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Interview: THE GATHERING
Titel: Innovation als Destination

Als die beiden holländischen Brüder Hans und René Rutten im Jahr 1989 zusammen mit Sänger Bart Smits den Plan verwirklichen, eine eigene Band zu gründen, finden sie sich damalig in einer Art internationaler Aufbruchstimmung für neue harte Heavy Metal-Subkategorien wie Death- und eben Gothic Metal wieder.

Hans sollte dabei die Schlagzeug-, René die Gitarren-Pflichten übernehmen. Als nicht allzu lange später noch Bassist Hugo Prinsen Geerligs, der zweite Gitarrist Jelmer Wiersma und Keyboarder Frank Boeijen hinzu stoßen, sind The Gathering erstmals komplettiert.

Vereint durch die sich überschneidende Verbundenheit zu allerlei Metal-Stilistiken, sollte aber alsbald vor allem auch die musikalische `Open Minded`-Attitüde der Beteiligten, obwohl zu der Zeit primär von Todesmetall beeinflusst, im Weiteren für frische und ungewöhnliche Sounds aus dem Hause The Gathering sorgen.

Erstes markantes Resultat ist die – damals absolut unübliche – Verwendung von Keyboards, welche gleich für die allererste 1990er Demokassette „An Imaginary Symphony“ eingebracht wurden.

Solch kreativer Mut wurde im Handumdrehen belohnt: Die Reaktionen darauf waren zwar überraschter Natur, aber voll des Lobes.

Erste Gigs folgten, oftmals als Support für aufkeimende Death Metal-Kapellen, darunter Kommandos wie Deadhead und Invocator.

Dem zweiten Demo, dem 1991er Tape „Moonlight Archer“ folgte ein Jahr später auch schon die Veröffentlichung des Debütalbums „Always…“.

Die phänomenale Idee der niederländischen Band, auf dieser Scheibe den tiefen Grunzgesang von Sänger Bart mit der anmutigen Stimme der Vokalistin Marike Groot zu unterstützen, sollte dem Gothic Doom Metal von The Gathering eine zu der Zeit noch einmalige Note verleihen.

Der sich daraus ergebende große Erfolg führte die beteiligten Protagonisten für Auftritte von Belgien bis nach Israel. Bart und Marike zeigten sich jedoch mit den schlechten Konditionen des Plattenvertrages mit dem damaligen Label nicht einverstanden, es kam zu Unstimmigkeiten und die beiden verließen die sich auf dem aufsteigenden Ast befindliche Melancholikertruppe.

Das zweite Album, das 1993er Werk „Almost A Dance“ zeigte schnell auf, dass mit den beiden Neuen, Shouter Niels Duffhues und Sängerin Martine van Loon, auf musikalisch-harmonischer Ebene keine gute Wahl getroffen wurde: Ihre Leistungen überzeugten nämlich weder Fans, noch Kritiker sowie die Band selbst.

Der Stern von The Gathering, kaum aufgegangen, schien schon wieder zu sinken. Mitte 1994 geschah dann etwas, mit dem keiner gerechnet hatte: Die junge Vokalistin Anneke van Giersbergen erschien zu einem Probesingen, den Anwesenden aus der Band erschien ihre Stimme engelsgleich und geradezu perfekt für The Gathering passend.

Auch zwischenmenschlich war Anneke erste Wahl, da waren sie sich einig. Es ging wieder bergauf für die Niederländer, in allen Belangen, davon war auch das Label Century Media überzeugt: Diese nahmen die Gruppe unter Vertrag und ermöglichten den Release des hochatmosphärischen 1995er Studioalbums „Mandylion“, welches den Musikern den internationalen Durchbruch ermöglichte.

Die ausgekoppelte Single „Strange Machines“ platzierte sich gar in den heimatlichen Charts der Formation, das Album selbst gesellte sich alsbald hinzu. Ausgiebige Touren schlossen sich an.

