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Interview: TRANSILVANIAN BEAT CLUB
Titel: Vollrausch im Wodkaexpress

Eine in allen Belangen außergewöhnliche Trinkertruppe hat sich für dieses musikalische Unterfangen zusammengerauft, um größtmöglichen Unterhaltungswert zu erlangen: Ziel erreicht, kann man da zum aktuellen Debütalbum „Willkommen im Club!“ nur sagen.

Yantit, bereits bestens bekannt von den morbiden Bürgerschrecks namens Eisregen und Ewigheim, scharte neben einer Unzahl an geleerten Wodkaflaschen auch diverse Musikanten um sich. Und der lyrisch humorige Gothic Dark Metal-Output der vier Thüringer Düsterheimer ist von dermaßen rotzigen Rock’n’Roll-Anleihen durchzogen, dass sich Schnapspullen wie von selbst öffnen.

„Bis auf unseren Drummer Fr. Dr. Franzenstein und den Trompeter J. Sekurita kommen wir alle aus Tambach/Dietharz, einer 3.000-Seelen-Gemeinde mitten in Transilvaningen. Der Ort wird einigen bereits ein Begriff sein, da hier nach wie vor Hexen verbrannt, Hunde gegessen und im Suff die Weiber geschlagen werden. Und es ist gar nicht so übel hier, dass sei dir gesagt“, raunzt ein vollkommen verkaterter Yantit.

Die ersten Ideen für die ostdeutsche Alko-Kapelle entstanden im kalten Dezember 2004, wie der Sänger, Gitarrist und passionierte Extrinker sich mit grimmiger Säufermiene zurückerinnert.

„Wir rekrutierten den Beat Club aus der ehemaligen Ewigheim Live-Band, in der Fr. Dr. Franzenstein bereits Schlagzeug und Theresa [spielt bei Eisregen die Bratsche; A.d.A.] Klavier spielte. Neu ist Blutknecht am Bass. Ich habe irgendwann neben der Gitarre auch noch den `Gesang` übernommen.“

In der Freizeit hüten die vier Beteiligten die Nutztierherden ihrer Familien oder backen gern Brot in einem großen Steinofen unter der Dorfeiche, wie Yantit mit einem schiefen Grinsen anfügt, schelmisch scherzend.

„Dazu werden alte Geschichten erzählt, die Frauen machen Garn an Spinnrädern und es wird eine Menge Wodka getrunken. Als musikalische `Szene` würde ich das aber nicht bezeichnen. Eine richtige Szene gibt es hier in Thüringen meiner Meinung nach nur noch unter den paar Black Metal-Bands und mit denen haben wir nichts zu tun. Obwohl, wenn man den Klangkreis Thüringen mit Eisregen, Ewigheim, dem Beat-Club und Succubitch als etwas in der Art sehen will, könnte man sagen, wir sind die Szene. Wir organisieren im Jahr mindestens ein Konzert und proben regelmäßig.“

Die gesamte Besetzung von Transilvanian Beat Club lauscht mit Vorliebe gerne wohlig warmen und entspannenden Klängen, wie zu erfahren ist. „Wir ziehen uns fast alles rein, wenn es nur nicht zu modern ist. Härtere Sachen wie Carnivore, Autopsy oder Entombed zum Beispiel. Aber auch alten Black Metal à la Darkthrone oder Burzum und dazu noch recht viel, was man als Rockmusik bezeichnen könnte wie beispielsweise Social Distortion, Danzig, oder auch Saint Vitus.“

Ausschlaggebend für die damalige Bandgründung war primär, einen Gegenpol zum Mainstream zu setzen. Yantit, der ständig mit argem Sodbrennen zu kämpfen hat, gibt zu Protokoll:

„Und da hat sich nichts geändert. Wir wollen diesen ganzen aufgeblasenen `Püppchen Metal-Bands` etwas entgegen setzen und zeigen, dass es auch noch normale musizierende Menschen gibt. Ich habe die Schnauze gestrichen voll von Musik, bei der vor allem das Make Up sitzen und live das Playback im richtigen Moment gestartet werden muss. Das ist kein Metal. Es braucht auch keine Bühneshow, für die der Konzertgänger seinen Dispositions-Kredit überzieht oder Bands, die live aussehen als ginge es auf einen Gay-Wandertag. Durch Transilvanian Beat Club haben wir nicht zuletzt auch die beste Möglichkeit, uns mit Freunden zu treffen, Konzerte zu spielen, uns zu betrinken und Außenstehenden die eigene Sicht der Dinge näher zu bringen.“

Die Bedeutung des Bandnamens: Laut Yantit gibt es daran eigentlich nicht viel zu deuten. „Der Name ist düster, lädt ein den Club zu besuchen und erinnert an die extrem geniale Musiksendung aus den 60er und 70er Jahren.“

Im Normalfall schreibt der schlitzohrige Vokalist die einzelnen Parts – meist nicht mehr als Strophe, Bridge, Refrain pro Lied – gemeinsam mit Bassist Blutknecht, bevor Theresa alles mit Klavierharmonien versieht.

„Danach proben wir die Stücke in der Regel zusammen und bringen im Kollektiv den Liedaufbau hinter uns. Dabei achten wir eher auf eine klare Linie, ein nachvollziehbares Riffing und auf eine vernünftige Dynamik als auf irgendwelchen Firlefanz oder spielerische Kunststückchen. Ist ein Lied dann soweit fertig, kommen, wenn es passt und für den Sound notwendig ist, noch die Trompete oder Flächensounds wie Orgeln, Mellotron, Chöre und Streicher dazu, um den Gesamtsound etwas runder zu machen. Fertig ist ein neuer Song.“

Nach etwaigen Einflüssen befragt, antwortet der durstige Thüringer kurz und knapp.

„Da reichen mir ein paar Flaschen Schnaps und ein großer Spiegel.“ Genau das hatte ich ohnehin vermutet.

Auf der aktuellen CD dreht sich laut Yantit, der in diesem Moment nun schon wieder einen Doppelten zur Brust nimmt, textlich alles um Sex und Schnaps.

Und es geht auch um die Angst davor, von einem Vampir gebissen zu werden beziehungsweise welche vorbeugenden Maßnahmen ratsam sind, um einen Biss zu verhindern.

„Die Texte sind für das Ganze extrem wichtig, wir haben eine Botschaft und die muss von ihnen transportiert werden. Sie sind in gewisser Weise ein Wodkaexpress. Dabei haben wir versucht, textlich alles so `hilfsschulgerecht` wie möglich zu gestalten, um auch wirklich jedem Hörer die Möglichkeit zu bieten `mitzumachen` und den Spaß am Beat Club zu entdecken. Ich hoffe nicht, dass es wirklich Leute geben wird, die sich ernsthaft mit den Texten auseinander setzen. Man soll sie lesen oder hören, schmunzeln und dabei den Drang verspüren, sich betrinken zu wollen, nicht mehr.“

Der Schluckspecht mit den beängstigenden Leberwerten kommt zum Ende. „Wir nehmen unsere Texte sehr ernst und trinken Wodka wann immer es uns möglich ist. Woher das Interesse am Saufen kommt, kann ich dir auch nicht sagen. Ich denke aber, es begründet sich in einer schlechten Kindheit, einem schlechten Elternhaus oder einem verkorksten Umfeld, das einem den Einstieg in die Wodkaszene doch sehr erleichtert. Prost!“ Süßer die Gläser nie klingen.

© Markus Eck, 27.03.2006

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