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Interview: THE VISION BLEAK
Titel: Dunkler Trip ins Ungewisse

2013 spukten sie mit dem fünften Album „Witching Hour“ ebenso unheimlich wie tief in den Ohren ihrer Anhänger herum.

Die hexerisch angelegte Liederkollektion markierte eine Rückkehr zum inhaltlichen Ursprung der Horror Metal-Formation. Und so bleibt es vorerst, wie „The Unknown“ nun offenbart. Denn auch das neueste Langwerk des düsteren Doppels haut in diese Kerbe.

Gitarrist, Bassist und Keyboarder Schwadorf sowie sein Kompagnon Konstanz, primär als Schlagwerker dabei, drangen hierfür zum eigentlichen Kern ihrer gemeinsamen musikalischen Vision vor. Präsentiert werden enorm abwechslungsreiche Lieder, die man so nicht unbedingt erwartet hätte.

Konzentriert aufs Wesentliche
Dass die neuen Nummern so dermaßen intensiv, packend und stimmig geworden sind, kommt nicht von ungefähr.

Wie Schwadorf wissen lässt, hat er mit seinem Partner 2015 nämlich hauptsächlich für das neue Songmaterial komponiert und getextet.

„Wir haben unsere Aktivitäten auf ein paar Festival-Shows beschränkt. Wir haben uns gesammelt und uns inspirieren lassen, um das wohl wichtigste Album in unserer Diskographie zu schreiben. Ich möchte unsere vorhergehenden Alben auf keinen Fall schmälern aber ,The Unknown‘ umweht ein Wind von Veränderung und großer Inspiration. Für uns ist es eine Art Neufindung und Wiedergeburt in einem.“

Auf Atmosphäre ausgerichtet
Mit am wichtigsten war den Urhebern ein ganz gewisser Vibe, wie der Mann es nennt, also die jeweilige Stimmung. „Bei den Aufnahmen zur neuen Platte galt es von Anfang an, den Vibe der ersten Demos ins finale Produkt herüber zu retten. Und man kann mir glauben, das ist nicht immer so einfach wie es klingen mag. Im Studio ging es viel weniger um technische Dinge als um die ständige Frage ‚Hatte das gerade die Emotion, den Vibe, den der Song braucht, um vollends zu erstrahlen?’ Das war die Kernfrage. Schon bei der Komposition an sich war uns klar, dass wir uns wie eine Schlange neu häuten müssen. Zuerst wussten wir nicht wirklich wo die Reise hingehen wird. Deshalb legten wir den Titel ,The Unknown‘ zu diesem Zeitpunkt fest. Und das war Befreiung und Wegweiser zugleich. Hinein ins Unbekannte, dort wo das Dunkle herrscht!“

Kreativer Gipfel
„The Unknown“ wirkt mit höchster dramaturgische Dichte und fesselnder, theatralischer Spannung auf das Gemüt ein. Die zwei Zeremonienmeister bieten darauf genau den unverwechselbaren Gruselsound in der ursprünglichen Reinkultur, für den The Vision Bleak seit dem 2004er Debütalbum bekannt sind.

„Tatsächlich haben wir für dieses Album so viel Material wie niemals zuvor geschrieben. Trotzdem gibt es bei uns nie Ausschussware. Sobald wir merken, dass ein Song nicht funktioniert, wandert er in die Tonne. Zwei Songs die es nicht auf das Album geschafft haben gibt es im Boxset von ,The Unknown‘ als Bonustracks zu hören. Das Material für die vorab erscheinende EP ‚The Kindred Of The Sunset’ haben wir ausgewählt, weil wir der Meinung sind, dass sowohl deren Titelsong als auch ,The Whine Of The Cemetery Hound‘ das Album sehr gut repräsentieren, ohne zu viel von dessen enormer Bandbreite vorweg zu nehmen.“

Eigenwilligkeit im Blut
Mit den vier Stücken auf besagter, limitierter EP geben The Vision Bleak einen guten Vorgeschmack auf „The Unknown“. Sie enthält zwei weitere, exklusive Songs. „Nachdem sich herausstellte, dass wir doch etwas länger an dem Album feilen werden wie zuerst vermutet, wollten wir unsere Fans nicht so lange im Regen stehen lassen. Die EP ist somit als Teaser zum Album gedacht. Mit drauf ist eine Coverversion von Tiamat, ,The Sleeping Beauty‘, sowie ein exklusives Instrumentalstück mit dem Titel ,Purification Afterglow‘. Die Wahl auf Tiamat fiel, weil wir in unserer Musik diesen Geist der frühen 90er spürten. Weil wir einer Band Tribut zollen wollten, die uns gerade in dieser Zeit sehr beeinflusst hat und die - ganz ähnlich wie The Vision Bleak - immer einzigartig und zwischen den Stühlen existierte.“

