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Interview: SUPREME MAJESTY
Titel: Emotionale Ausbrüche

Den zündenden Debütknaller „Tales Of A Tragic Kingdom“ dieser glorreichen schwedischen Talent-Truppe sollte man unbedingt gehört haben, um zu begreifen, wie lächerlich der mit hohem Aufwand inszenierte Jubel um vielerlei schlechtere Formationen dilettantischsten Zuschnitts eigentlich doch immer wieder ist. Geboten wird bestechender und hochmelodischer Power Metal, den man in dieser Reinform auch nicht gerade alle Tage zu hören bekommt. Angesichts des brillanten Materials, welches auf diesem wirklich formidablen Album enthalten ist, werden geneigte Genre-Freunde sicherlich gar meterhohe Freudensprünge vollführen.

Der Release der Scheibe hat sich leider etwas verzögert. Supreme Majesty selbst sind daran aber absolut unschuldig. Vielmehr tragen wie so oft die Bürokratien der beteiligten Länder und deren allzu gewissenhafte ausführende Exekutiven die Alleinschuld. Da sind unsere talentierten Schweden zum Glück doch schon von ganz anderem und vor allem durchschlagenderem Kaliber. Der tapfere Tieftöner Daniel Andersson hat das Wort.

Was war denn da los bei euch, Daniel, hoffentlich gab es keine schwerwiegenden Schwierigkeiten?

„Nein, überhaupt nicht. Das einzige Problem war, daß die deutsch-schwedischen Bürokraten nun mal nicht die Schnellsten sind, was gewisse Formalitäten anbelangt. Die deutschen Steuerbehörden beispielsweise haben uns ziemlich lange auf wichtige Dokumente warten lassen. Wenn wir selbst über gewisse Dinge entscheiden hätten können, wäre das Album schon lange erschienen. Aber meistens im Leben nehmen irgendwelche Dinge immer mehr Zeit als erwartet in Anspruch. Aber wir bieten nun allen, die da draußen gewartet haben, ein Album, welches es wirklich wert ist. Es wird nun für die lange Wartezeit ausreichend entschädigen“, beruhigt der Bassist dem ungeduldigen Autoren.

„Keiner kann derzeit also wohl glücklicher sein als ich“, entfährt es ihm spontan, „außer die anderen Members in der Band vielleicht.“

Und er fügt dem an: „Die Metal-Fans haben schließlich lange genug auf die Platte gewartet.“ Das kann wohl auch jeder nachvollziehen, der die dramatische Story der Band ein wenig in der Vergangenheit verfolgt hat. Im Band-Camp ist die Situation nach wie vor trotzdem sehr entspannt: „Wir sind immer noch eine solide und zusammenhängende Gemeinschaft, in der alles mit großer Harmonie abläuft.

Was hat sich sonst denn so getan im Camp der Band? „Wir hatten Rehearsals mit einem neuen Keyboarder namens Julius, den man von Embraced und Misteltein kennt. Auf dem Album haben wir die Keyboard-Parts noch selbst gespielt, aber um live agieren zu können, fehlte uns noch ein fähiger Session-Tastenmann. Den haben wir nun in Julius gefunden, und er ist ein verdammt guter Musiker an seinem Instrument. Und ein sehr netter Kerl noch dazu. Ansonsten ist das Line-Up stabil geblieben und wird es wohl auch bleiben.“

Das Frontcover der neuen Scheibe ist außerdem auch sehr ansprechend ausfallen, denn: „Niklas Sundin, den man von Arbeiten für Dark Tranquillity kennt, kam mit einer sehr guten Idee an, die auch Chrille Andersson von uns sehr gut gefiel. Das Bild darauf reflektiert den Titel des Albums hervorragend und zeigt einen Mann, welcher auf die Ruinen seines einstigen Reiches blickt, die durch ein verfallenes Schloß dargestellt sind. Das Cover ist Niklas außergewöhnlich gut gelungen und wir lieben es alle sehr.“

