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Interview: SONIC REIGN
Titel: Verachtetes Zeitgeschehen

Diese gehässige „Schallherrschaft“ wurde 1998 von Sänger und Saitenfanatiker Benjamin Borucki und Kesselschläger Sebastian Wirsing gegründet. Eigenständiger Black Metal sollte es sein, und so kam es. Nach einem ersten 1999er Demo namens „A Journey“ hat das selbstbewußte Duo jetzt mit „The Decline Portrait“ eine Vier-Song-EP am Start.

Die Fragestellung, was er denn selbst genau unter Black Metal versteht, kann Benjamin wirklich überhaupt nicht leiden. „Bei dieser Frage laufen selbsternannte Szenegrößen zur Höchstform auf. Und vergewaltigen den Begriff mit ihren absurden Ansichten. Dabei gibt es da nichts zu diskutieren: Black Metal ist Rebellion! Dunkel! Extrem! Unglaublich aggressive Energie.“

Der Stil von Sonic Reign ist wie erwähnt sehr eigenständig, und das kommt nicht von ungefähr, wie ich erfahre.

„Emperor und Satyricon, das sind unsere Bands! Weil sie stilistisch nie stehen geblieben sind. Wegen ihrer Musik haben wir mit Black Metal angefangen. Wegen diesen Bands haben wir vor fünf Jahren Sonic Reign gegründet. Seitdem versuchen wir, wirklich guten Black Metal zu machen. Ich denke, daß uns das mit `The Decline Portrait` auch gelungen ist.“

Denke ich auch. Benjamin hat die Musik für „The Decline Portrait“ geschrieben, doch funktioniert Sonic Reign allerdings als Einheit.

„Sebastian ist für mich beim Songwriting enorm wichtig. Damit ich nachvollziehbar schreibe. Nicht abdrifte. Seine Drumparts geben unseren Stücken den richtigen Akzent. Wir arbeiten so gut zusammen wie noch nie. Und das werdet ihr in unseren Stücken hören.“

Und besagte Lieder strotzen vor superb arrangierten Rhythmuswechseln merklich progressiver Natur.

„Unsere technischen Grenzen werden hin und wieder überschritten. Solche Schwächen kann man ausmerzen. Wir spielen unsere Instrumente lange genug um zu wissen, wie wir durch konsequentes Proben dahin kommen, wo wir hin wollen.“

„The Decline Portrait“ vereint sehr unterschiedliche Atmosphären.

„Welche Stimmungen der Hörer bei den einzelnen Songs erlebt, kann ich nicht sagen. Aber für das, was du mit Aggression, Verzweiflung, Trauer, Haß und Abscheu aufzählst, und für einiges mehr, hat die MCD die passenden Stellen.“

Den Bandnamen haben sie ganz bewußt gewählt, wie der Frontmann stolz erörtert. „Sonic Reign ist mein Freiraum, ein Gegenpol zum Alltag, ein Teil von mir. Der Name ist an keinen bestimmten Stil gebunden. Und faßt unser Schaffen perfekt zusammen. Sebastian und ich haben ihn erdacht.“

„The Decline Portrait“ ist ein Bild, welches sich laut Benjamin aus den Inhalten der vier enthaltenen Songs zusammensetzt. „Es dokumentiert überspitzt das Zeitgeschehen um uns herum. Die Bedeutung des Titels hängt eng mit den Songtexten zusammen. In allen Songtexten von `The Decline Portrait` geht es um Gesellschaftskritik. Ich wollte auf dieser EP-CD realistische Themen behandeln. Themen, mit denen sich jeder identifizieren kann: Der Verlust der eigenen Persönlichkeit, die den Eingliederungsprozeß ins System stören würde. Die Ignoranz der Massen. Die Käuflichkeit von uns allen.“

Eindrücke und Einflüsse für das Songwriting entnimmt der Stringer tief aus seinem Inneren, wie in Erfahrung zu bringen ist.

„Manchmal ist ein Song in einer Woche geschrieben. Manchmal dauert es Monate. Das läßt sich nicht lenken. Es gibt selten einen Eindruck von außen, der mich an einem Stück schreiben läßt. Das Schreiben kommt eher von selbst.“

Auf verarbeitete Gemütszustände dunkler Natur angesprochen, gibt sich der Musikus betont gelassen.

„`Düstere Emotionen` ... das klingt so tiefgründig. Jeder Mensch hat eine dunkle Seite, die er auf seine Art auslebt, oder nicht. Ich habe meine.“

Unter dem Clear-Tray von „The Decline Portrait“ haben Sonic Reign ein betont philosophisches Zitat plaziert. Benjamin hierzu:

„Es ist eine Stelle aus dem Text zu `End Of Rebellion`. Es geht darum, wie wir Menschen uns in die sogenannte Gesellschaft zwingen lassen. Und mit unserem Tun in Wahrheit ein verficktes System unterstützen.“

Live haben sie bisher noch nicht gezockt. „Wir würden gerne live spielen. Aber wir sind zu zweit. Und wollen das auch bleiben.“

Dabei würden sicher so einige Metaller zu ihren Gigs aufkreuzen. „Viele Leute mit den verschiedensten Backgrounds haben uns geschrieben, wie sehr sie unsere Musik mögen. Es läßt sich also kein bestimmtes Publikum ausmachen. Am meisten dürfte sich aber natürlich die Black Metal-Szene von der EP angesprochen fühlen. Wer sich einen Höreindruck von Sonic Reign machen will, findet MP3s auf unserer Website unter www.sonicreign.de“

Zukunftspläne? „Wir arbeiten momentan sehr hart an einem Nachfolger für `The Decline Portrait`. Er wird vermutlich Mitte bis Ende nächsten Jahres 2003 in unserem eigenen Studio eingespielt. Ein paar Songs sind schon fertig, und wir haben auch noch genügend vielversprechendes Material in der Hinterhand.“

© Markus Eck, 22.11.2002

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