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Interview: SVARROGH
Titel: Stimmungen und Sphären

Svarrogh, eigentlich Svaróg, ist der Name des slawischen Gottes des Feuers und der Sonne. Bei einigen Stämmen ist eher sein Sohn Svarozic der Gott der Sonne. In der Vorstellung mancher der Dortigen ist er auch gehörnt.

Bei einigen Volksgruppen taucht Svaróg als Totem auf, und in vereinzelten Gebieten ist sein Zeichen gar die Swastika. Die slawische Mythologie ist eben noch sehr unergründet, und es fehlen bislang noch viele Quellen und Überlieferungen. Svarrogh heißt auch das Bandprojekt des nach Deutschland emigrierten Bulgaren Dimo Dimov: Er macht Musik, welche im breiten Feld des Pagan Folk Black Metal eingegliedert werden kann.

Bereits das Vorgängeralbum „Lady Vitosha“ war für manchen pseudointellektuellen Möchtegern-Rezensenten ein verdammt harter Brocken. Denn zum Vergleich ließ sich so schnell nichts beziehungsweise keine andere Gruppe heranziehen.

Seit kurzer Zeit ist die neue Svarrogh-Veröffentlichung „Kukeri“ auf dem einschlägigen Tonträgermarkt erhältlich. Und auch hierfür blies der musikalisch so außergewöhnlich leidenschaftliche Dimov seine erzbulgarisch-stolze Seele restlos aus.

Den somit entstandenen kreativen Überdruck presste der Musikant komplett in gehässige, aber auch sehr sehnsüchtige Heidenlieder. Eingangs wird Dimo befragt, wie er dazu gekommen ist, selbst Musik zu machen. Wir erfahren:

„Da war irgendwann ein Zeitpunkt erreicht, an dem ich mich mit meinen vorherigen Bands Hatred Divine, Viszeral und Argus begrenzt sah. Ich wollte fortan keine musikalischen und lyrischen Kompromisse mehr machen, also nur noch das verarbeiten, woran ich auch selbst schöpferische Lust verspüre. Einer der Hauptgründe für die Gründung von Svarrogh war auch nicht zuletzt, dass ich als "Exilbulgare" schweres Heimweh hatte und noch immer habe, so dass meine Musik eine Art Selbsttherapie ist. Nirgendwo sonst kann ich doch bulgarische Lyrik benutzen.“

Für ihn ist es laut eigenem Bekunden sehr wichtig, sich absolut frei ausdrücken zu können. „Kunst darf sich nicht rechtfertigen“, sagt er, und setzt dem gleich noch hinzu:

„Die Kunst, egal in welcher Form, steht höher als alles andere. Eigentlich ist das Schaffen aller Künstler nur sehr begrenzt, wir sind ja alle nur Menschen. Bei Svarrogh bedeutet Kunst das Schaffen verschiedener Stimmungen und Sphären mit verschiedenen, unkonventionellen Stilmitteln. Du hast mal bemängelt, bei Svarrogh komme das Heroische zu kurz, und da hast du Recht. Ich will mich nämlich mit meiner Kunst nicht anbiedern. Absolut freies Schaffen ohne Grenzen ist mein Ding. Alles klingt so wie es zu klingen hat, und ob es jemanden nicht gefällt interessiert mich nicht. Dabei darf sich die Kunst nicht nur auf die Musik beschränken – die Lyrik, die optisch ummantelnde Aufmachung der Veröffentlichung und die Musik an sich sollen zu einer Symbiose verwachsen. Obwohl ich gerne Originalstimmen bulgarischer Poeten benutze, tue ich es meistens mit Widerwillen – genauso wie bei der kompletten grafischen Gestaltung will ich alles selber machen.“

Svarrogh gibt es nun seit 2001, obwohl die Idee dafür schon vorher existiert hat, so der Multiinstrumentalist. „Der Anfang war sehr schwer: Ich wollte so viele Instrumente lernen wie es nur geht – und bin immer noch in diesem Lernprozess. Ich war anfangs überwiegend ein eher miserabler Musiker. Na ja, letztlich kommt es ja nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität an. Man kann ja auch nur mit einem Instrument eine wahnsinnige Stimmung aufbauen.“

