalten und dabei "Odin" zu brüllen. Ich meine, ich habe nichts gegen Sauforgien, auf keinen Fall! Aber manche Menschen verstehen einfach nicht, dass hinter Pagan Metal mehr steckt als nur das. Denn diese Musikrichtung drückt in meinen Augen eine einzigartige Lebenseinstellung, eine große Naturverbundenheit aus, von mir aus auch den (romantisierten) Wunsch, vor 2.000 Jahren gelebt zu haben. Diese Musik erinnert uns daran, wer wir sind, woher wir kommen. Klar, es gab über die Jahrhunderte unzählige Vermischungen der einzelnen Völker Europas und niemand kann seinen Stammbaum soweit zurück führen – aber dennoch muss uns bewusst werden, wer diese Menschen waren, die hier vor uns gelebt haben und es sollte uns bewusst werden, wie diese Menschen gelebt haben und ob es nicht vielleicht erstrebenswert wäre, wieder mehr nach deren Idealen zu leben. Leider gibt es in dieser Szene unglaublich viele Selbstdarsteller, die sich beim Internetlexikon Wikipedia den Eintrag über "Nordische Mythologie" durchlesen, eigentlich überhaupt nichts davon verstehen, sich dann aber rasch beim nächst besten Merchandise-Stand einen Thorhammer und ein Trinkhorn kaufen – und dann deshalb von sich selbst meinen, die größten Wikinger auf dieser Erde zu sein.“

Eine traurige Tatsache. Wir waren uns in folgendem Punkt absolut einig: Die tiefgründige Ernsthaftigkeit, die in dieser herrlichen Musik steckt beziehungsweise stecken sollte, wird leider von der „Partylaune“ und der Unwissenheit ihrer „Fans“ immer mehr überschattet.

„Ganz deutlich sieht man das doch auch bei der neuen Finntroll-CD. Wie viele enttäuschte Fans haben beispielsweise gesagt, wie blöd dieses Album doch sei, weil es ja gar nicht mehr so fröhlich ist und nicht zum Feiern taugt, so wie die alten Alben“, lässt mein Gesprächspartner in diesem Zusammenhang energisch verlauten. Der Gitarrist geht, nach meiner entsprechenden Bitte, gerne noch in die Tiefe: „Nun ja, man muss ja zunächst einmal feststellen, dass die Pagan Metal-Szene hier in Deutschland nach wie vor noch sehr klein und überschaubar ist – auch wenn sie im Moment innerhalb der gesamten Metal-Szene natürlich stark wächst, keine Frage. Ich gebe dir auch darin eindeutig Recht, dass die meisten einschlägigen Magazine und Shops diesen Trend erkannt haben und jeder in seinem Sortiment Thorhammer, Trinkhörner, Shirts mit Runen und was weiß ich alles anbietet. Die Gefahr ist, wie du richtig gesagt hast und wie ich ja auch schon zuvor erläutert habe, dass Unwissende diesen Trend aufnehmen und somit Thorhämmer auf einmal "in" sind und sie dadurch ihre ursprüngliche Bedeutung verlieren, weil diese nur die wenigsten richtig kennen. Von der eigentlichen Idee und den Idealen, die diese Musik verbreiten will, haben diese Leute oftmals keine Ahnung. Im Moment befindet sich dieser Trend noch im Aufschwung, aber ich denke, wie es Trends so an sich haben, wird auch dieser in einigen Jahren wieder abflauen und übrig bleiben nur jene, die diese Musik und die dahinter steckende Idee im Herzen tragen und verstanden haben worum es geht. Dies wird sich meiner Meinung nach sowohl mit den Bands als auch mit den Fans so verhalten. Erst dann sieht man, welche Bands ernst meinen was sie tun, denn diese Bands brauchen keinen Trend um ihre Musik zu machen. Ich denke, von den Bands, die nur auf dieser momentanen Welle mitschwimmen wollen, wird man schon in wenigen Jahren nichts mehr hören.“

Wir gehen inhaltlich zurück zum aktuellen Liederalbum von Slartibartfass beziehungsweise den zugrunde liegenden künstlerischen Einflüssen. Philipp informiert:

„Das ist bei mir eigentlich sehr vielfältig, denn jeder Tag steckt voller Inspiration. Ich bekomme Inspirationen, wenn ich beispielsweise in Wäldern spazieren gehe oder wenn ich irgendwelche Bücher und Romane lese. Natürlich inspirieren mich aber auch Gefühle oder Stimmungen und interessante Gespräche. Die Idee zum Lied "Keltenschanze" beispielsweise ist entstanden, als ich wieder einmal die Keltenschanze besucht habe, die hier bei uns in Erbach mitten in einem Wald liegt. Unsere spezifischen Einflüsse sind natürlich auch nicht zu verleugnen, aber ich höre eigentlich vielerlei Musik. Durch meine Schwester höre beispielsweise viel schottische Dudelsackmusik oder mittelalterliche Klänge wie beispielsweise Corvus Corax. Im Metal-Bereich höre ich eigentlich hauptsächlich Black- und Pagan Metal. Die neue Finntroll-Scheibe finde ich sehr gut, wobei ich aber zurzeit eher Schwarzmetallisches wie beispielsweise Endstille, Helrunar und Negator höre. Oh, und natürlich nicht zu verachten sind Skyforger, vor allem die Scheibe "Thunderforge" ist eines meiner absoluten Lieblingsalben.“

Wenn man es genau nimmt, dann sind laut Philipp die Texte auf „Nebelheim“, bis auf die Komposition „St. Cuthbert“, alle sehr aktuell gehalten oder haben zumindest Bezüge zur Gegenwart.

„Das "Herbstlied" beispielsweise beschreibt die Flucht eines Menschen weg von der modernen Zivilisation und der kranken Wohlstandsgesellschaft hinein in die läuternde Einsamkeit, zurück zur Natur. Doch er muss feststellen, dass ihm selbst das verwehrt bleibt, da die Natur immer stärker verdrängt wird. "St. Cuthbert" erzählt ein bekanntes historisches Ereignis, der Text wurde mit Hilfe der Aufzeichnungen eines Mönches aus dieser Zeit geschrieben. "Erdmacht" hingegen beschreibt die mystische Seite der Natur, diese kann man hier auch als die Personifizierung der Leben spendenden Urmutter sehen. In "Rache der Kobolde" tauchen wieder die kleinen grünen Waldwesen auf, über die auch schon auf "Nordwind" erzählt wurde, doch diesmal versuchen sie ihren Wald vor den Menschen zu retten. Also im Grunde ein sehr kritischer Text. Alle Texte sind diesmal sehr persönlich und werden wahrscheinlich von jedem anders aufgefasst, von dem her möchte ich hier nicht zu viel vorweg nehmen. Mit den Thematiken beschäftige ich mich schon ziemlich tiefgehend. Für den Text von "Keltenschanze" habe ich beispielsweise Bücher von Archäologen über die Ausgrabungen, die an den Schanzen vorgenommen wurden, gelesen. In Bopfingen bei Aalen wurde eine Schanze sehr ausgiebig untersucht und dieser Grabungsbericht hat mir beim Schreiben des Textes sehr geholfen.“

In das – die heutigen Menschenmassen überwiegend gezielt verdummende – Zeittotschlaggerät namens „Fernseher“ schaut der Gitarrist eigentlich sehr selten hinein. Gut so:

„Wenn ich darin mal irgendwas angucke, dann höchstens mit meinen Kumpels einen Film. Und neulich kam auf dem Sender ARTE eine Dokumentationsreihe über "Die Germanen", das war sehr interessant, das habe ich mir auch angeschaut. Aber das ich mich abends oder gar nachmittags einfach vor die Glotze hocke kommt nie vor. Zum Abschalten spiele ich lieber Gitarre oder lese irgendwas. Alles Schlechte was in der Welt passiert aufs Fernsehen zu schieben finde ich übertrieben, aber in Hinsicht auf die Verbreitung von Trends und anderem Blödsinn ist es natürlich unangefochten an der Spitze. Nichts von dem, was dort läuft spricht mich irgendwie an und ich sehe es als sinnlose Zeitverschwendung, mir irgendwas anzusehen, was vielleicht im Moment ganz interessant ist, aber das ich morgen bereits wieder vergessen habe, weil mich die erlangte Information partout nicht weiter bringt.“

