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Interview: TAUNUSHEIM
Titel: Für Ehrlichkeit und Treue

Auf das Jahr 1995 ist die Gründung dieser Pagan Metal-Gesandtschaft datiert, die Herkunft offenbart der Bandname: Die prächtige Taunuslandschaft ist in nahezu ihrer gesamten Fläche ein Naturpark. Von wohltuender Stille erfüllte Wälder, perlend plätschernde Bachläufe sowie tiefe Täler laden zu langen Wanderungen ein.

Als Urheber der Band sind zwei Brüder zu nennen: Gitarrist und Sänger Erik sowie Bassist Patrick Kuntz. Gegen Mitte des nun aktuellen zehnjährigen Band-Jubiläums gesellte sich noch Keyboarderin und Flötistin Ilona dazu. Ein eng verbundenes Trio also, das es wirklich nicht eilig hat mit seiner großepischen und betont hymnischen Kunst.

Denn nach diversen Demos erscheint nun endlich das atmosphärische Debütalbum „Nebelkämpfe“. Mittels der darin enthaltenen hohen Eigenständigkeit heben sich die drei Taunusheimer samt Gast-Trommler Martin von der Masse an Bands aus diesem Bereich doch auffallend ab. Beherzt besungen werden vor langer Zeit geschlagene Schlachten und uralte nordische Sagen.

Laut Erik sind die Reaktionen der ersten Hörer und Kritiker zum neuen Debütalbum überwiegend positiv ausgefallen.

„Die geringen negativen Äußerungen befassen sich, zumindest aus einigen Rezensionen, nur wenig bis gar nicht mit der Musik von Taunusheim und sind somit nicht sehr relevant für uns.“

Der Gitarrist sieht im aktuellen Werk seiner Band ein eher bodenständiges Werk:

„Wir zielten ganz bewusst darauf ab, dass „Nebelkämpfe“ nicht mit aberhunderten Spuren aufgenommen und mit Effekten übersät wurde, die später aus den Boxen preschen. Natürlich war es uns wichtig die wenigen Dinge, wie das Nebelhorn zu Beginn des Albums, Flötenparts und die an einigen Stellen vorkommende Maultrommel selbst einzuspielen und nicht mit Synthesizer zu produzieren.“

Dadurch, dass die vier Beteiligten, obwohl sie laut Erik das erste Mal zusammen ein Album aufnahmen, sich prächtig verstanden und es auch immer noch tun sowie musikalisch und kompositorisch auf einer Wellenlänge waren, gab es keinerlei Probleme bei der Entstehung von „Nebelkämpfe“:

„Spaß und Leid reichten sich tatsächlich nur bei den Foto-Shootings und dem Videodreh öfters die Hände, denn die bittere Kälte und der eiskalte Wind im Taunus, machte uns dann doch ein wenig zu schaffen und die Stimmung war nicht immer die Beste.“

Wie Erik dann berichtet, juckte es ihm und seinem Bruder Patrick nach dem Mitte 2000 vollzogenen Beitritt Ilonas mächtig in den Fingern, neue Kompositionen zu kreieren:

„Wir drei fingen dann auch schon in Bälde damit an, die Gartenhütte bei Ilona unter Beschlag zu nehmen und steckten schon mal unsere musikalischen Vorstellungen ab. Im Winter hatten wir natürlich das Problem, dass wir sämtlichem Pflanzengut weichen mussten und unsere `Proben` pausieren mussten, jedes Jahr aufs Neue. Im darauf folgenden Jahr entstanden so langsam aber sicher die ersten Textvorstellungen. Erst Ende 2003, als Martin, der Schlagzeuger, Interesse zeigte bei uns einzusteigen ging es dann richtig los in einem richtigen Proberaum.“ Die Texte schrieb er in seiner Eigenschaft als Sänger zum größten Teil selbst, während die Band auf musikalischer Ebene vieles zusammen erarbeitete, wie Erik sich ergänzt.