Für das aktuelle Album „Kukeri“ kamen jedenfalls laut Dimo zum Einsatz: „Eine Mandoline, eine Tamboura – also eine große bulgarische Mandoline mit acht Saiten, ein bulgarischer Kaba Gaida-Dudelsack, gespielt von einem Meister aus den Rhodopen, eine circa 90 Zentimeter lange Kaval Schäferflöte ohne Blatt, ein Synthesizer, eine Bassgitarre, je eine elektrische und eine Akustikgitarre, Glocken, je eine Tupan- und eine Djembe-Trommel, Maracas und weitere Perkussion, sowie ein digitaler Trommelsklave – ich bin zwar selber Drummer, aber die Möglichkeit für Drum-Recording ergab sich leider nicht.“

Seit nicht geringer Zeit existiert auf dem einschlägigen Musikmarkt eine regelrechte Schwemme an Pagan-, Viking- und Folk-Veröffentlichungen.

Dimos Meinung dazu ist klar formuliert. „Seit dem Erfolg von Equilibrium erlebt diese "Szene" eine regelrechte Renaissance. Diese Musik ist vor allem in Osteuropa sehr stark und ursprünglich. Aber man kann bei entsprechendem Interesse und stilistischem Weitblick auch sehen, wie heidnisch-aztekische oder altaische Gruppen der Welt zeigen, was sie so alles drauf haben. Der alleinige Anspruch Nordeuropas auf Pagan/Folk/etc. ist einfach lächerlich. Aber so der selbstdarstellerische und sich wichtig machende Trinkhornkandidat bin ich trotzdem nicht. Meine Favoriten sind eindeutig: Negură Bunget, Nokturnal Mortum, Drudkh, Helheim, Sturmpercht, Waldteufel, Allerseelen, Isihia, Kayno Yasno Slunce sowie diverse Folk-Ensembles.

Über die anschließende Fragestellung, wann und wie Dimo hierher nach Deutschland gekommen ist und wie es ihm hier gefällt, lacht er zunächst mal herzlich.

„Das ist ja die beste Frage überhaupt! Ich bin mit neun Jahren an einem schönen verregneten Novembertag im Jahre 1992 hergekommen. Ich wurde aber auch nicht gefragt, da meine Mutter damals hier eine bessere Stelle als Ärztin bekam. Nun möchte ich schon seit langem wieder zurückkehren in mein Heimatland, vielleicht schon sehr bald, ist eben sehr schwierig. Nun, einerseits ist Deutschland ein herrliches Land, allein kulturell und geschichtlich gesehen. Und natürlich wirtschaftlich – für mich hat Deutschland europaweit den höchsten Lebensstandard. Es nervt einfach immer und immer wieder mit anhören zu müssen, ach wie schlecht es den Deutschen doch so geht. Diese ganzen Jammerlappen sollten mal nach Bulgarien gehen, nach Ruanda oder Peru: Der tiefste deutsche "Unterschichtler" könnte wie ein König in einem dieser Länder leben. Mir fällt auf, verglichen mit anderen europäischen Ländern, dass die ländliche Bevölkerung im gesamten Deutschland überwiegend ein wenig stumpf, unfreundlich und furchtbar konservativ ist. Dagegen habe ich bei den Städtern – dazu zähle ich auch – das Gefühl, dass gerade diese Leute allesamt eine sehr westliche Massenverblödungsmentalität aufweisen. Ich will hier jedoch nicht von Klischees oder Stereotypen reden! Aber Gott sei Dank sind alle meine Bekannten und Freunde eine Ausnahme, von der es noch viel gibt. Typisch deutsch an sich ist für mich ist ein gewisser Egoismus, sowie eine gewisse Unfreundlichkeit; selbst die nördlichen Völker, die viel introvertierter erscheinen sind viel offener und freundlicher. Andererseits gibt es ja die wohlbekannten deutschen Tugenden. Aber ich glaube mittlerweile ist es auch irgendwie fast schon typisch deutsch, Dönersprache zu reden und ein so genannter "Deutscher mit Migrationshintergrund" zu sein. Und natürlich kotzt mich die, ich glaube für immer und ewig andauernde, deutsche Vergangenheitsbewältigung an. So einen tief sitzenden Komplex gibt es in keinem anderen Land auf der Welt! Es wirkt wirklich sehr lächerlich in meinen Augen, das Eigene alles zu verteufeln, nur um sich bei anderen Nationen schleimig anzubiedern. Deutsche Geschichte fängt nun mal nicht 1933 an. Ich weiß, diese Phrase klingt auch abgedroschen, aber man kann es nicht oft genug sagen. Ich habe zwar einen deutschen Pass, aber meine Mentalität und mein Geist sind bulgarisch. Es kommt einfach von innen heraus, mal ganz profan gesagt, dass ich mich mental noch längst nicht integriert habe und viele Dinge fremd auf mich wirken, obwohl mir wiederum nach so vielen Jahren einige Sachen in Bulgarien fremd vorkommen, ein Dilemma eben. Deutschland, das war einst ein Land der stolzen Germanen, Häduren, Allemannen, etc, ein Land der Dichter und Denker, aber nun ist eine Rezession eingekehrt.“

