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Interview: TEUTONIC
Titel: Unter dem Banner der Zeitlosigkeit

Mit ihrem aktuellen Debüt-Langeisen „Born Of Hellfire” bolzen diese manisch idealistisch geprägten süddeutschen Schwermetaller ein schamloses Bekenntnis-Manifest zum Old School Heavy Metal durch die Reihen sämtlicher Trendkasper.

Und diese enorm schmissige Aluscheibe haut daher mit voller Wucht in die 80er-Kerbe, wie sie von alten teutonischen Helden wie beispielsweise den unvergessenen Tyrant in die Metal-Zeitgeschichte getrieben wurde. Stark puristisch angelegte und herrlich phonstarke Nietenkutten-Mucke für ewig Gestrige.

Also genau richtig für solche wie mich – für zeitlebens unbeugsame Rebellentypen, die einfach verdammt noch mal nicht wahr haben wollen, wie sehr die ganze industrielle Verkommerzialisierung unseren so heiß geliebten Metal letztlich zur Nebensache-Musik für menschlich belanglose Halbherzen verkommen ließ.

Geradezu strotzend vor kompromissloser Hingabe und Entschlossenheit an die eigene Sache, leisten Teutonic auf ihrem Album also nicht nur ganze heftige Stahlarbeit, sondern erschuften darüber hinaus auch einen metallkulturell immens wichtigen Beitrag für diese leider doch recht stiefmütterlich behandelte stilistische Spartennische.

Wer also mit solcherlei wohltuend authentischer Attitüde so derart beherzt aufspielt, der kennt auch keinen „Lebensabschnitts-Musikgeschmack“.

Ja, für den bedeutet der pure und unverfälschte Heavy Metal der guten alten Schule letztlich alles.

Vollblutmetaller, Tierliebhaber und Gitarrensaitengreifer Stef erfreut sich erst an meiner Solidarisierung zum tollkühnen Treiben von Teutonic, um sich dann nachfolgend nur zu gerne mit mir ins Interview-Gespräch zu vertiefen.

„Servus Markus! Warum hat es so lange gedauert hat, bis wir mit einer neuen Platte aufkreuzen? Tja, das ist eine gute Frage. Ich denke wir haben uns da noch niemals Stress gemacht, sondern immer neue Songs, beziehungsweise neue Aufnahmen wenn wir das wollten. Für mich persönlich war es nie relevant, ob das Album nun 2008 oder 2018 erscheint. Metal ist zeitlos. Allerdings hat uns der Sängerverlust doch auch etwas zurück geworfen“, eröffnet mir der Axtschwinger.

Sein eigentlicher Antrieb bei Teutonic ist für ihn ganz einfach zu umschreiben. „Wir wollen einfach nur Metal spielen, die Art von Musik, die wir allesamt seit Jahren, ja teilweise sogar seit Jahrzehnten lieben!“

Ich will von Stef wissen, was seine Band wohl Trend-Leuten entgegnet, welche den Sound von Teutonic altmodisch nennen?

Der Mann lacht dazu verschmitzt: „Aber das sind wir doch Markus! Ich glaube, darum kümmert sich bei uns auch ohnehin niemand.“

Die Kooperation der Musiker innerhalb der Band bis jetzt läuft prima, so Stef.

„Und die lief eigentlich seit jeher gleich ab: Jeder kümmert sich um die Dinge, die ihm am besten liegen, damit haben wir uns immer ganz gut arrangiert. Zwischen unserem jüngsten und unserem ältesten Mitglied liegen immerhin stolze 20 Jahre.“

Wir kommen danach auf die neue Teutonic-Veröffentlichung „Born Of Hellfire“ zu sprechen, und dazu ist von dem ideell so linientreuen Griffbrett-Maniac zu erfahren:

„Die meisten Ideen kamen von den Gitarristen, sprich von mir und Ventor. Gemeinsam haben wir die Ideen dann ausgearbeitet. Ich denke, so gehen die meisten Bands and ihre Songs ran. Im Gegensatz zur vorherigen Teutonic-MCD hat sich bei uns natürlich am grundlegendsten der Gesang geändert. Unser bisheriger Sänger Mark hat uns aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Unser aktueller Sänger Wersi war vor Jahren schon mal als Gitarrist bei uns und hat uns angeboten, es nun auch einmal als Sänger zu versuchen. Zu erwähnen wäre hier noch, dass er zuvor nicht wirklich Erfahrungen als Sänger gesammelt hat. Daher eventuell auch ein wenig die Defizite, die du ja schon in deinem Review angesprochen hast. Ich finde es gut so, aber so etwas ist letztlich halt doch immer Geschmackssache.“ [lacht]

Das Frontcover-Artwork für das neue Album hat eine Freundin des Bassisten der Band gemacht:

„Das Mädel studiert wohl Grafik-Design und hat uns angeboten, uns etwas für die Scheibe zusammenzubasteln. Ich finde, rein technisch ist es sehr gut geworden. Allerdings muss ich natürlich sagen, dass nichts über ein gemaltes Cover geht! Andererseits ist es mit diesen kleinen CD-Booklets schon fast überflüssig geworden ein ins Detail verliebtes Cover zu verwenden, man erkennt da ja eh kaum was. Inhaltlich behandelt das Bild das Kind der Hölle in uns allen. In der Kindheit kristallisiert es sich, in erster Linie natürlich durch die Erziehung und das Umfeld, heraus, wie gut ein Mensch wird, beziehungsweise wie böse. Ach, Quatsch – eigentlich haben wir nur einen Albumtitel gesucht, der gut klingt. [lacht] "Born Of Hellfire" ist die erste Textzeile im ersten Song "Side By Side", wir fanden, dass das passend klingt. Die erst wenige Monate alte Tochter unseres Drummers durfte sich dann im Intro sogleich mit einem kräftigen Brüllen verewigen! Wir müssen quasi schon selbst für den Heavy Metal Nachwuchs sorgen“, gibt mir der erzählfreudige Saitenzieher mit harmonisch lächelnder Miene zu Protokoll.

Und was die musikalischen Ziele beziehungsweise Interessen von Teutonic angeht, die haben sich laut Aussage von Stef über all die Jahre eigentlich nicht viel verändert.

„Sicherlich entwickeln sich musikalische Vorlieben oder auch Fähigkeiten über die Jahre, jedoch wollten wir schon immer simplen, eingängigen, schnörkellosen Heavy Metal machen.“

Demnach handeln die neuen Liedertexte auch zumeist von Schlachten, Kriegen, Mittelalter und natürlich vom Ruhm des Metal, wie ich meiner anschließenden Frage gemäß entsprechend informiert werde.

Die Aufnahmen der neuen Lieder haben sich leider aus verschiedenen Gründen etwas hingezogen, verkündet Stef.

„Wir wollten diesmal versuchen alles komplett selbst aufzunehmen. Die Technik ist in den letzten paar Jahren so dermaßen weit fortgeschritten, dass man für wenig Geld sehr gute Qualität erreichen kann. Natürlich muss man dafür sehr viel probieren, um denn besten Sound aus einem Instrument herauszuholen – was uns leider nur bedingt gelungen ist. Jedoch muss ich ganz klar feststellen, dass, im direkten Vergleich zur besagten MCD, die wir ja in einem Studio aufgenommen haben, die Qualität um einiges besser ist. Nachteil daran ist allerdings, dass man sich, wenn man alles selbst aufnimmt, viel mehr Zeit nimmt und auch lässt. Hast du also ein Studio gebucht, für eine gewisse Anzahl an Tagen, dann ziehst du das Ding natürlich viel schneller durch.“

Und mit dem vorliegenden Endresultat sind die fünf Teutonischen relativ zufrieden. „Fehler findet man immer, oder Dinge, die man im Nachhinein lieber anders gemacht hätte. Aber im Grossen und Ganzen geht das meiner Meinung nach, gerade für eine Eigenproduktion, sehr in Ordnung.“

Wir sprechen auch noch über Einflüsse und Inspirationen, und die waren für „Born Of Hellfire“ laut Stef die gleichen wie immer.

„Metal! Wir haben nie versucht, so zu klingen wie eine andere Band. Wir haben schon immer einfach das nach vorne losgespielt, was uns eben so eingefallen ist. Ich finde es immer wieder sehr erschreckend, wenn ich eine neue Band höre, die exakt wie eine, vielleicht bekanntere, klingt – oder wenn Bands sich allgemein zu sehr ähneln.“

Wie sich der absolut unbeirrbare Gitarrenmann freudig zurück erinnert, zockte er seine allererste Live-Show mit Teutonic damals im August 2000:

„Und das war auch noch gleich mit den englischen Doom Metal-Göttern Solstice sowie den amerikanischen Celtic Metal-Könnern Slough Feg. Seitdem hatten wir auch des Öfteren schon die Gelegenheit auf einigen Festivals zu spielen. Was die kommenden Live-Aktivitäten von Teutonic angeht, ist momentan leider noch nichts geplant – aber ich hoffe doch sehr, dass sich da noch so Einiges für uns ergibt. Und was sonstige Band-Ziele für das Jahr 2008 anbelangt, da wollen wir jetzt erstmal schauen, dass wir die CD etwas unter die Leute bekommen und den einen oder anderen Gig spielen. Die neue CD `Born Of Hellfire` gibt es übrigens für nur 9,- Euro inklusive Porto bei uns unter www.teutonicmetal.de zu erwerben. Danke dir, Markus, für das Interview! Wer also Interesse an uns hat: Mails sind immer willkommen!“

© Markus Eck, 08.04.2008

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