Ich befrage den stilecht gewandeten Axeman nachfolgend zu seiner Meinung über nennenswerte musikalische Unterschiede zu bisherigen Veröffentlichungen von Taunusheim. Er ist sich sicher:

„Jeder, der die alten Demos kennt, wird sicher selbst den enormen Schritt nach vorne erkennen. Wobei ich behaupte, dass wir das Grundgerüst von Taunusheim recht unverändert ließen. Die tatsächlichen Unterschiede und Veränderungen sind auf jeden Fall die Aufnahmetechnik und die darauf folgende Veredelung des Materials in einem Studio, die spielerische Weiterentwicklung und der Zugewinn der beiden Musiker Ilona und Martin.“

Wir sprechen über verschiedene musikalische Einflüsse, welche für das neue Album zur Geltung kamen. Erik führt hierzu auf: „Bei jedem von uns ist das wahrscheinlich anders, da jeder in seinen anfänglichen Schritten in die Rock- und Metal-Welt anderen Kram hörte. Aus meiner Sicht würde ich Bands wie Kampfar und Isengard nennen wollen sowie Ähnliche, wobei wir musikalisch aber nicht nach ihnen klingen.“

Lyrischen Inspirationen wie der Natur oder der Schönheit des Taunus schreibt Erik einen großen Anteil an seinen geistigen Ergüssen zu. „Kaum einen Song könnte ich schreiben, würde ich nicht die Natur einbinden können und mächtige Wälder vor Augen haben. Ebenfalls sind natürlich geschichtliche und aktuelle Ereignisse, sowie Texte aus der Edda, besonders wichtig für meine generelle Einstellung und das, was in den Texten von Taunusheim vorkommt.“

Auch nach der Beendigung des Albums und nach mehreren Hördurchläufen würde er persönlich nur wenig anders daran machen wollen, wie der Gitarrist zu Protokoll gibt. Besonders stark an der neuen Scheibe findet er eigentlich genau den Fakt, dass sie es geschafft haben ihre Vorstellungen komplett so umzusetzen, wie sie es sich gewünscht hatten.

„Wobei ich aus meiner Sicht den Titelsong `Nebelkämpfe` hervorheben muss, da mir dieser textlich am besten gelungen und für uns und das Album der wichtigste Track ist. Wir wollten bodenständigen Metal produzieren, der mal nach gemütlicher Lagerfeuer-Atmosphäre duftet, mal nach zu schmiedenden Klingen klingt und hymnisch durch den Taunus ruft. So einfach ist das eigentlich zu erklären.“

Der Titel des neuen Albums bedeutet laut Erik im Speziellen eigentlich das, was auch der Titelsong „Nebelkämpfe“ aussagt: Einen Wechsel von Ungewissheit und Tristesse bis hin zur Auseinandersetzung und Kampf.

Ich entlocke meinem gesprächigen Interview-Partner aus diesem Anlass heraus Einblicke in die Hintergründe der einzelnen Texte:

„In dem Song `Sleipnir` huldigen wir dem mächtigen Pferd Odins, und es kommt textlich zu einer Verbindung von Natur und Tier, welche(s) sich durch enorme Überlegenheit und Angriffslust einen Weg zum alten Glauben und Naturverbundenheit bahnt. In `Getrunken das Bier` beschreiben wir eine vollkommen gelassene und von Kampf entfernte Szenerie, nur das Problem des Biermangels und der Langeweile könnte vielleicht im Laufe des Abends zu lautstarken Auseinandersetzungen führen. `Nebelkämpfe` ist wie bereits angesprochen ein recht ernster Text. Er zeigt wie hilflos und zugleich berechnend das Christentum über heidnische Dörfer herfiel und wie die Situation – zwar dem zweiten Jahrtausend angepasst – aber immer noch die Gleiche ist. Missioniert und Unheil betrieben wird weiterhin in zahllosen Dörfern weltweit, die danach ihre alte Kultur und den Glauben an sich selbst verlieren oder nicht mehr ausführen dürfen. Auf dem vierten Stück des Albums, `Wundenschmiede`, drehen wir den Spieß um und es kommt zur enormen Gegenwehr, das Ende allerdings ist offen. In dem Song `Taunusheim` geht es nun ausschließlich um den Taunus, einen Teil seiner Geschichte und um unsere Verbundenheit zu ihm. `Followed By The Raven` ist natürlich eine Hommage an die beiden Raben Hugin und Munin und um deren Wichtigkeit. Auch hier kann man heute noch erkennen, welchen Schwachsinn das Christentum dem Raben nachsagt. Ich kenne kaum eine Religion, außer die der Christen natürlich, die den Raben mit Negativem belegt. In `Die Reise zum Aar` soll es wieder mal kampflos und dennoch etwas hoffnungsvoller zugehen, die Verbundenheit zu den alten Göttern unterstrichen werden und auch Weib, Met und Gesang auf ein Neues gehuldigt werden. Ich hoffe nun eine, in gewissem Maße brauchbare Beschreibung der Texte von mir gegen zu haben.“ Das hat er, in der Tat. Der weitere Gesprächsverlauf drehte sich um das stimmungsvolle Albumcover, welches „Nebelkämpfe“ verpasst bekam. Erik informiert mich, dass das Coverbild selbst von Ingrid, einer Freundin der Band, geschossen wurde. Und: „Da ich im Medienbereich beruflich tätig bin, habe ich wieder das Layout des gesamten Booklets übernommen. Wir finden es demnach auch ganz ansehnlich.“