Seine Verbundenheit mit der bulgarischen Natur, besonders mit den dortigen Wäldern und Gebirgen, beispielsweise den Rhodopen, ist sehr groß.

Und der Mann hinter Svarrogh kommt bei diesem Thema rasch ins Schwärmen.

„Ich kann das Gefühl nicht beschreiben, wenn ich in den heimischen bulgarischen Wäldern und Bergen wandere. Und ich rede hier nicht von stumpfem Nationalismus. Denn ich scheiße ehrlich gesagt auf die bulgarische Marionettenregierung. Mit Stolz kann ich behaupten, dass wir EU-weit einige der unberührtesten Landflecken überhaupt haben, sowie den höchsten Bestand an Bären, Füchsen und Wölfen. Es ist eben noch nicht alles überbesiedelt. Bulgarien ist ja eher ein kleineres Land, dennoch befindet sich dort alles: Felder, Auen, Wiesen, Berge, Meer, Seen, steppenartige Regionen und das alles auf einer kleinen Fläche.“

Die Hauptintention bei Svarrogh liegt somit in der prächtigen bulgarischen Natur. Und das in jedem Stein, in jedem Baum, in jedem hunderte von Jahren altem Dorf, so bekennt er.

„Ich kehre immer wieder zu ganz bestimmten Orten zurück. So ist das erste Stück auf dem Album "Pashovi Skali" (übers.: Die Felsen des Pasha) ein tatsächlicher Ort mitten in den Rhodopen, man könnte von dort aus bei gutem Wetter auch bis nach Griechenland sehen. Oder auch mein Heimatberg Vitosha – der zieht mich immer wieder magisch zu sich. Ich bin sehr oft unterwegs, auch mit meinem Onkel, der dort Förster ist, so dass ich in bestimmten Gegenden jeden Stein und jede Lichtung kenne. Es tut mir jedoch sehr weh, wenn ich sehe wie viel auch dort die Kommunismus-Ära kaputt gemacht hat.“

Aber auch die bulgarische Historie nennt Dimov mir im Anschluss als eine Hauptintention hinter seiner Musik. „Leider ist aber von der bulgarischen Geschichte nicht viel übrig. Zu groß ist nun die Orientierung und Arschlecker-Mentalität zum Westen. Viele Bulgaren vergessen ihre Wurzeln – ein Baum ohne Wurzeln aber stirbt. Angefangen von der großen Dynastie der Thraker, und über die große Vereinigung der Slaven mit den Altbulgaren. Das alte Großbulgarien um 600 – in der heutigen Ukraine – kann getrost neben Byzanz, Rom und einigen germanischen beziehungsweise fränkischen Fürstentümern zu den ersten europäischen Staaten an sich gezählt werden. Mich fasziniert auch die große Wanderung der Bulgaren, ein indogermanisches Reitervolk, später zusammen mit Hunnen und Awaren in der Völkerwanderung, angefangen am Fuße des Pamir beziehungsweise Hindukusch bis zum heutigen Balkan. Und auch die slawischen Einflüsse sind mir besonders wichtig – die Vereinigung der Bulgaren mit den sieben südslawischen Stämmen der Donau. Nicht zu vergessen natürlich die Khan-Dynastie des Klan Dulo von 681 bis zum 14. Jahrhundert. Leider beginnt danach ein dunkles Kapitel – die 500 Jahre lange Unterdrückung durch die Osmanen, was uns wiederum 500 Jahre kulturell zurückwirft gegenüber den anderen europäischen Staaten. Man kann aber wiederum sagen: Ohne Bulgarien, wurde heute über Paris oder München die Halbmond-Fahne wehen.“

Jedes Svarrogh-Album wurde bislang in seinem eigenen Heimstudio aufgenommen, so bestätigt Dimo.