Erneute Vertiefung
Insgesamt gibt es sehr viel Neues auf „The Unknown“, wie dazu grundsätzlich zu erfahren ist. „Ich würde sogar soweit gehen von einer Wiedergeburt der Band zu sprechen. Freunde und Journalisten die das Album bisher hören durften, bestätigen diese Meinung. Das Album ist sehr viel Gitarren-lastiger auf der einen Seite und melancholischer, emotionaler, intensiver, introvertierter sowie persönlicher als alles was wir zuvor erschaffen haben auf der anderen Seite. Wir sind sehr stolz auf ,The Unknown‘.“

So erwartet die geneigten Hörer diesmal seiner Einschätzung nach sehr emotionaler, dunkler und gewaltiger Metal.

„Musik, die alle unsere Einflüsse offenbart und sie zu einem einzigartigem Mix vereint. Es gibt weniger Keyboards, mehr Gitarren als in allen vorangehenden Veröffentlichungen von The Vision Bleak und eine große Bandbreite an Metal-Stilistika, die wir vereinen. Und dies stets getränkt mit einer dunklen, metaphysischen fast greifbaren Atmosphäre.“

Es geht auf dem neuen Werk „The Unknown“ viel mehr um die inneren Dämonen, so Schwadorf im Weiteren.

„Der Blick in unsere tiefsten Abgründe anstatt nach außen. Es geht um den Mut, sich dem Unbekannten zu stellen, um sein Leben spannend zu halten und sich selbst zu finden. Es geht um das Gefühl anders zu sein - die Irritation, Aggression und letztendlich der Stolz, der daraus erwächst. Es geht um den Tod und es geht um das Leben. Alles ist sehr persönlich, spielt aber nach wie vor mit der Metaphorik und der psychologischen Ebene des Horrors. Der Friedhof ist diesmal das Sinnbild der Platte, wie es zuvor schon die Kutsche bei ,Carpathia‘ oder das Totenschiff auf ,The Deathship Has A New Captain‘ war.“

Vertraute Zusammenarbeit
Schwadorf ist Hauptsongwriter bei The Vision Bleak und schreibt zudem auch die Texte. „Während ich schreibe, halte ich aber immer engen Kontakt zu Konstanz und halte ihn auf dem Laufenden, was die Songs angeht. Seine Ideen und Meinungen zu den Liedern treiben diese dann weiter voran. Im Studio arbeiten wir dann immer gemeinsam die finalen Details aus.“

Die Zusammenarbeit der beiden Musiker für die beiden neuen Veröffentlichungen klappte laut Schwadorf wie immer wunderbar. „Wir arbeiten seit Jahren auf eine ähnliche Art zusammen die sehr gut funktioniert. Ich komponiere den Großteil der Songs und schreibe die Texte und Konstanz gibt mit seiner Meinung neue Impulse oder arbeitet mir zu wenn es mal hakt.“

Erweiterte Stilistik
Die Leidenschaft, der Vibe und der emotionale Gehalt von „The Unknown“ sind gewaltig, wie der Gitarrist, Bassist und Keyboarder sich dazu begeistern kann.

„Es fühlt sich alles sehr frisch an, ohne dass wir uns komplett von dem, was The Vision Bleak ist, entfernt haben. Es ist - wie alle unsere Alben - zugleich sehr einzigartig! Die stilistische Bandbreite der neuen Songs ist allerdings größer als jemals zuvor. Wir haben mit ultra-melodiösen Uptempo Metal-Songs wie ,From Wolf To Peacock‘ zu dunklen Doom-Nummern wie ,The Whine Of The Cemetery Hound‘, mit echtem Old School Goth wie ,The Kindred Of The Sunset‘ zu dunkel, folkloristisch Beeinflusstem wie ,Ancient Heart‘ diesmal alles an Bord.“

Abgesehen vom Titeltrack, der bereits im August 2015 komponiert wurde, wurde die komplette neue Albumscheibe im November 2015 geschrieben. „Und von Dezember bis Ende Januar arbeiteten wir an den Aufnahmen und Verfeinerungen der Songs. Im Februar habe ich dann die Platte gemischt und gemastert. 2016 wird unser Jahr – da bin ich mir sicher! ,The Unknown‘ wird die Anerkennung bekommen die es verdient und wir werden viel dafür tun!“

© Markus Eck, 13.05.2016

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