Als sich die Gesprächsdirektive in Richtung Christentum bewegt, schaltet sich erstmals Tastenfrau Ilona ein:

„Wir verabscheuen die moderne Gesellschaft nicht. Viele moderne Entwicklungen erleichtern unser Leben zweifellos, angefangen bei der Mobilität, die uns Erfindungen wie das Auto brachten, bis hin zu lebenswichtigeren Entwicklungen, die es uns heute erlauben, Nahrung über lange Zeit aufzubewahren, ohne dass sie verdirbt. Was wir verurteilen, ist der langsame, aber sichere Verfall von Werten wie Ehrlichkeit und Treue und der Verbundenheit zur Natur, ohne die wir trotz aller Fortschritte nicht überleben könnten und der wir Respekt entgegenbringen sollten. Inzwischen haben wir Politiker, die behaupten, unsere ganze Kultur basiere auf dem Christentum – eine Aussage, die zeigt, wie weit der geistige Verfall unserer Gesellschaft fortgeschritten ist. Um es auf den Punkt zu bringen: Das Christentum ist auf Regeln aufgebaut, die nichts anderes sind als Naturgesetze, und schon herrschten, bevor ein Christ auch nur seinen Fuß auf europäischen Boden setzte. Natürlich sollst Du nicht töten, man braucht keine Bibel, um zu erkennen, dass die Tötung eines Menschen Konsequenzen hat, genauso wie Ehebruch oder Diebstahl. Was die Christen jedoch in ihren Gesetzen zusätzlich verlangen, ist der unbedingte Gehorsam vor ihrem Gott, der im Mittelalter durch Angst vor der Hölle noch verstärkt wurde – siehe damalige Ablasszahlungen; Hauptsache, die Kohle stimmt. Somit werden Christen zu Marionetten, die nicht fähig sind, eigenes Denken zu entwickeln, wenn ihnen ihr Oberhaupt nicht den Weg weist. Den Beweis erhielten wir kürzlich, als Papst Johannes Paul II. starb: Hunderttausende harrten vor seinem Fenster aus, Millionen weltweit reagierten mit Weinkrämpfen und Hysterie auf sein Ableben. Einen besseren Beweis für Abhängigkeit kann ich mir nicht vorstellen. Danach harrten wiederum Tausende aus, um endlich ihr neues Oberhaupt präsentiert zu bekommen, jemanden, der ihnen endlich wieder vorschreibt, was sie zu tun und zu lassen haben. Jeder, der jetzt damit kommt: `Aber die Kirche macht doch auch Altenpflege und leitet Kindergärten!`, der sollte sich mal überlegen, warum sie das tut. Täte sie es aus reiner Nächstenliebe, würde sie es ehrenamtlich tun, so wie die Bettelmönche, die früher durch die Lande zogen. Heute steckt zum einen eine gewaltige Geldmaschine dahinter, zum anderen leitet die Kirche Kindergärten, um ihren Glauben weiter zu verbreiten. Oder was für einen Sinn hat es sonst, Dreijährige am Mittagstisch die Händchen falten zu lassen? Aber das Wichtigste kommt noch: Das Christentum wird von aller Welt als eine Religion des Friedens und Jesus als ein Vertreter der Nächstenliebe gesehen. Sicher, die Priester erzählen sonntags nur von guten Dingen, die in der Bibel stehen. Aber sie verschweigen die dunkle Seite dieses Glaubens: Zitat 5.Buch Mose, Kapitel 7, Vers 1-6: `Wenn Dich der Herr, dein Gott in das Land bringt, darein Du kommen wirst, es einzunehmen, und auszurotten viele Völker vor Dir her, die größer und stärker sind als Du. Also sollt Ihr mit ihnen tun: Ihre Altäre sollt Ihr zerreißen, ihre Säulen brechen, ihre Haine abhauen und ihre Götzen mit Feuer verbrennen!` Das hat Bonifatius auch super hinbekommen. Dummerweise haben sich die Anhänger der alten Götter gerächt und ihn umgebracht. Dumm gelaufen, kann man da nur sagen. Und auch im neuen Testament, das ja so voller Vergebung sein soll, steht in der Offenbarung Kapitel 2, Vers 26 - 28 geschrieben: `Und wer da überwindet und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden, und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe, und wie eines Töpfers Gefäße soll er sie zerschmeißen.` Es gibt hier nichts zu interpretieren, und Stellen wie diese gibt es in der Bibel unzählige. Jeder Priester, jeder Papst, jeder Pfarrer hat die Bibel gelesen, ja kennt sie auswendig. Und trotzdem vertreten diese Menschen diese Worte, manche mögen sich vielleicht kritisch damit beschäftigen, doch bleiben sie Repräsentanten eines Glaubens, dessen heilige Schrift offen zum Mord an Andersgläubigen aufruft. Zwar bezeichnen sich die meisten Deutschen, auf ihre Konfession angesprochen, als Christen – doch 98%, unsere Politiker eingeschlossen, haben keine Ahnung, was das bedeutet. Diese Religion ist verachtenswürdig und in Nichts besser als das, was sie dem Islam vorwirft. Von der Unterdrückung der Frauen bis hin zum Hinmetzeln Andersgläubiger.“