„In der Tat, denn erstens habe ich keine Zeit habe zu festen Studioterminen zu gehen, dafür bin ich mit anderen Dingen viel zu ausgelastet und zweitens dauern die Aufnahmen eines Svarrogh-Album in der Regel circa ganze sechs Monate, je nach verschiedenen Einflussfaktoren. Wie gesagt ist die Arbeit daran eine Art Selbsttherapie, ich kann dabei absolut abschalten, mich total isolieren und auf alles scheißen. Meine Gedanken kreisen dann nur um die Aufnahme, egal an welchem Ort ich mich befinde. Aber wenn ich mal kreativ nichts zustande bringe, überkommt mich eine Wut und Raserei, sodass erst recht nichts dabei rauskommt.“

Anfänglich waren die Svarrogh-Stücke jedoch noch mit echtem Schlagzeugspiel zu hören.

„Da ich aber meine Stücke am Schlagzeug nicht proben konnte, entschloss ich mich für den Drumcomputer. Und trotz allen, die sagen wie schlecht ein Drumcomputer doch ist: Er ist meiner Ansicht nach ein perfektes Stilmittel, um warme Folklore-Atmosphäre mit kalter, maschineller, ritueller, industrieller Atmosphäre zu verbinden. Manchmal tut es mir Leid viele Ideen bewusst verworfen zu haben, und noch mehr hasse ich es, Ideen zu vergessen – weil sie viel zu oft nur dann in meinen Kopf kommen, wenn ich gerade unterwegs bin oder unter der Dusche stehe. Ich hoffe jedes Mal beim Songwriting-Prozess meine musikalischen Einflüsse zu ignorieren, was natürlich fast unmöglich ist. Ich sage mal so: Es ist wie mit Gemälden, in jedem werden die Farben schwarz, blau oder rot verwendet. Farben sind wie Noten, alles gab es schon irgendwie mal. Aber ich kann sagen, dass Gerhard von Allerseelen viel von meinem musikalischen Verständnis durcheinander geschmissen und mir neue Wege gezeigt hat.“

„Kukeri“, das sind in alpinen Gebieten die Perchten, die in den finsteren Raunächten ihr Unwesen treiben. Dimo expliziert hierzu: „Bei uns in Bulgarien findet das Ganze im Januar und Februar statt. Ein heidnischer – in Bulgarien auch thrakischer – Brauch, um den Winter zu vertreiben und ein Ritual für Fruchtbarkeit und Gesundheit. Kukeri sind Tänzer, verkleidet mit Fellen, Pelzen und dämonischen Tiermasken.“

In diesem Kontext bewegen sich laut Dimos Aussage auch die Liedertexte auf dem aktuellen Album. Doch Genaueres will er nicht nennen.

„Ich gebe dir lediglich die folgenden Stichworte, die nicht nur im neuen Album zu finden sind, da ja alles sehr umfangreich ist: Tangra, die alte paganistische Spiritualität der Bulgaren bis zur Christianisierung, balkanslawische Mythologie und Geschichte, rituelle Bann- und Segenssprüche, Kukeri-Mythen, Sagen aus dem Balkangebirge beziehungsweise der Teufelsschlucht, Waldgeister, Tiere des Tangra-Totems, Epen aus dem bulgarischen Befreiungskrieg gegen die Türken aus dem 19. Jahrhundert, sowie die Lebensweise, Bräuche der Bulgaren aus diesem Zeitraum. Natürlich verwende ich auch sehr viel frei erfundene Düsterfolklore. Aber auch östliche Esoterik, angefangen von der Schwarzen Sonne – aber nicht so plakativ wie viele jetzt denken würden – bis zum Yer-Su/Tangra-Ritus. Bulgarische Geschichte beschränkt sich ja nicht nur auf den Balkan, sondern weit in die Steppen des mittleren Ostens hinein. Nicht zuletzt nehme ich Anleihen aus vielen bedeutenden Gedichten bulgarischer Literatur von 1850 bis 1930.“

Und Dimo beschäftigt sich so tiefgehend wie nur möglich mit den jeweiligen Themenkontexten.

