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Interview: TIDFALL
Titel: Nachtblenden des Unfaßbaren

Diesem dämonisch keifenden norwegischen fünfköpfigen Höllenhund eilt der Ruf voraus, von besonders angriffslustiger und gemeingefährlicher Art zu sein. Er steht hier natürlich für eine Band, die man besser kennen sollte. Tidfall ist sein Name, und Kenner sprechen ihn mit aller bewundernden Ehrfurcht aus.

Die Horde debütierte im Jahr 2000 mit dem Album „Circular Supremacy“ und holte schon gleich mit ihrem Erstling zu einem großen musikalischen Schlag aus. Denn „Circular Supremacy“ bietet über den Nachthimmel der okkulten Sehnsüchte rasenden, technisch brillanten und magisch klingenden Black Metal.

Offenbart wurde da also überaus attraktives Material, welches schon gleich zu Anfang der Bandkarriere alle Zutaten aufbieten konnte, welche den ungebrochenen, zeitlosen und immensen Reiz an symphonisch-orchestralem Schwarzstahl aus dieser Ecke der Erde ausmachen.

Nun werfen diese haßerfüllten und entfesselten Berserker mit dem zündenden Nachfolger „Instinct Gate“ weitere massive Schwefelbrocken ins lodernde Feuer.

Die daraus entstehende Stichflamme versengt die Ohren sinnbildlich mit bestialischer Hitze.

Gar noch eine Ecke progressiver und eine Nuance ausgefeilter, repräsentieren die acht enthaltenen Stücke Tidfall erneut von ihrer besten und entschiedensten Seite.

Die Band kennt keine Kompromisse, was sie zu einer sehr sympathischen Gesandtschaft macht.

Bandleader und Keyboarder Endre alias Aftaneldr freut sich aus gutem Grund auf die folgenden Monate.

„Wir sind als Band nun endlich eine vollkommen in sich geschlossene musikalische Einheit. Seit unserem Debüt `Circular Supremacy` wechselten wir den Sänger aus und holten auch einen neuen Axeman in die Band. Die Gründe dafür gingen aus der Zeit nach dem Release des Debüts hervor. Wir setzten uns damals hin und überlegten, in welche musikalische Richtung wir zukünftig mit der Band gehen wollten. Und die Ansichten unseres alten Sängers hinsichtlich der nachfolgenden kreativen Direktive differierten schon enorm von den unseren. Also entschlossen wir uns im Nachhinein, uns von ihm zu trennen. Das Ende der leidigen Geschichte war, daß unser Tieftöner Sorg anstelle von ihm den Gesang übernahm. Einige Zeit später kam dann auch noch Drako Arcane als zweiter Gitarrist in die Band.“

Letzteres erwies sich als goldrichtige Entscheidung, wie Aftaneldr weiter berichtet.

„Im Moment stehen die Zeichen bei Tidfall daher auf Sturm. Wir sind hoch motiviert, zu allem bereit und wir stehen einig und auch geschlossen hinter dem neuen Material. Wenn es so weitergeht, können wir über uns selbst hinaus wachsen.“

Wer drückt der Band da nicht die Daumen?

Wir gehen nachfolgend ein wenig zurück in die Vergangenheit.

„Circular Supremacy“ erschien ja noch auf einem anderen Label.

„Der Grund für den Labelwechsel basiert, daß Samoths Label Nocturnal Art sich für die Zukunft vorgenommen hat, einen Gang zurück zu schalten. Was nicht zuletzt auch daran lag, daß der Emperor mit seiner neu gestarteten Band nun mehr als genug zu tun hat.“

Die Trennung erfolgte jedoch in gegenseitigem Einvernehmen, wie weiter in Erfahrung zu bringen ist.

„Als er uns damals anrief und mitteilte, wie er die Zukunft des Labels gestalten wollte, fanden wir schnell einen vernünftigen Kompromiß. Er gestand uns zu, auf dem freien Markt nach einer neuen Vertragsmöglichkeit zu suchen. Dort durften wir auch das zu diesem Zeitpunkt bereits aufgenommene neue Album veröffentlichen. Genauso gingen wir dann auch vor; die beste Offerte kam von Nuclear Blast und wir griffen zu.“

War denn „Circular Supremacy“ ausreichend erfolgreich?

„Um ehrlich zu sein, weiß ich das überhaupt nicht. Denn die Übermittlung solcher Zahlen lief und läuft auch heute noch relativ schlecht. Die letzte Info in dieser Richtung nannte zwischen 3.000 und 3.500 abgesetzter Einheiten. Auf der anderen Seite bekamen wir für das Debüt exzellente Kritiken in der europäischen Metal Presse, womit wir auch noch sehr glücklich sind.“

Dies wird wohl nach dem Erscheinen von „Instinct Gate“ nicht viel anders sein, was Aftaneldr auch nur zu gerne bestätigen mag.

„Es ist immer erregend, ein neues Album veröffentlicht zu wissen. Obwohl wir auch diesmal erneut alles gegeben haben und total an das neue Werk glauben, wird die dem Release nachfolgende Zeit zeigen, ob wir den Fans das gegeben haben was sie sich erhofften. Wenn man neues Material schreibt und einspielt, denkt man dabei doch noch nicht an die nachfolgenden Reaktionen der Fans, oder? Diese Gedanken ereilen einen als Songwriter immer erst nach der Veröffentlichung seiner Ergüsse.“

Da hat er unumstößlich recht. Und hat sich und seiner Band damit einen dicken Bewertungspluspunkt gesichert.

Denn die metallische Historie kennt einige mehr oder weniger peinliche „Überzeugungstäter“, die ihre zeitweise gespielten Sounds ausschließlich nach kommerziellen Gesichtspunkten ausgerichtet haben.

Über kurz oder lang gingen beziehungsweise gehen solche Blender jedoch immer in der eigenen Schmach baden. Muß ich dazu Namen nennen? Ich glaube nicht.

Doch schnell zurück zu unseren norwegischen Schwarzkitteln. Den interessanten Bandnamen möchte ich noch gerne etwas näher erklärt haben. Und die Antwort kommt prompt.

„Er bedeutet ins Englische übersetzt soviel wie `Rückfall der Zeit`. Hier bei uns in Norwegen steht er für ganz bestimmte Momente, in denen die Zeit stehen zu bleiben scheint und welche dann nur noch aus philosophischen Aspekten bestehen.“

Und weil wir schon gerade dabei sind, erklärt Aftaneldr abschließend noch ein wenig den Albumtitel des neuen Artefaktes dunkler Passionen.

„`Instinct Gate` bedeutet den Zugang des Menschen zu seinen niederen Instinkten, welche er bei aller Technisierung doch niemals ablegen wird. Ein imaginärer Zugang, an dem weder Zukunft noch Vergangenheit existiert. Wenn eine bestimmte Situation also keine Zeit zum Nachdenken zuläßt, sollte man daher einfach spontan handeln.“ Das erinnert mich fatal ständig an sämtliche famosen Stücke auf „Instinct Gate“.

© Markus Eck, 13.11.2001

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