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Interview: SWALLOW THE SUN
Titel: Schicksalhafte Selbstverwirklichung

„Es ist ein sehr persönlicher Lebensstil geworden, der mir erlaubt, viel aus mir herauszulassen“, kommentiert Keyboarder Aleksi Munter den Ansatz, was für ihn das Schönste und Wichtigste an der Musik von Swallow The Sun ist.

Das glaubt man dem Mann gerne, wenn man die neuen Songs der finnischen Doom Death Metal-Spezialisten hört. Auf ganzen drei Alben verteilen sich die Lieder von „Songs From The North I, II & III“. Komplex, gigantisch, verschlingend, episch, atmosphärisch - die sechsköpfige Gesandtschaft hat dafür ein berührendes Sammelsurium unter einem edlen Dach zusammengebracht.

Gitarrist Juha Raivio schrieb sämtliche Kompositionen für „Songs From The North I, II & III“, von denen viele schon seit einigen Jahren in den Archiven der Band schlummern.

Anhaltende Eigenständigkeit
Aleksi ist seit 2001 mit dabei. Wie er erzählt, haben Swallow The Sun schon seit Jahren immer mal wieder darüber gesprochen, genau so eine Veröffentlichung wie die jetzige machen zu wollen.

„Das Ganze bezieht sich auf eine Formulierung, mit der unser Sound in den frühen Anfängen als Mischung aus ,Düsterkeit, Schönheit und Verzweiflung‘ umschrieben wurde. Irgendwie haben wir das auch weiterhin so übernommen. Das ganze Dreieralbum ist letztlich auch sozusagen eine Erweiterung besagter Aspekte, die tatsächlich schon immer in unserer Musik präsent waren. Gleichzeitig möchten wir damit auch unsere Einstellung zum musikalischen Verbrauch der heutigen Tage kundtun, der auf gewisse Weise doch sehr monoton geworden ist. Es scheint, als veröffentlichten alle ständig Singles und Videos. Wir glauben, unser neues Albumformat ist dagegen wahrlich etwas sehr Spezielles.“


Multiple Unterschiedlichkeit
Aleksi ist von der Großartigkeit des neuen Materials vollauf überzeugt, wie er weiter mitteilt. „Es treten teils wirklich verrückte Kontraste auf. Man höre sich nur mal ,Before The Summer Dies‘ an, den letzten Song des zweiten Albums und ,The Gathering Of Black Moths‘, den ersten Track des dritten Langspielers. Dennoch hört es sich jederzeit an wie genau dieselbe Band, die wir schon immer waren. ,Songs From The North I, II & III‘ ist eben groß, vielschichtig, voller Gegensätzlichkeiten. Erfüllt von Dunkelheit und Licht, von Eleganz und Hoffnungslosigkeit in einem. Wie der Norden selbst. Als wir nach drei Alben damit anfingen, verschiedenen musikalischen Direktiven Freiraum zu gewähren, führte dies nicht nur künstlerisch merklich zu einem gesteigerten inneren Frieden. Von da an gab es sowieso keinerlei Grenzen mehr, da wir erfreut bemerkten, dass am Ende doch stets unser ureigener und typischer Stil herauskommt.“

Echte Natürlichkeit
Eines der herausragendsten Kriterien auf dem neuen Release markiert definitiv der außergewöhnliche Gesang von Mikko Kotamäki, so der Tastenmann.

„Seine Leistungen waren über all die Jahre schon gut, aber für die aktuelle Veröffentlichung hat er sich als Sänger in markanter Art einfach auf höhere Ebenen gehievt. Das passt in hervorragender Weise zu all den neuen Kompositionen. Andererseits wird dabei simultan eine deutliche und passende Relation zu unseren früheren Stücken hergestellt. In Gesamtheit kommt trotz ausgeprägter Variabilität letztlich alles ziemlich homogen und authentisch rüber. Uns war es seit jeher wichtig, dass wir Songs nicht aus uns herauspressen. Alles muss ganz natürlich entstehen. Ich schätze dass genau so die größte Authentizität erreicht wird. Ich war neugierig darauf, wie uns die Arbeit für die langen Nummern von ,III‘ von der Hand gehen würde. Aber es war ein großartiges Schaffen. ,III‘ ist momentan mein eindeutiger Favorit unter diesen drei Platten.“

© Markus Eck, 26.10.2015

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