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Interview: TRISTANIA
Titel: Entwicklungsfacetten

Einst als theatralisch gut betuchte Gothic Metal-Majestäten klanglich überaus opulent regierend, durchschritten die Norweger um Sängerin Vibeke Stene dieses Jahr auf ihrem vierten Album „Ashes“ doch eher besonnener und geradliniger angelegte Kreativpfade.

Die endgültige Abnabelung von den altbewährten Kompositionsstrukturen des ehemaligen Maincomposers Morten Veland war damit eindeutig besiegelt. Tristania-Gitarrist und -Komponist Anders Høyvik Hidle lässt für mich das ausklingende Jahr 2005 in seinen Erinnerungen an sich vorüberziehen.

„Für uns als Band war es ein wirklich sehr gutes Jahr. Das neue Album `Ashes` kam ganz gut bei den Leuten an, und wir tourten viel dafür durch die Gegend. Ich habe eine Unmenge positiver Eindrücke von unseren Reisen und Konzerten mitgenommen“, verkündet der Blonde.

Und welcher Gig dabei der erfolgreichste war, ist für den Skandinavier schwer einzuschätzen:

„Darüber habe ich mir ehrlich gesagt nicht die meisten Gedanken gemacht. Denn für mich und den Rest von Tristania war es primär von Bedeutung, überhaupt wieder auf der Bühne stehen zu können und dabei auch ein neues Werk zu bewerben. Als wir die Tour zu `Ashes` starteten, traten wir beispielsweise als Support-Act von Nightwish auf – was für uns eine optimale Möglichkeit war, neue Hörer zu gewinnen.“

Da das bislang letzte Studiowerk ein markanter stilistischer Schritt in der Historie der Band darstellt, lag die anschließende Frage nach den darauf erfolgten Reaktionen auf der Hand. Anders berichtet:

„Auch wenn nicht wenige während des anfänglichen Hörens eher geschockt waren, fielen die Reviews für die Scheibe eigentlich überwiegend doch ziemlich gut aus. Natürlich kann man nicht jeden zufrieden stellen. Und so gab es schon auch Leute, denen der stilistische Kurswechsel überhaupt nicht gefiel, und dies gerade von Seiten unserer treuesten und fanatischsten Anhänger her. Wer dem Album jedoch eine Chance gab und sich intensiv reinhörte, der konnte den enthaltenen feinen Details mit jedem Durchlauf mehr auf die Schliche kommen. Und genau so war es ja auch von uns geplant. Denn wir zielten mit `Ashes` ganz bewusst auf eine Resultats-Mischung aus Schock und Überraschung ab. Wie auch immer, die Überraschung lag auf jeden Fall auf unserer Seite, und uns konnte fast nichts Besseres passieren, als dass die Leute beim Namen Tristania endlich mal wieder ihre Augenbrauen hochziehen.“

Wie der Saitenzieher nachfolgend offenbart, befindet sich seine Band nach wie vor in einem sich ständig ändernden Konzept des Liederschreibens.

„Jedes Tristania-Album zeigte bisher den jeweiligen Entwicklungsstand der Band. Wenn wir die Songs des letzten Albums jetzt noch mal schreiben und aufnehmen würden, so würde das Ergebnis wohl ganz anders klingen. Denn seit einiger Zeit findet eine sich kontinuierlich abzeichnende Entwicklung in unserem Gesamtsound statt, worüber wir alle sehr froh sind. Für uns ist `Ashes` jedenfalls das beste und vor allem ehrlichste Album, das wir je gemacht haben.“ Darüber lässt sich streiten.

© Markus Eck, 04.12.2005

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