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Interview: TOXIC WALTZ
Titel: Definitiv Thrash Metal

Am kalten Anfang des Jahres 2009 von Leadgitarrist Jimi und Ex-Schlagzeuger Tim ins harte Dasein gepeitscht, fand die Landsberger Nachwuchsformation alsbald schon zu ihrem eigenen Stil. In letzterem kommen auch eigene musikgeschmackliche Vorlieben der einzelnen Mitglieder ganz bewusst markant zum Tragen. Denn die Jungs stehen schließlich mehrheitlich voll und ganz auf genau diejenige Art von Thrash Metal, wie er hauptsächlich zwischen Mitte und Ende der guten alten 1980er Jahren weltweit riesige Popularität erlangen konnte.

So ist es auch beileibe nicht als bloßer Zufall zu werten, dass sich der schmissige Haufen nach einem Songtitel von Exodus benannt hat. Als die westlich von München verankerte Zubeißer-Kapelle dann auch noch mit dem vielfach fähigen Ausnahme-Shouter Angelo zusammenstieß, krallten sie sich den Stimmstarken blitzartig. Wahrlich ein echter Glücksgriff!

Und so konnten sich die stilistischen und qualitativen Geschicke des enorm spielfreudigen bajuwarischen Moshpit-Kommandos optimal weiter entfalten. Demnächst lassen Toxic Waltz endlich ihr Debütalbum „Decades Of Pain“ von der Kette.


Wie Jimi gut gelaunt erzählt, hat ihn Musik eigentlich schon immer interessiert.

„Das ging damit los, dass ich alte Musikkassetten und Schallplatten von meinem Vater angehört habe.“

Als eher lustige Geschichte empfindet es der ambitionierte Six-Stringer, wie er zum bekennenden Schwermetall-Maniac wurde.

„So richtig zum Metal kam ich zum ersten Mal, als ich ,Grand Theft Auto: Vice City‘ gespielt habe. Wie einige vielleicht wissen, gab es dabei einen Radiosender mit Schwerpunkt Heavy Metal und Hard Rock. Als ich da zum ersten Mal Megadeth, Slayer und Anthrax gehört habe, wusste ich, was ab sofort meine Lieblingsmusik ist.“

Welches nun sein ihm allerwichtigstes Album ist, das stellt für den Griffbrett-Schrubber eine sehr schwierige Frage dar. Er überlegt kurz mit ein wenig Stirnrunzeln, um dann diesbezüglich spürbar entschlossen zu konstatieren:

„Eigentlich gibt es für mich kein wichtigstes Album, das wechselt gerne mal. Definitiv zähle ich aber ,Arise‘ von Sepultura, ,Time Does Not Heal‘ von Dark Angel und ,Human‘ von Death dazu.“

Mit dem Spielen der Klampfe hat Jimi im September 2007 angefangen. Er erinnert sich schmunzelnd zurück: „Auf unserer Abschlussfahrt mit meiner damaligen Schule kam ich zum ersten Mal in Kontakt mit der Gitarre. Ich war im Weiteren erstaunt, dass man ,Smoke On The Water‘ tatsächlich auf nur einer Saite spielen kann. Aus Naivität dachte ich dann der Rest wird schon auch nicht so schwer sein. Ein bisschen Übung hat’s dann aber schon gebraucht.“

Daraufhin fragend angesprochen, wie gut die derzeitige Toxic Waltz-Mannschaft auf zwischenmenschlicher und auf künstlerischer Ebene miteinander harmoniert, erhellt sich seine Miene.

„Das läuft momentan besser denn je. Wir machen auch außerhalb der Band viele Sachen gemeinsam und ich bin wirklich sehr froh über die aktuelle Besetzung. Auf künstlerischer Ebene funktioniert das ebenfalls sehr problemlos, weil jeder von uns konstruktive Kritik einbringt und sich auch jeder wertgeschätzt fühlen kann.“


Normalerweise arbeitet mein Interview-Partner einen neuen Toxic Waltz-Song größtenteils zunächst daheim aus, wie von ihm zu erfahren ist.

„Wir feilen die Details dann zusammen in der Bandprobe aus, wo jeder seinen Teil einbringen kann. Was die gemeinsame Arbeit am kommenden Album angeht, hierbei muss ich einen großen Dank an unseren Ex-Schlagzeuger Tim und an unseren Mann im Studio, Eric Sündermann, aussprechen, die sich extrem für das ganze Album eingesetzt haben. Wenn es einmal an der Motivation oder am Durchhaltevermögen mangelte, gaben uns beide den ab und zu nötigen Arschtritt, damit das ordentlich über die Bühne ging. In Sachen Songwriting haben wir uns seit dem Beginn gewandelt. Anfangs wurde nämlich ein Großteil der Lieder im Proberaum geschrieben. Aber das hat in der Regel sehr lange gedauert. Deswegen hat es sich zum Schluss eben dahingehend entwickelt, dass ich das Meiste daheim vorbereitete. Unser Rhythmusgitarrist Alex hat im Übrigen auch einen sehr guten Song beigesteuert.“