Meinem mal wieder geäußerten Unmut über das – die Musikwelt größtenteils ins Lächerliche bringende – Internet-Portal „MySpace“ entgegnet Philipp:

„Vielleicht sollte ich hier zunächst einmal anmerken, dass wir selber eine MySpace-Seite haben. MySpace ist für mich allerdings ein zweischneidiges Schwert. Zum einen finde ich MySpace sehr praktisch, weil ich einfach und ohne nervendes Herunterladen, meist komplette Lieder einer Band anhören kann. Vor allem, wenn ich eben eine Band nicht kenne, kann ich mich so sehr schnell und bequem über die Musik der betreffenden Band informieren. Die andere Seite ist jedoch, dass jedem, der meint Musik machen zu müssen, auch die Möglichkeit geboten wird seine Musik, sei sie auch noch so schlecht, und vor allem sich selbst, zu präsentieren. Dadurch besteht eben die Gefahr, dass neue Bands wie Pilze aus dem Boden schießen und den Hörer mit Musik überfluten, so dass qualitativ hochwertige Gruppen im allgemeinen Getümmel untergehen. Ich glaube jedoch nicht, dass MySpace die alleinige Ursache für diesen Umstand ist. Viel eher würde ich dem kompletten Internet die Schuld für dieses Dilemma geben.“

Ich wollte zu diesem Kontext im Weiteren herausfinden, wie Slartibartfass selbst den Begriff „Erfolg“ in Bezugnahme auf ihre Musik definieren. Die Antwort kommt prompt:

„Ich habe ja vorher schon mal erzählt, dass Slartibartfass für alle von uns die erste Band ist, in der wir spielen. Die Gründung einer Band dieser Musikrichtung war eher ein Zufall, wir hatten nichts speziell geplant oder so. Thomas, Nicolas und ich kennen uns schon ewig und wir waren fast unsere komplette Schulzeit zusammen. Da wir alle Metal hören und jeder von uns ein Instrument spielt dass in dieser Musikrichtung Verwendung findet, haben wir uns irgendwann mal bei Thomas getroffen und haben einige Lieder, die Keyboards hatten, nachgespielt. Da uns das aber dann zu langweilig war haben wir dann angefangen eigene Stücke zu spielen und versucht Musik zu erschaffen, mit der wir uns ausdrücken konnten. Dass wir diese Lieder mal auf CD veröffentlichen, oder dass wir unser Material live zum Besten geben, hätte damals keiner von uns gedacht, glaube ich. Es war einfach so, dass sich eines aus dem anderen ergeben hat. Richtig ernst wurde es dann erst, als wir von Trollzorn das Angebot bekommen haben, dass sie für uns den Vertrieb machen wollen und wir uns entschlossen haben, eine Demo-CD aufzunehmen. Und das ist alles noch gar nicht so lange her! Auf jeden Fall hatten wir uns zu dem Zeitpunkt als wir mit Trollzorn ins Gespräch kamen in der Hinsicht noch gar nichts überlegt, Trollzorn kamen damals auf uns zu. In dem Sinne "erfolgreich" zu werden, war also nie unser Ziel. Erfolg ist für mich vielmehr genau das machen zu können, worauf ich Lust habe: Musik zu machen, ohne dass mir jemand etwas vorschreibt und mich so durch das Erschaffene bestmöglich ausdrücken zu können.“

Die Ulmer Heidenkerle trinken oft und gerne einen über den Durst, wie sich im Gespräch herausstellt.

„Wir sehen uns am Wochenende jeden Abend und meist auch unter der Woche recht häufig. Früher haben Nicolas, Thomas und ich uns natürlich in der Schule sowieso jeden Tag gesehen. Und da konnte es schon mal vorkommen, dass wir ein, zwei Bier dem Unterricht vorgezogen haben. [lacht] Mein Lieblingsbier ist ganz klar das Ulrichsbier aus der Bergbrauerei. Wenn ich mich recht entsinne hat dir das auch ganz gut gemundet, als wir vor dem Amon Amarth-Konzert in Kaufbeuren zusammen einen Kasten davon geleert haben?“ Genau so war´s.

