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Interview: SUN OF SADNESS
Titel: Die unerschöpfliche Vielfalt der Emotionen

Diese sehr empfehlenswerte Formation existiert seit 1996. Und schon beim ersten Hören ihrer dieser Tage erscheinenden neuen Veröffentlichung „Picture“ fällt augenblicklich die hohe kompositorische Relevanz des talentierten Sextetts aus Rheinbach bei Bonn auf, welche scheinbar ihresgleichen zu suchen scheint. Wonniger und emotional erfüllter Gothic Dark Metal der erlesenen und reifen Sorte, welcher mit seinen wunderschönen und sehnsuchtsvollen Melodien zu anhaltendem Schwelgen verleiten kann.

Großen Hörgenuß ermöglicht vor allem die Abwechslung in den Stücken der Rheinbacher, die sich auf dem ganzen Album breiten Raum geschaffen hat. Bereits 1998 veröffentlichten Sun Of Sadness in Eigenregie auf dem bandeigenen Label S.O.S. Records ihre Debüt-CD „A Forest In My Dreams“, welcher schon die große Eigenständigkeit innewohnt, die aus der Band eine ganz besondere macht.

Mit den Keyboards können Sun Of Sadness zudem hervorragend umgehen und diese zu vollständigen Instrumenten in den Gesamtsound integrieren. Jedoch wirkt der mannigfaltige Einsatz dieser Stimmung schaffenden Klangerzeuger hier zu keiner Sekunde aufgeplustert oder unbeholfen schwülstig. Im Gegenteil, in Verbindung mit der geschickt wohl dosierten Härte der Kompositionen entfaltet sich hier die ganze Schönheit dieser synthetischen Klänge.

Wenn man „Picture“ gar mit großer Aufmerksamkeit und Hingabe genießt, so stößt man dabei auf wunderbare und grenzenlose Musik in ihrer ganzen Pracht. Ein akustisches Wechselbad der Gefühle, das mitreißt.

Anlaß genug für mich, mit Gitarrist und Gründungsmitglied Ingo Schwiering auf kommunikative Tuchfühlung zu gehen, welcher das hohe Niveau der inszenierten Musik auch im anregenden Gespräch aufrechterhalten kann.

„Wir können unseren Stil sehr schwer definieren, da wir zu vielseitig sind, um unsere Musik mit einer Schubladen Definition zu versehen. Mit der von dir gemachten Beschreibung gehe ich aber schon konform. Wichtig ist mir, daß unsere Musik einfach sehr emotional ist, da ich beziehungsweise wir als Band der Meinung sind, Musik an sich sollte ein großes Spektrum an erfahrbaren Emotionen abdecken. Auf jeden Fall spielen wir dunklen Metal, und wenn man so will, auch Gothic Metal, allerdings keinen von der Stange!“

Beileibe nicht. Eine ebensolche bekommt man als männlicher Hörer eher während des Hörens der neuen Songs. Die momentane Besetzung differiert ein wenig von der 1996er; wenn man sich die aktuelle Scheibe der Combo anhört, scheint aber nun alles bestens zu sein im Lager der Band. Oder? Ingo hierzu:

„Ja, wir harmonieren nun schon sehr miteinander, was aber bestimmt auch am menschlichen Reifeprozess von uns allen liegen mag. Wenn eine Band gegründet wird, ist immer jeder beteiligte gleich mit Feuereifer bei der Sache. Aber dann auch den eingeschlagenen Weg beharrlich und konsequent zu beschreiten, ist dann schon etwas schwerer. So ist es aber auch gut, denn nur so findet sich dann mit der nachfolgenden Zeit die ideale Besetzung für eine Band, welche dann auch die Kreativität und die Spielfreude bestmöglich in die komponierte Musik transformieren kann.“

Sehe ich genauso. Wie kam denn das für eine Metal-Band ungewöhnliche Front-Cover des Releases zustande? „Schön, daß du das ansprichst“, freut sich Ingo, „diese Photomontage wurde aus den abgelichteten Gesichtern aller Bandmembers kreiert, welche dann alle ineinander gemorpht wurden. [Morphing ist eine spezielle Technik bei trickreichen Computeranimationen, bei welcher Bilder übereinander kopiert werden. Sie wird hauptsächlich in der Filmbranche eingesetzt; A.d.A.] Sie zeigt uns alle in einer Person vereint. So wie wir uns als Band eben fühlen. Wir sind sehr zufrieden mit dem Bild.“

Kommen wir vom Cover der Platte doch gleich auf den Titel derselben zu sprechen. Der Gitarrist erzählt: „Das Titelstück der CD hat unser Drummer geschrieben. Für uns bedeutet es, daß sich jeder während des Hörens unserer Musik sein eigenes Bild von uns machen soll. Sobald du Musik hörst, hast du doch sofort ein imaginäres Bild betreffs der jeweiligen Musik vor dem geistigen Auge. Wir stellen uns immer gerne vor, was man wohl bei unseren Tönen für Bilder vor Augen hat... Das verhilft uns zu immer großer Kreativität.“

Der schon ziemlich reif klingende Vorgänger „A Forest In My Dreams“ erschien 1998. Was war denn seit damals geschehen? „Als unser Debüt erschien, warteten wir nicht lange ab, was passiert, oder saßen am Ende gar auf der faulen Haut. Nein, wir nahmen sofort das Songwriting für den vorliegenden Nachfolger auf. Das war ein richtiger Schachzug, denn so hatten wir niemals einengende und störende Eile im Nacken. Die Melodien sind doch unser großes Trademark, und die kann man nicht unter Zeitdruck aus dem Ärmel schütteln. So fügten wir in aller Ruhe Mosaiksteinchen zusammen, die nun das fertige und vollendete Motiv ergeben. Unsere beiden Scheiben haben wir auch selbst im Tonstudio aufgenommen. Unser Keyboarder hat sein Berufs-Praktikum in einem Studio gemacht, und durfte dort somit auch einige Bands produzieren. Was lag nun also näher, als uns die gewünschten Aufnahmen zu ermöglichen. Einen besseren Produzenten als einen aus der eigenen Band kann man doch gar nicht finden!“

Man kann nur zustimmen, beide Werke sind ansprechend produziert und rücken die Qualitäten von Sun Of Sadness ins bestmögliche Licht. Interessant dürfte dann auch noch sein, daß das inzwischen vergriffene Debüt in naher Zukunft wiederveröffentlicht wird.

„Ja, im Zuge unseres Deals mit MOS Records, bei denen wir für drei Alben unterzeichneten, hat man sich entschlossen, `A Forest In My Dreams` noch einmal zu pressen. Allerdings mit einigen zusätzlichen neuen Songs darauf und außerdem noch zwei neuen akustischen Zwischenstücken, die sich aus den von uns schon bekannten atmosphärischen Keyboard-Parts zusammensetzen.“

Eine sehr gute Idee, erhielt das Debüt des für gefühlsbetonte Songs sensibilisierten Sechsers bei Erscheinen doch durchweg positive bis begeisterte Kritiken, welche auch vollauf gerechtfertigt waren.

© Markus Eck, 19.09.2001

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