Kommen wir gleich anschließend auf die Lyriken des ersehnten Supreme Majesty-Langspielers zu sprechen. Daniel legt los: „Unsere Texte sind meistens Geschichten wie beispielsweise der Track `Strike Like Thunder`, der die Story von die rauhe See beherrschenden Wikingern erzählt. Oder `Queen Of Egypt`, in dem es um eine gestorbene ägyptische Prinzessin geht, die von pharaonischen Priestern mittels Magie wieder zum Leben erweckt wird. `Supreme Majesty` ist wiederum inspiriert von dem Film `Conan der Barbar`. Aber wir verarbeiten auch Lyrics, welche den menschlichen Geist betreffen: `Not Of This World` reflektiert dementsprechend das jeden des Öfteren mal befallende Gefühl, nicht so weiterleben zu können, wie man es gerade tut. Auch die Hoffnung kommt aber nicht zu kurz und so erzählt der Song `Let It Go` einiges über die schönen Seiten des Daseins.“ Eine runde textliche Mischung also, die so ziemlich die gesamte Bandbreite abdeckt.

Wer schreibt die Songs bei euch und wer die Lyrics, Daniel?

„Die Songs werden hauptsächlich von Chrille geschrieben und dann von uns allen zusammen ausgearbeitet. Manchmal haben wir anderen aber auch gute und brauchbare Ideen, die dann einfließen. Jocke beispielsweise hat einen der Songs geschrieben. Was die Lyrics betrifft, so verfasse ich das Meiste, aber Jocke und Chrille bringen auch so einiges ein.“

Haben Supreme Majesty ihr musikalisches Repertoire schon live auf Bewährungsprobe geschickt? Daniel:

„In der jüngeren Vergangenheit zockten wir einige Gigs runter, der letzte davon verlief sogar nahezu überwältigend. Durch das Einarbeiten unseres neuen Tastenspielers Julius waren wir allerdings sehr beschäftigt, und so konnten wir leider noch nicht so oft live spielen, wie wir es gewollt hatten. Aber wir können es kaum noch erwarten, schnellstens wieder die Bretter zu entern. Schließlich sind wir eine sehr spielfreudige Band, die ihre Musik über alles liebt.“

Bald wird man den sympathischen Fünfer ohnehin wieder auf den Bühnen sehen können, wie ich von dem Bassisten in Erfahrung bringen konnte. „Die Jungs von Massacre Records wollen für uns schon recht bald einige Shows organisieren. Wir hoffen natürlich, daß man uns auf eine ausgedehnte Europa-Tour schickt. In Schweden hat man uns bereits für einige Gigs gebucht, die im kommenden Frühling und im nächsten Sommer stattfinden werden. Und wir werden da sein und die Hallen zum Beben bringen! Hoffentlich touren wir schon im kommenden Herbst oder Winter, denn wir spielen sehr gerne live und können es kaum erwarten, den Leuten eine gute Show zu bieten. Und Deutschland lieben wir über alles. Hier möchten wir so viele Gigs als möglich spielen, denn das Publikum ist das Beste, das man sich vorstellen kann. So werden wir natürlich auch von unserer Seite versuchen, so schnell als möglich zu euch zu kommen.“

Was die wenigsten Leser dieser Zeilen wissen dürften, ist, daß Supreme Majesty vor Jahren eine EP mit dem Titel „Divine Enigma“ auf einem kleinen schwedischen Label veröffentlichten. Daniel hierzu: „Doch das wahre Gesicht der Band soll nun das aktuelle Album `Tales Of A Tragic Kingdom` zeigen.“

Und wer besagtes musikalisches Gesicht der Schweden erblickt, kann sich nur schwer von ihm loseisen. Das Quintett hat das seltene Kunststück vollbracht, eine Scheibe einzuspielen, welche vor Authentizität nur so strotzt. Jetzt kommt es nur noch darauf an, ob das anvisierte Klientel diesem akustischen Straßenfeger auch die entsprechende Aufmerksamkeit entgegenbringt. Doch Daniel ist da ganz zuversichtlich:

„Der Fakt ist unumstößlich, daß Metal niemals aussterben wird. Auch seine fanatischen Fans nicht. Metal hat über die Jahre nach seiner Entstehung in den 1970ern viele verschiedene Erscheinungsformen herausgebildet, aber das hat ihn nur noch größer und auch gleichzeitig stärker gemacht. Seit Tony Iommi und Black Sabbath erstmals auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum die Gitarren röhren ließen, gab es kein Zurück mehr. Und das gilt auch für den Power Metal: Er ist schon seit vielen Jahren ein festes und akzeptiertes Mitglied der Metal-Familie. Auch wenn er wie viele andere Stilistiken aufgrund des Überangebots ein wenig an Boden verloren hatte, so ist er nach der Gesundschrumpfung der Szene nun wieder stärker denn je. Dies wird um so deutlicher, wenn man sich die frühen 1990er vor Augen hält.“ Ehrliche Worte eines ehrlichen Mannes.

Für die nahe Zukunft haben Supreme Majesty laut Aussage des Tieftöners nicht nur vor, so viele Konzerte als möglich zu absolvieren, sondern auch schon Songs für die nächste Scheibe zu schreiben.

„Wir wollen die nachfolgenden Stücke so gut als möglich ausarbeiten, um den schon recht hohen Qualitätsstandard von `Tales Of A Tragic Kingdom` nicht nur zu halten, sonder auch zu überbieten.“

Das wird sich angesichts der schlicht genialen aktuellen Songs jedoch als nicht gerade einfach erweisen. Ansonsten frönen die fünf Schweden „dem Bier, dem Metal und den Mädels; und das in genau dieser Reihenfolge“, schätzt Daniel mit gesunder Einstellung die Sache seiner Gruppe ein. Wobei man als aufrechter Metaller über die richtig einzuhaltende Reihenfolge der ersten beiden Pläsiere sicher endlos philosophieren kann.

Diese gloriosen Schweden sind noch Newcomer mit ihrem hochklassigen Power Metal, doch klingt ihr Debütalbum schon sehr ausgereift und professionell. Die Kompositionen auf „Tales Of A Tragic Kingdom“ sind außergewöhnlich gefühlvoll und berührend. Bassist Daniel berichtet weiter Internes von Supreme Majesty, die der Bedeutung ihres Bandnamens musikalisch auch durchaus gerecht werden können.

Wann wurden Supreme Majesty gegründet? „Anfang 1999. Die Members waren zu Beginn die beiden Gitarristen Chrille Andersson und Rille Svensson sowie Drummer Bartek Nalezinski, welche von den zu damaliger Zeit aufgelösten Black Power Metal-Maniacs Mortum kamen. Ich wurde als Bassist rekrutiert. Später kam Sänger Rikard Larsson dazu. Wir nahmen die erwähnte EP `Divine Enigma` auf. Im Dezember 1999 trennten wir uns auch schon wieder von Bartek, er wurde ersetzt durch Jocke Unger. Und bald darauf verließ uns auch unser Sänger, um sich zu 100 % seiner Band In Black zu widmen. Wir suchten verzweifelt adäquaten Ersatz und wurden mehr als entschädigt durch Joakim Olsson, der stimmlich einen weitaus größeren Radius hat. So enterten wir das famose Studio Fredman in Göteborg, um endlich unser aktuelles Debütalbum einzuspielen!“

„Tales Of A Tragic Kingdom“ ist euer Debüt auf Massacre Records. Was ist auf dem Werk so alles genau zu hören? „Nun, wir spielen sehr traditionsbewußten Metal mit großartigen Melodien und ausgefeilten Gitarren. Unsere Inspirationen für die Musik beziehen wir von Bands wie Europe, Iron Maiden, Helloween und auch Dio. So kann man sich auch daraus resultierend einen Mix aus allen diesen Acts vorstellen. Wir fallen deswegen aber noch lange nicht in die Kategorie `Simple Plagiatoren` und sind sehr eigenständig am Werk.“

Pläne für die Zukunft? „Wir wollen weiterhin guten Metal machen, auf Touren gehen und mehr Alben veröffentlichen. Am liebsten mache ich, wie wir alle, Musik, und so soll es auch weiterhin bleiben. So wird man noch viel von uns hören!“

© Markus Eck, 21.05.2001

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