Doch Frust, Ärger oder Kummer sinnlos mit Alkoholika zu ertränken, daran denkt der Saitenspieler nicht. „Ich bin eigentlich recht zuversichtlich, was meine Zukunft anbelangt und mache mir auch nicht so viele Gedanken darüber. Wenn ich mir Gedanken mache, dann über die Vergangenheit. [lacht] Alles wird schon seine Richtigkeit haben, egal ob gut oder schlecht, und schlechte Erfahrungen bringen einen schließlich im Leben auch weiter! Ich denke, man muss die Ereignisse einfach akzeptieren, wie sie sind. Klar gab es schon Momente in meinem Leben, an denen es mir weniger gut gegangen ist, aber dann habe ich ja immer noch meine Kumpels, mit denen ich dann einen trinken gehen kann. Meist suche ich in solchen Momenten auch Zuflucht in der Natur, denn bei Spaziergängen in Wäldern kann man ungestört über vieles nachdenken.“ Exakt, so ist es.

Ob er gerne mal eine historische Persönlichkeit gewesen wäre, wollte ich noch wissen. Doch Philipp winkt lässig ab: „Ach, eine historische Persönlichkeit müsste es gar nicht sein – mir hätte es schon gereicht, als kleiner bescheidener Bauer oder Schmied oder so etwas in einem Dorf hier in der Gegend vor 2.000 Jahren zu leben. Das wäre sicher ein hartes Leben, aber wenigstens wäre es klar strukturiert. Man steht morgens auf, bestellt seine Felder, tischlert einen Stuhl oder geht auf die Jagd und am Abend kann man sich das Ergebnis seiner Arbeit anschauen. In welchem heutigen Beruf ist das denn noch möglich?“ Berechtigte Gegenfrage.

Ich bitte den blonden Saitenschrubber, den Lesern hier noch eine Lebensweisheit zu schenken – jedoch: „Oh, um Lebensweisheiten zu verteilen bin ich wahrscheinlich noch zu jung. Weise Menschen sind für mich uralte Männer mit langen Haaren und langem weißem Bart. [lacht] Aber wie wäre es damit: "Met gab den Ahnen Kraft und Mut, er tut uns auch noch heute gut!"“ Da schließe ich mich doch nur zu gerne an.

Im Weiteren soll mein Gesprächspartner drei Bücher loben. „Es gibt viele Bücher die es verdient hätten hier aufgeführt zu werden. Aber von denen, die ich in der letzten Zeit gelesen habe kann ich "Mondfeuer" und "Mondschatten" von Donna Gillespie sehr empfehlen. Außerdem fand ich das Buch "Die Abenteuer des Röde Orm" von Frans G. Bengtsson ziemlich gut. Zumindest bis zu der Stelle an der er sich taufen lässt, der mittlere Teil nervt deswegen ein bisschen.“ Verständlich.

Philipp hasst an der Moderne die Industrialisierung, wie er mich wissen lässt. Somit behandelt meine anschließende Fragestellung seine Einstellung über Errungenschaften der modernen Zeit, über die er froh ist. Ein wenig Ratlosigkeit macht da sich in ihm breit:

„Das kann ich so nicht sagen – ich denke, dazu müsste man erstmal alle Errungenschaften entbehren, damit man sieht was man wirklich davon vermisst. Markus, ich möchte mich bei dir für dieses wirklich sehr ausführliche Interview bedanken. Außerdem gilt dir mein Dank, für all die anderen interessanten Gespräche, die wir schon geführt haben sowie für die Unterstützung und Hilfe, die du unserer Band gewährleistet hast. Ich hoffe, du bleibst deinem Weg treu, denn du gehörst zu denen die verstanden haben um was es bei dieser Musik geht. Zu guter Letzt möchte ich noch all jenen danken, die uns auf unserem Weg begleitet haben und uns ermutigt haben, diesem Weg stets treu zu bleiben.“

© Markus Eck, 05.09.2007

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