Eine wohl durchdachte Analyse, welche einige Beschäftigung mit dieser Thematik offenbart. Man glaubt also noch immer am besten an sich selbst, um dauerhafte innere Stärke zu erlangen und zu bewahren.

Ich trete im Weiteren an Tieftöner Patrick heran, der verrät mir die privaten musikalischen Vorlieben von Taunusheim. „Wir drei haben im Großen und Ganzen so ziemlich denselben Geschmack, trotzdem hat da jeder für sich so seine Favoriten. Erik hört hauptsächlich Black, Pagan, Viking und Death Metal, Ilona so gut wie alles im Metal-Bereich was gut ist und ich eher nur Pagan, Viking und Black Metal. Ansonsten findet man in unseren Plattensammlungen vereinzelt auch Soundtracks, Klassik und Folk-CDs. Was jeder von uns zurzeit an Bands genau hört ist schwer zu sagen, ich für meinen Teil ziehe mir zurzeit fast täglich die neue von Ajattara rein. Ein Hammeralbum.“

Laut Patrick wird es für die nächste Zeit leider keine Live-Shows seiner Band geben. „Ganz ausgeschlossen ist das Thema nicht, aber was die nächste Zeit angeht, ist es aus diversen Gründen einfach nicht möglich. Unsere Stärken auf der Bühne? Da wir mit Taunusheim bisher noch keine richtigen Konzerte hatten, kann ich dazu natürlich nicht wirklich was sagen. Was wir aber genau wissen: Wenn wir mal live spielen sollten, dann wollen wir auch eine gute und interessante Show auf der Bühne abliefern.“

Abschließend liefert der Bassist von Taunusheim gerne noch je einen Rück- und einen Vorausblick. „Mit den Reviews zu unseren drei alten Demos sind wir schon halbwegs zufrieden. Wir hatten einige gute Kritiken, aber auch einige schlechte. Von den schlechten gab es einige wo ich heute sagen würde, in so einigen Punkten hatten sie schon Recht. Genauso gab es aber auch schlechte Reviews, in denen der ganze Inhalt nur auf den Bandnamen oder vereinzelten Songtiteln herumhackte. Das kann ich nicht ganz so nachvollziehen, beziehungsweise, was diese Leute eigentlich damit aussagen wollten. Meiner Meinung nach haben solche Schreiber nichts bei einem Musikmagazin zu suchen, denn unter einem Review verstehe ich etwas anderes. Was hat man denn davon, wenn man nach dem Lesen einer Rezension nicht einmal weiß, was die Band überhaupt für eine Musik spielt? Solche Reviews hatten wir bereits vereinzelt auch mit der neuen CD. Da wird dann in zwei Sätzen knapp gesagt: `Oh, eine deutsche Pagan Metal-Band, das kann ja nur scheiße sein`, und das war es dann. So etwas kann man nicht wirklich ernst nehmen. Solche Reviews wirken auch immer sehr peinlich auf die Schreiber und die Magazine selbst. Zukünftig erhoffen wir uns im Grunde einfach nur eine ehrliche Meinung der Leute. Wenn es vereinzelt welche gibt, die Gefallen an unserer Musik haben, ist das eine feine Sache. Wir wissen auch, dass es immer Leute gibt, die mit unserer Musik nichts anfangen können, aber das ist eben ihre Meinung und das ist auch OK so für uns. Wir sind deswegen natürlich sehr gespannt, was wir in nächster Zeit für Reaktionen bekommenen werden.“

© Markus Eck, 08.05.2005

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