„Jedes Mal wenn ich in Bulgarien bin, verkrieche ich mich unter Stapeln von Büchern, die ich hier nicht kriegen kann. Eigentlich kann ich dir deine Frage daher nicht gänzlich genau beantworten. Mich fasziniert es einfach. Aber ich bin nicht so engstirnig, dass ich mich nur für bulgarische Themen auch außerhalb von Svarrogh interessieren würde. Musik und Texte müssen eine Einheit bilden, sonst wäre es ja sinnlos, wenn die Musik einwandfrei ist, die Texte dafür aber reiner Blödsinn oder umgekehrt. Die Texte machen ja letztlich die Musik aus. Der Höher kann sich anhand von Texten und Musik dann seine eigenen Visionen aufbauen, das geht aber ohne die passenden Texte nicht. Meine Texte an sich versteht aber sowieso nur ein Bulgare oder Serbe.“

Neben dem lyrischen Sektor auch musikalisch immer wieder Neues zu erforschen stellt für den Urheber von Svarrogh einen großen Reiz dar.

„Ich liebe es vor allem, neue Stilmittel zu sammeln. Beispielsweise das neue Svarrogh-Album, welches durch Steinklang/Ahnstern Records im März 2007 erscheint, "Balkan Renaissance", ein reines Neofolk-Werk mit vielen Ambient/Industrial/Drone-Elementen. Also komplett Metal-frei. Ich verstehe Musiker nicht, die ein Leben lang nur dasselbe machen und sich nicht weiterentwickeln. Da ist auch bei denen wohl die Angst zu groß, Leute zu enttäuschen. Aber man macht ja Musik für sich und nicht für andere. Mir persönlich ist es da sehr wichtig, dass der Hörer auf mentaler Basis etwas mit Svarrogh anfangen kann und seine eigene Stimmung und Visionen beim Konsum der Musik aufbaut. In Sachen CD-Verkauf sind mir zehn Leute, die sich absolut mit der Musik auseinandersetzen wichtiger als 1.000, die sie nur einfach so kaufen. Letztlich ist es doch auch eine Art Selbstverwirklichung und auch Eitelkeit, aber das ist ja wohl bei jedem Künstler so, denke ich.“

Die göttlichen Klassiker im Black Metal-Bereich sind und bleiben für Dimo unerreicht.

„Leider verstehen das viele nicht und kopieren bloß noch. Dennoch fangen diese Klassiker an ein wenig zu verstauben. Deswegen ziehe ich mir in letzter Zeit eher neuere Sachen rein wie beispielsweise die genialen Nehemah, Negură Bunget, Diabolicum oder auch Hate Forest. Ich finde es schlecht, dass der Black Metal mittlerweile salonfähig ist. Es ist wie ganz normale Rockmusik. Musikbusiness. Huren und Freier. Ekelhaft.“

Der Svarrogh-Mann ist gleichfalls gerne auf Konzerten in Menschenmengen unterwegs, aber auch allein im Wald, wie er berichtet.

„Sehr oft schaffe ich es nicht lange in einer großen Menschenmasse zu bleiben und suche das Weite. Ich bin glücklicherweise privilegiert, meine Zeit nur mit von mir ausgewählten Menschen zu verbringen. Ich bin auch oft alleine auf Reisen, denn das ist meine Lieblingsbeschäftigung solange genug Geld dafür da ist. Dabei sammle ich kreative Kraft, und ich kann meine Gedanken ordnen. Einsamkeit ist verdammt konstruktiv, aber eben nur in Maßen. Sie kann auch gefährlich sein. Aber manchmal hat man es eben einfach satt, auf Konzerten immer wieder dieselben Hackfressen sehen zu müssen.“

Über Live-Aktivitäten von Svarrogh kann mein Gesprächspartner mir nicht gerade viel berichten.

„Ich bin derzeit jedenfalls am Suchen nach geeigneten Session-Musikern, und das ist sehr schwierig, vor allem hier in Bayern. Aber ich glaube in nicht allzu ferner Zukunft wird es ausgewählte Svarrogh-Gigs geben; jedoch mit ganz anderem Repertoire, sprich, nicht für das reine Metal-Publikum geeignet. Stell´ es dir so mal vor: Eine atmosphärische Drone-Mauer wird durch einen Bulldozer-Bass niedergerissen, und auf dem entstandenen Schutthaufen spielt dann eine zierliche Mandoline auf. Ich danke dir für das angenehme Gespräch, Markus.“

© Markus Eck, 10.01.2007

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