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Interview: SONIC SYNDICATE
Titel: Freude als Leitmotiv

Als ein sehr bekannter Donzdorfer Plattenlabel-Industriegigant aus dem Schwabenländle vor einiger Zeit einen Nachwuchswettbewerb am Start hatte, konnten diese jungen Schweden dabei gegen 1.500 andere Gruppen gewinnen – eine reife Leistung. Letztere ermöglichte den talentierten skandinavischen Vollblut-Musikanten bekanntlich nachfolgend einen umfangreichen Business-Deal, welcher die weltweite Verbreitung des zweiten Studioalbums „Only Inhuman“ im Frühjahr 2007 nach sich zog.

Und das gut aufeinander eingespielte Sturm-und-Drang-Ensemble aus Falkenberg, welches 2005 mit dem Langspieler „Eden Fire“ in Sachen Album debütierte, wusste ganz genau was da auf dem Spiel(Plan) stand und legte hierfür glücklicherweise eine ordentliche Schippe nach: An gleichfalls explosiv zündendem wie vor inniglichen Gefühlsausbrüchen nur so strotzendem Songmaterial.

Breitenträchtiger Erfolg an allen Fronten war da sozusagen schon gleich vorprogrammiert.

Denn der gleichermaßen spiel-, struktur- und emotionsstarke Modern Melodic Death Metal der Aufstrebenden kam zudem gerade recht ein einer Zeit, in welcher artverwandte New Age-Truppen wie beispielsweise In Flames, Caliban, Heaven Shall Burn, Maroon, Soilwork, The Sorrow oder Chimaira in prall gefüllten Konzerthallen Triumphe feiern können.

Und davon, dass der absolut begnadete Scar Symmetry-Gitarrist Jonas Kjellgren seine Produktions-Kompetenzen nun auch wieder für das aktuelle dritte Sonic Syndicate-Album „Love and Other Disasters“ zur Verfügung stellte, profitieren die enthaltenen Kompositionen in enormem Maße.

Bassistin Karin Axelsson sorgt bei unseren Helden auch für die weiblichen Gesangseinlagen: Sie verriet mir gerne einiges zum neuen Werk ihrer Combo, und auch, warum sie sich die zuvor so schönen langen Haare überraschend kurz schnippeln ließ.

„Ich bin richtig glücklich mit der neuen Platte; vor allem, wenn ich mir in Erinnerung rufe, wie wenig Zeit wir diesmal eigentlich zur Verfügung hatten, die Songs zu erarbeiten“, eröffnet die Tieftönerin den Dialog.

Das einzig richtige und zugleich allergrößte Ziel, welches innerhalb der schwedischen Band beim Schreiben der neuen Kompositionen ständig vorherrschte, war laut Karin, dass sich „Love and Other Disasters“ auf gar keinen Fall so anhören sollte wie die beiden Vorgängeralben:

„Schließlich sind wir ja auch keine Band, die nur eine Sorte von Musik zocken kann. Diesmal komponierten wir extra zu sechst an den entsprechenden Stücken, jeder durfte und sollte sich so gut als möglich einbringen. Zwar ist unser Gitarrist Roger Sjunnesson nach wie vor der Hauptsongwriter, doch er steckte für das neue Album gerne zurück.“

Und dieses löbliche Unterfangen absolvierten die schnellen Schweden mit einiger Bravour.

Denn der aktuelle Aludeckel klingt trotz seiner bemerkenswert vielen qualitativen Höhepunkte alles andere, als hätten Sonic Syndicate sich, auf Nummer sicher gehend, listig an den Vorgängern orientiert.

Nicht minder neu mutet daneben auch die Haarpracht der grazilen Bassistin an.

Karin gibt hierzu, herzlich lachend, zu Protokoll:

„Nach den vielen Touren zum letzten Album waren meine Haare ziemlich kaputt, was nicht zuletzt auch an den vielen Färbungen und Haarverlängerungen lag. Als ich eines Tages nach einer längeren Konzertreise heimkam und mal wieder zu meinem Friseur ging, meinte ich eben zu ihm, dass ich unbedingt was an meinen Haaren verändern müsse, wenn ich sie nicht komplett ruinieren wolle. Somit kam ich nicht drum herum, mir meinen aktuellen Look verpassen lassen zu müssen. Von den fünf Jungs in der Band hat ohnehin keiner eine lange Matte auf dem Kopf, denn wir sind der einhelligen Meinung, dass dieses optische Klischee schon seit längerer Zeit völlig überholt ist.“

Halb so wild also, genannter Look von Karin passt daher auch sehr gut zum Gesamtbild der Gruppe. Und genau dieses entspricht sowieso einem authentischen Abbild ihrer Band, so Karin.