Anschließend folgte das, was man gemeinhin wohl eine experimentelle Phase nennt. Die Metal-Elemente schwanden in diesem Zuge mehr und mehr, zahlreiche innovative Einflüsse hielten Einzug in den betont verträumter werdenden Klangkosmos von The Gathering, reflektiert vom nur mäßig erfolgreichen Album „How To Measure A Planet?”, welches für die Fans nicht einfach zu verdauen war.

Die weitere stilistische Ausrichtung tendierte immer mehr in die emotionale und vor allem variantenreiche Rock-Ecke, komplex gespickt mit dezent progressiven Versatzstücken und oftmals sperrig verbauten Independent-Anleihen.

Im August dieses Jahres stand nun das Doppelalbum „Accessories – Rarities And B-Sides“ in den Regalen der Shops. Aktuell steht die Veröffentlichung einer neuen DVD namens „A Sound Relief“ auf dem Plan. Anneke van Giersbergen plaudert für mich ein wenig aus dem kreativen Nähkästchen.

„`Accessories – Rarities And B-Sides` ist eine wunderbare Sache für diejenigen Fans von uns, welche schon immer mal sämtliche B-Seiten der vergriffenen Singles von uns hören wollten. Auf der ersten CD sind sie alle vertreten. Mit dabei sind auch absolute Raritäten wie beispielsweise die Stücke `Adrenaline`, `Theme From ‘The Cyclist’` sowie je eine Cover-Version von Dead Can Dance, Slowdrive und Talk Talk; Bands, die uns damals während ihrer großen Erfolge gut gefallen haben. Der Song `Leaves` ist zudem in einer speziellen Live-Version mit Orchester vertreten. Insgesamt sind ganze 14 Songs enthalten, da gibt es also einiges zu entdecken. Auf der zweiten CD des Doppelalbums findet man bisher unveröffentlichte Demo-Aufnahmen von 1996, darunter solche interessanten Sachen wie die Instrumentalversion des Stückes `Kevin´s Telescope` oder auch das bisher gänzlich unveröffentlichte Instrumental `Hjelmar´s`“, berichtet die zierliche Sängerin.

„Was die DVD `A Sound Relief` anbelangt, über die sind wir alle sehr glücklich, denn das Endprodukt ist den Anschaffungspreis in jeder Hinsicht wert. Die enthaltenen Konzertaufnahmen wurden von uns in Zusammenarbeit mit Paul Schuurman gemacht, der dabei als Regisseur und Aufnahmeleiter fungierte. Ein mobiles Studio diente als hervorragende Möglichkeit, alles perfekt unter Dach und Fach zu bringen. Aber auch das Frontcover-Artwork von Michel de Klein ist ein echter Hingucker geworden. `A Sound Relief` re- und präsentiert uns genau so, wie wir uns das vorgestellt haben, auch klanglich. Den Fans wird die DVD sicher sehr gut gefallen.“

Wie sie weiter informiert, befinden sich die Niederländer mitten im Kompositionsprozess für das nächste The Gathering-Album.

„Die Studioaufnahmen dazu werden noch im November 2005 stattfinden – wir sind alle sehr aufgeregt, was ich im positiven Sinne meine. Es ist wieder mal an der Zeit für einen neuen Langspieler und wir wollen dafür auch erneut einen neuen, innovativen Sound kreieren. Nach unserer `Semi-Akustik`-Periode wollen wir endlich auch mal wieder richtig laute Musik kreieren. So arbeiten wir derzeit fieberhaft an einigen stimmungsvollen Rockkompositionen. Und ebenso tolle wie ungewöhnliche Melodien werden nicht vernachlässigt, die gehören bei uns nach wie vor dazu – soviel vorab dazu.“

Wie Anneke noch offenbart, sind die derzeitigen Einflüsse für die Kreativität der Musiker ebenfalls noch immer ziemlich vielfältig. „Wir hören und mögen noch immer eine ganze Menge an Musik, jeder hat so seine Band-Favoriten aus fast allen musikalischen Bereichen. Was wir jedoch alle in Übereinstimmung richtig begeisterungswert finden, sind außergewöhnliche Bands wie Dredg, Interpol, Kean und The Killers.“

© Markus Eck, 15.10.2005

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