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Interview: SODOM
Titel: Umfangreiche Aufarbeitung

Hier dem Interessierten noch viel über diese nicht kaputt zu kriegenden Urgesteine des deutschen Thrash Metal zu erzählen, wäre wohl, als ob man einem vielfach prämierten Formel 1-Rennfahrer die vertikale Wirkungsweise seines Gaspedals erläutern möchte.

Daher gleich rasch zur Sache: Tieftöner und Shouter Tom Angelripper, der jüngst wieder schlanker gewordene Drummer Bobby Schottkowski samt Gitarrist Bernemann veröffentlichen eine neue Doppel-DVD. Namens „Lords Of Depravity“.

Eine Unmenge an Material über die Ruhrpott-Meister der derben Riffs wird darauf zu sehen sein, darunter recht Rares, das bis zu den Anfängen der Band zurückgeht. Ich traf den guten Onkel Tom samt Crew am Donnerstagabend, den 15. September aus diesem Anlass heraus auf der „Lords Of Depravity“-Tour 2005 in München.

„Die Veröffentlichung von `Lords Of Depravity` muss leider nach den zuvor schon entstandenen Verzögerungen nochmals auf Mitte November verschoben werden, soviel gleich vorweg. Denn ich bekam in der letzten Zeit noch soviel Video- und Fotomaterial ins Haus, welches ich unbedingt mit drin haben wollte. Auch mit 5.1-Sound für die beiden DVD-Scheiben gaben wir uns verdammt viel Mühe, denn das ist ja ein nicht zu unterschätzender Punkt bei solcherlei Veröffentlichungen. Letztendlich bin ich aber damit sehr zufrieden, denn ich habe das Ding ja mehr oder weniger produziert“, gibt mir der gewohnt gut gelaunte Tom, backstage neben mir auf einem Sofa sitzend, zu Protokoll.

Doch das Warten lohnt sich laut seiner Aussage auf jeden Fall und in jeder Hinsicht, und das sowohl für die alten Fans der ersten Stunde als auch für die neueren Anhänger. Tom:

„Denn auf die erste dieser beiden DVDs, und zwar derjenigen namens `Historical Depravity`, packten wir teils schon sehr alte Sodom-Sachen drauf, die teils sehr rar sind, teils überhaupt so noch nicht zu sehen waren. Videos, Fotos – wir nahmen uns dafür eine Unmenge Zeit, das Zeug alles rauszukramen und zusammenzustellen. Es sind diverse Interviews mit ehemaligen Sodom-Musikern dabei, sowie mit Szenekennern. Allein die Historie bis 1995 dauert beinahe drei Stunden. Ehrlich gesagt haben wir alles zusammengesammelt, was wir in der Zeit, die wir dafür zur Verfügung hatten, finden konnten.“

Nachdem sich unsere beiden halbleeren Bierflaschen anschließend erneut zum Prost getroffen hatten, fügt Tom seiner Aussage an:

„Da steckt schon einiges an Arbeit drin. `Lords Of Depravity` ist mit Sicherheit die umfangreichste Aufarbeitung zum Thema Sodom, die jemals veröffentlicht wurde.“

Und das vor allem für eine Band wie diese, die während ihrer Anfänge zu Beginn der 80er nicht immer ernst genommen, ja, nicht selten aufgrund der damals noch neuen Extremität ihres Sounds und der bis dato ungewohnten Staffage geradezu verlacht wurde.

Doch solche Geschichten sind für den bekannt humorvollen Shouter und Bassisten heutzutage schon lange kalter Kaffee, wie er klarstellt.

„Ja, es gab damals schon vernichtende Kritiken für uns – diese ließen aber auch gleichzeitig eine Art Kult entstehen, der sich bis heute erhalten hat. Wir haben jedoch schon immer drauf geschissen, was über uns gedacht und geschrieben wurde. Die Fans mögen es so, wie wir es machen und wir sind ja mittlerweile seit fast 25 Jahren als Band unterwegs, darauf kann man ja fast stolz sein – was soll uns also noch viel kratzen?“, fragt mich Tom scherzend, mit rauer Stimme.

Wie der Sodom-Boss nach einem weiteren kräftigen Schluck bayerischen Bieres fort fährt, soll die neue Doppel-DVD da erst mal eine Zwischenbilanz ziehen.

„`Lords Of Depravity` ist daher schon auch von der Aufmachung her ziemlich aufwändig geworden: Es sind diesmal extra zwei Booklets drin, dasjenige für die `History`-DVD umfasst ganze 30, und das für diejenige mit dem neueren Live-Material 20 Seiten.“

© Markus Eck, 27.09.2005

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