„So, wie wir uns auf unseren Promo-Bildern zeigen, genau so laufen wir auch privat herum. Wir lieben diese Art, uns zu kleiden. Wir lassen da schon viel lieber die Musik sprechen!“

Und diese weist abermalig einen sehr deutlichen Akzent in Richtung ungestümer Attitüde auf. Ich bat die zierliche Karin daher, ein wenig zu einzelnen Songtiteln in die Tiefe zu gehen. Zum Track „Jack Of Diamonds“ beispielsweise:

„Unser Sänger Richard Sjunnesson ist nach wie vor der Verfasser sämtlicher Lyriken bei Sonic Syndicate. Meistens behält er denn Sinn seiner Texte lieber für sich, aus persönlichen Gründen. Seine Worte kommen immer aus eigenen Erlebnissen und Eindrücken, die das Leben ihm beschert. Soviel kann ich sagen: Die Nummer `Jack Of Diamonds` dreht sich um seine Frau beziehungsweise was er mit der so alles bislang erlebt hat. Mehr Songs möchte ich hier aber nicht kommentieren, denn Richard möchte ohnehin viel lieber, dass sich die Hörer unserer Songs ihr ganz eigenes individuelles Bild der Texte machen. Ich stimme in diesem Punkt vollauf zu. Wenn Richard beziehungsweise ich den Fans und Lesern sämtlichen Sinn der ganzen neuen Kompositionen verraten würde, könnten diese das Ganze ja nicht mehr individuell für sich interpretieren – und unsere Musik würde wohl ziemlich schnell einiges an Reiz einbüßen.“

Nach Veröffentlichung von „Only Inhuman“ waren die schwedischen Senkrechtstarter wie erwähnt ständig auf ausgedehnter Tournee unterwegs, um diese Scheibe zu promoten, laut Aussage von Karin ziemlich genau ein Jahr sogar.

„Ja, und aufgrund des ebenfalls bereits erwähnten Zeitdrucks begannen wir bereits auf Tour damit, an neuen Liedern zu arbeiten. `Jack Of Diamonds` wurde ebenfalls unterwegs geschrieben, eines der ersten neuen Lieder, welches wir für `Love and Other Disasters` überhaupt kreierten. Als wir dann im Januar dieses Jahres wieder mal für eine vergleichsweise längere Zeit zu Hause sein konnten, legten wir nach einer klitzekleinen Schaffenspause gleich wieder so richtig los – nicht selten gingen dafür ganze zehn Stunden pro Tag drauf. Das war ein harter Brocken. Wir gaben alles, was wir konnten – aber die ganze aufwändige Arbeit an den Tracks war ja ehrlich gesagt diesmal auch richtig spaßig; viel mehr, als es zuvor für die beiden Albenvorgänger der Fall war, weil wir allesamt an den Liedern ständig zusammen arbeiteten. Ganz klar, dass da bei einem Haufen wie uns viel gelacht und gescherzt wird.“

Wie ihr im Weiteren noch zu entlocken ist, liebt es die kecke Karin, ständig mit ihrer Gruppe auf Tour zu sein, in der Welt unterwegs zu sein; ganz im Gegensatz zu vielen ihrer Metal-Kolleginnen, die es oft schon kurz nach Beginn einer Tour wieder massiv nach Hause zieht.

„Ja, und sogar das Leben im Tourbus ist genau mein Ding; vor allem, darin jeden Tag in einer anderen Stadt aufzuwachen, um dann ständig neue Leute kennen zu lernen. Ich schätze das echt immens. Ich mag es daneben auch sehr, auf solchen Touren immer wieder aufs Neue mit den ganzen netten Begleit-Bands zu arbeiten. Auf diese Weise darf ich immer wieder eine Menge Spaß erleben. Doch am Ende zu sagen, ich würde weder meinen Freund, noch meine Freunde und meine Familie dort auf den Straßen und Bühnen nicht vermissen, wäre gelogen. Zum Glück verstehen sie alle gleichsam, dass das mit Sonic Syndicate genau das ist, was ich gerne tue – sie unterstützen mich nach Kräften, wofür ich immens dankbar bin“, bekennt die Bassistin mit einem herzlichen Unterton in der Stimme.

Das weitere Interview-Gespräch dreht sich auch noch um die zwischenmenschliche Chemie dieses erfolgreichen skandinavischen Lautstärke-Syndikats, welche in einem wilden Haufen aus sechs eigenwilligen Individuen sicherlich nicht ganz einfach gut aufrechtzuerhalten ist. Karin:

„Das läuft bei uns überraschender Weise auf Tour stets viel besser als es beispielsweise zuhause oder im gemeinsamen Probenraum der Fall ist. Denn meistens fahren wir in ziemlich kleinen Bussen umher – doch anstatt uns dort drin den ganzen lieben langen Tag heftig miteinander zu streiten, fühlen wir uns da doch viel lieber wie eine richtige Familie, das schweißt uns immer wieder aufs Neue sehr fest zusammen. Unerklärlich? Mag sein, aber bei uns funktioniert es eben so – und die Jungs aus der Band sind mit der Zeit zu meinen besten Freunden geworden. Egotrips, Intrigen oder sonstigen Ärger kennen wir auf Tour jedenfalls nicht“, freut sich die Schwedin.

Überhaupt, fürs Jammern über dies und das im Genre scheinen andere zuständig zu sein, nicht aber unsere Karin. Sie lächelt sanft und spricht:

„Wir versuchen eben, an der ganzen Sache soviel Freude wir nur irgend möglich zu haben, was unserer Meinung nach ja auch letztlich zu viel besseren künstlerischen Ergebnissen führt. Warum sollten wir es uns selbst unnötig schwer machen?“

© Markus Eck, 25.08.2008

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