Nachdem die Landsberger Thrasher davor nur ganz kurz im Studio für einen Demo-Song waren, konnten sie nicht genau abschätzen, wie lange es letztlich wirklich dauern würde das Album aufzunehmen. „Die Reise in ,Ungewisse‘ war definitiv sehr spannend. Zudem fand ich die Studioarbeit sehr interessant. Es ist schon der Wahnsinn was heutzutage so alles möglich ist.“

Sehr viele Faktoren haben die Band im Erarbeitungs-Prozess zum Album eher aufgehalten, wie Jimi noch anfügt. „Einer der größten davon war mit Sicherheit, dass wir alle Schritte nacheinander und nicht parallel gemacht haben. Beim nächsten Album werden wir uns auf jeden Fall mehr Gedanken im Vorhinein machen; zum Beispiel, nicht das Artwork erst dann entwerfen zu lassen, wenn das Album selbst schon im Kasten ist.“

Ist es aufgrund der Berufstätigkeiten schwer für die Jungs, alles mit der Band so richtig rund am Laufen zu halten? „Ja, definitiv. Da wir alle vollzeitlich beschäftigt sind, ist es schwer, genügend Zeit für Toxic Waltz aufzubringen. Ich habe mir dazu einen persönlichen Plan gemacht, wann ich der Band und meiner Musik genügend Zeit widme, das hilft ein bisschen.“

Danach befragt, was genau die geneigten Hörer seiner eigenen Einschätzung nach auf musikalischer Ebene auf dem kommenden Album erwartet, gibt der Axeman zu Protokoll:

„Definitiv Thrash Metal. Ich will das jetzt nicht auf Old School Thrash beschränken, da wir auch moderne Elemente verwenden. Aber die Grundrichtung ist mit Sicherheit im klassischen Thrash angesiedelt. Wir spielen einen Mix aus verschiedenen Thrash-Bands, zum einen sehr melodisch wie Heathen aber auch technisch wie Forbidden. Ein bisschen Groove á la Sepultura ist auch dabei. Gesangsmäßig würde ich die Stimme von unserem Shouter Angelo auch in Richtung ,junger Cavalera‘ beschreiben. Eigentlich schöpfe ich einen Großteil meiner Inspiration wie zuvor erwähnt von Sepultura. Aber auch von Evildead, Exodus, Death und vielen anderen. Ich finde es aber auch als Musiker wichtig, immer neue Bands kennen zu lernen, damit man immer genügend neue Inspirationen hat.“

Gibt es auf dem kommenden Album-Release seiner Ansicht nach denn prägnante Merkmale in rein stilistischer Hinsicht? Jimi bejaht diese Frage unverzüglich mit gefestigtem Gesichtsausdruck:

„Zum einen lege ich sehr viel Wert auf ausgefeilte Soli und Riffs, die hängen bleiben. Aber auch Hooks, die sich einbrennen, erwarten den Zuhörer. Auch die Schlagzeugparts mit vielen Fills können sich hören lassen.“

Auf der Bühne zu stehen, vor tobendem Publikum, das ist für den Gitarristen mit Sicherheit das „geilste Gefühl“, das er sich überhaupt nur vorstellen kann, wie er spürbar unverkrampft offenbart.

„Darum geht’s! Dass man aber als Band oft gar nicht beziehungsweise nur gering wertgeschätzt wird, das geht mir wirklich auf die Nerven. Wenn man den Aufwand, den eine Band damit hat, ins Verhältnis zur Gage setzt, ist das meistens frustrierend.“

Das angeregte Gespräch dreht sich im Folgenden darum, wie Jimi seine Tage am liebsten verbringen würde, wenn er von der Musik bereits bestens leben könnte. Die prompte Antwort kommt mit einem dermaßen breiten Grinsen rüber, dass seine Ohren Besuch von den Mundwinkeln bekommen.

„Ich würde vermutlich jeden Tag ein bis zwei Stunden länger schlafen. Dann würde ich mir ein Programm ausdenken, das aus Üben, Songwriting und Theorie besteht, um mich und die Band konstant weiterzuentwickeln. Eine andere Wohnung, bei der ich noch mehr Krach machen kann, bräuchte es dann natürlich auch. Der Rest würde sich dann automatisch entwickeln.“

Für Toxic Waltz im kommenden Jahr 2014 erhofft sich der Gitarrist auch, dass seine Band möglichst große Gigs spielen kann. „Und vielleicht sogar auch eine kleine Tour, um unser Album so gut es geht unter die Leute zu bringen und der Welt zu zeigen wer wir sind. Weiterhin möchte ich, wenn alles glatt läuft, schon an das nächste Album denken.“

© Markus Eck, 07.10.2013

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