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Interview: SOLITUDE AETURNUS
Titel: Von Ehrlichkeit durchzogen

Eine Metal-Band als göttlich zu bezeichnen, ist heutzutage leider nur noch in den seltensten Fällen möglich beziehungsweise berechtigt.

Solitude Aeturnus aber sind göttlich. Im Sinne von perfektem epischem Power Doom Metal.

Bereits die beiden ersten Zauberalben der begnadeten texanischen Dramatikmeister, der 1991er Geniestreich „Into The Depths Of Sorrow“ sowie der ebenfalls obergeniale Nachfolger „Beyond The Crimson Horizon“ verzückten weltweit die Ohren geneigter Konsumenten solcherlei Untergangskunst.

„Wir machen eigentlich ganz schlicht gesagt noch immer genau die Art von Musik, die wir auch selbst gerne hören“, verkündet Bandleader John Perez recht ungezwungen beim Interview zum brandneuen Hammeralbum „Alone“.

Der Texaner und seine restlichen Mitstreiter haben ihre zahlreichen Anhänger so einige Jährchen auf dieses Werk warten lassen.

Schließlich erschien das letzte Album mit dem Titel „Adagio“ bereits 1998.

Doch: Das lange Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Denn auch „Alone“ bietet fanatischen Verehrern solcherlei tonnenschwerer Klänge ein wahres Qualitätsfest an elegischer und tonnenschwerer Edelmusik.

Wahrhaft einzigartige Musik eben, wie sie außer Solitude Aeturnus niemand auf diesem Planeten zu erzeugen imstande ist.

„Mann, was soll ich sagen? Mir geht es im Moment einfach großartig! Ich weiß ganz ehrlich gesagt gar nicht, wo ich hier anfangen und aufhören soll, so dermaßen überwältigt und glücklich bin ich. Dies hier ist schließlich das erste Interview zum neuen Album, welches ich gebe, und in mir haben sich mannigfaltige Erlebnisse, Eindrücke und entsprechende Empfindungen zuhauf in den letzten Jahren angesammelt“, entfährt es dem talentierten Gitarristen zu Beginn unserer Kommunikation.

Schnell fängt sich der gute John jedoch wieder in seiner Selbstbeherrschung und berichtet in merklich besonnener Manier.

„Ich weiß, nicht wenige Jahre sind seit „Adagio“ vergangen. Dass sich unsere neue Platte „Alone“ aber auch nach all den Jahren der Veröffentlichungspause von Solitude Aeturnus so dermaßen typisch nach uns anhört, liegt daran, dass einige Songs darauf bereits ziemlich alt sind. Ich hasse es, dies sagen zu müssen. Aber es ging leider nicht anders zu bewerkstelligen, trotz aller unserer Mühen. Diese Kompositionen wurden teilweise vor über fünf Jahren geschrieben. Daher war es allerhöchste Zeit, dass die neue Scheibe endlich auf den Markt kommt. Nicht zuletzt ist „Alone“ in allen musikalischen und lyrischen Belangen ganz genau die Doom Metal-Scheibe geworden, welche ich den Fans nach all den Jahren ihrer Treue zu uns geben wollte. Letztendlich findet man ja nach finaler Beendigung der Album-Aufnahmen wohl immer etwas, was man im Nachhinein noch besser oder passender hätte machen können. Doch ich hörte unsere neue CD die letzten Wochen sehr oft selbst an und muss sagen, dass mir das Lauschen der neuen Songs große Freude bereitet hat.“

Wie John in diesem Kontext erläutert, sieht er genau damit sogar sein eigenes größtes Ziel hinsichtlich der aktuellen Platte bestmöglich verwirklicht.

„Ein Solitude Aeturnus-Album zu machen, dass ich mir zuhause stundenlang sehr gut anhören kann, ohne dass sich Abnutzungserscheinungen in Bezug auf die Güte der Lieder einstellen, genau das habe ich mir die letzten Jahre so sehnlich gewünscht.“

Einem erztreuen Anhänger der amerikanischen Doom Metal-Hoheiten sollte dies doch nur recht sein.

Denn die linientreuen Texaner Doomer verzücken das geneigte Ohr wie erwähnt mit hochklassigem Solitude Aeturnus-Stoff.

Und es scheint beim Hören der aktuellen Lieder glatt fast so, als hätte die unerträglich lange Pausierung gar nicht existiert. John hängt hierzu noch an: „Wir haben all unser ehrliches Herzblut in diese Tracks fließen lassen, und wir lieben sie daher allesamt inniglich. Wir waren immer eine ehrliche Band, ehrlich zu uns selbst und ehrlich zu unseren Fans.“

Diese unanfechtbare Einschätzung gilt auch in vollem Maße für Sängergott Robert Lowe, welcher laut Aussage des Gitarristen in der Vergangenheit so einige gewichtige persönliche Probleme durchmachen musste.

„Robert hatte es nie leicht im Leben. Daher entwickelte er über die Jahre seinen ganz eigenen trockenen Humor, um mit seinen inneren Dämonen klarzukommen. Irgendwann wuchsen ihm seine Probleme jedoch gewaltig über den Kopf, da half ihm aller Humor nicht mehr weiter. Was ihm nun genau das Dasein so erschwerte, darüber möchte ich nichts sagen, das geht niemanden etwas an. Ich machte mir ehrlich gesagt sehr große Sorgen um ihn, denn eine Zeitlang sah es so aus, als ob er niemals wieder für uns singen wird. Und das wäre mein künstlerischer Tod mit Solitude Aeturnus gewesen, daran besteht kein Zweifel.“

Doch wenn man gute Freunde hat, muss man nicht verzagen, so der Doom-Riffmeister.

„Aber man muss sich vor allem auch erst einmal helfen lassen wollen. Es kostete mich zwar einige Überredungskunst, aber irgendwann hatte ich ihn soweit. Ich redete dann nachfolgend oft und ausgiebig mit Robert, was ihm immens geholfen hat. Da muss man eben zusammenhalten. Ich ermutigte ihn, aus der Not doch einfach eine Tugend zu machen. So nahm er seine zahlreichen mentalen Schwierigkeiten zum Anlass, sie in den Songtexten für das neue Album zu verarbeiten.“

Beinahe alle Kompositionen auf „Alone“ beinhalten daher Persönliches, ergänzt John. „Für Robert war es die vorstellbar beste Eigentherapie, die es gibt. Eine sehr intensive Erfahrung. Wahrscheinlich die intensivste, die er als Künstler, als Sänger, je erfahren hat. Doch er hat daraus gelernt, nachhaltig sogar. Man kann also getrost sagen, dass seine Lyrics dazu die wohl persönlichsten Texte beinhalten, die er jemals für uns geschrieben hat. Und ganz sicher wohl auch die besten und am meisten aufwühlenden. Ich weiß verdammt gut um seine missliche Situation der letzten Jahre Bescheid, daher kriege ich regelmäßig wieder aufs Neue eine anhaltende Gänsehaut, wenn ich unsere Kompositionen auf dem neuen Album „Alone“ anhöre.“

© Markus Eck, 16.10.2006

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