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Interview: THEATRES DES VAMPIRES
Titel: Beklemmende Ästhetiken des Grauens

Seit fast genau zehn Jahren treiben diese römischen Vampirjünger bereits ihr theatralisch düsteres Unwesen in der einschlägigen Gothic- und Dark Metal-Szenerie.

Aus diesem Anlass heraus erschien jüngst eine günstig offerierte und robuste 4-CD-Box, welche die bisherigen Alben „Bloody Lunatic Asylum“, „Jubilaeum Anno Dracul 2001“, „The Vampire Chronicles“ sowie das 2002er Werk „Suicide Vampire“ in sich birgt.

Doch damit nicht genug: Theatres Des Vampires warten jetzt auch mit einem neuen Album auf. „Nightbreed Of Macabria” lautet der Titel, liedhafter Horror die Prämisse. Musikalisch haben die sechs melancholischen Gruselromantiker erneut an sich gearbeitet, was eine abermalige Albumhörstunde von außergewöhnlich gespenstischer Anmut mit sich brachte, zu der klangliche Langeweile keinerlei Zutritt hat.

„Unser Plattenlabel fragte nach Vorschlägen, was denn zu unserem Zehnjährigen am besten Besonderes zu veröffentlichen sei. Sie wollten aber auf jeden Fall etwas ganz Außergewöhnliches, sagten sie uns. So kamen wir mit der Idee einer Box an, welche vier auserwählte Alben von Theatres Des Vampires aus der Zeit von 1999 bis 2003 beinhalten sollte, und schlugen gleich noch vor, diese so günstig wie möglich in die Läden zu stellen. Uns schwebte ein Preis von 19-20 Euro vor; um dies allerdings möglich zu machen, boten wir an, diesmal finanziell nicht an den Verkäufen beteiligt sein zu wollen. Sie willigten schließlich ein und so können wir unseren alten und neuen Fans, welche erst mit dem neuen Album zu uns stoßen werden, dieses Geschenk bieten”, berichtet mir in Form von Organist Fabio Varesi, genannt Fabian, ein alter Bekannter.

Einige der neuen Tracks von „Nightbreed Of Macabria” werden auch auf dem Filmsoundtrack zum im September 2004 erscheinenden Gruselstreifen „The Edge Of The Darkness” des italienischen Filmemachers Sergio Stivaletti vertreten sein. Fabian hierzu:

„Ich bin mir sicher, dass der Film auch bei euch in Deutschland aufgeführt wird. Zumindest wird er mit Sicherheit auf dem DVD-Markt vertreten sein. Der Special Effects-Künstler David Bracci arbeitete ein ganzes Jahr mit Dario Argento und Sergio Stivaletti an dem Film, welcher von der Filmfirma Polivideo finanziert wurde, welche bei uns ein Sublabel von Poligram ist. Ein klassischer Gruselschocker im typisch italienischen Stil. Auf der DVD-Version von `The Edge Of The Darkness` wird auf jeden Fall ein spezielles Feature über Theatres Des Vampires sowie ein Videoclip zu unserem Song `Angel Of Lust` zu sehen sein.“

Eingeschworene Fans der schaurigen Düstertruppe sollten sich diesen speziellen Auftritt ihrer Lieblinge auf keinen Fall entgehen lassen, befindet Fabian die Lage der Dinge in höchst erfreuter Stimmung über kommende Untaten.

Wie im Presse-Info zum aktuellen Release der Italiener zu lesen ist, haben Theatres Des Vampires mit der neuen Blutsaugerscheibe ein „Horchestral“ kreiert, also musikalischen Horror, dargeboten mit massiv orchestralen Arrangements.

Mich interessiert die Gewichtung dieser beiden Elemente, mit den Augen der Band gesehen.

„Aus unserer künstlerischen Sicht stehen die Orchestrierung und der vermittelte Horror im genau richtigen Verhältnis zueinander. Wir brachten erneut alle unsere musikalischen Einflüsse in die neue Scheibe ein, all unsere Leidenschaften für Horrorfilme und düstere Operetten, all unsere Begeisterung für klassische Musik und natürlich auch für den Metal. Wir spielen unseren Sound nicht um reich und berühmt zu werden, sondern in erster Linie, um unsere innersten musikalischen Neigungen auszuleben. Wir lieben unsere eigenen Songs über alles. Und wir lieben es, zu experimentieren, immer neue dunkle Gothic-Atmosphären zu kreieren.“

Wie der langhaarige Tastenmann weiter ausführt, ist seiner Nachttruppe mit dem neuen Album der perfekte Soundtrack für ein düstermodernes Zeitalter gelungen: „So dunkel, so tödlich.“

Doch so prägnant symphonisch wie heute klang die italienische Vampirbrut nicht immer.

Ihren damaligen Anfang markierten einst signifikante Versatzstücke aus dem Black Metal. Der Keyboard-Mann legt mir in diesem Zusammenhang resümierend dar:

„Unsere Musik entwickelte sich mit jedem Jahr unseres Bestehens weiter, manchmal gar mit jedem Song. Auf Alben wie `Jubilaeum Anno Dracul 2001` oder auch dem 2002er Release `Suicide Vampire` waren die genannten symphonischen Dark Metal-Parts bereits anzutreffen. Zwei Jahre nach `Suicide Vampire` vollzog sich erneut eine Modifikation in unserem Liedgut. Jedoch möchte ich davon absehen, hier von einer richtigen Veränderung zu sprechen, denn wir persönlich sehen das eher als natürlich vonstatten gegangene Entwicklung. Ich denke, wir sind noch immer 100%ig Theatres Des Vampires, wie immer 100 % Horror und 100 % Atmosphäre. Die Black Metal-Zeiten liegen nun definitiv weit hinter uns.“

Gegenwärtig dominiert eine gruselig beklemmende und mit betont opulenter Theatralik angerichtete Ästhetik des Grauens, wofür die Truppe laut Fabian erneut so einige Gastmusiker und -Sänger engagierte:

„Auf `Suicide Vampire` haben wir das bereits gemacht, so ist auf diesem Album der Chor der Santa Cecilia Musikakademie zu hören sowie mit Elvin Dimitri der erste Violinist des aus dem albanischen Tirana stammenden Philharmonie-Orchesters. Auch für `Nightbreed Of Macabria` luden wir diverse talentierte Musiker ins Studio ein, welche uns und den Chorsängern mit Streichern, Violinen, Celli, Blasinstrumenten und Hörnern assistierten.“

© Markus Eck, 27.06.2004

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