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Interview: TROLL BENDS FIR
Titel: Glorifizierung des Hopfen-Kultes

Feuchtfröhliche und ausgelassene Oktoberfest-Stimmung wird im Bereich des Folk Metal ja ganz gerne und auch gar nicht mal so selten inszeniert beziehungsweise versucht.

Doch den allerwenigsten Kapellen des noch immer recht populären Metiers gelingt es spritzig und ansteckend genug, um solcherlei Lebensgefühl entsprechend überzeugend zu kultivieren. Da kommt dieser musikalisch vollkommen übermütige Sankt Petersburger Hopfen-Haufen doch gerade recht, um aufrichtige Verehrer solcherlei fideler Feierklänge glückselig zu machen.

In ihrer Heimat sind Troll Bends Fir mit ihrem Folk Rock und Humppa Metal längst flächendeckend bekannt, denn für einen guten Grund zum zügellosen Feiern ist man dort wissentlich jederzeit dankbar. „Beer Folk“ tituliert die dauerdurstige Malz-Rotte ihre enorm schwungvollen Kreationen auf stilistischer Ebene, und das scheint angesichts der betörend lebensbejahenden Kompositionen auch bestens gewählt.

Aktuell Alarm auslösend:

Die verdammt saufstarken wie auch immens taktfreudigen Russenseelen um ihren schlitzohrigen Anführer Troll schlucken beziehungsweise blasen auch schon wieder zur nächsten Malz-Attacke, und zwar mittels des kommenden neuen Kompilations-Albums „Brothers In Drinks“!

Nun „schwappt“ das unerhört bewegungsfreudige Liedgut des quirligen Quintetts also auch in unsere Gefilde herüber, passend zum zehnjährigen Jubiläum des Trupps.

„Der Bandname kam mir damals in den Sinn, als ich darüber sinnierte, wie die lyrischen Inhalte meiner Gruppe am besten von einem einzigen zusammenhängenden Begriff passend überdacht werden könnten. Ich bin der Ansicht, Troll Bends Fir kombiniert viele Assoziationen und Vorstellungen hinsichtlich der heidnischen Periode Skandinaviens. Witzig ist in diesem Zusammenhang, dass unser originaler russischer Name ,Troll Gnyot Yel‘ sich sehr nahe an skandinavischer Sprachfärbung anhört“, entfährt es Frontmann, Gitarrist und Sänger Konstantin „Troll“ Rumyantsev.

Gleich darauf von mir auf seine für ihn persönlich heiligsten Gegebenheiten angehauen, entgegnet dieser unbekümmerte Zechbruder: „Es wird niemanden besonders überraschen, aber für mich sind die fünf wichtigsten Aspekte im Leben meine Familie, mein Vaterland, meine Band, mit Freunden anständig zu feiern und zu saufen sowie dass der verdammte Catering-Plan in unserem Dressing-Room stimmt, wenn wir wie so oft gemeinsam auf Tour sind!“

Auch mein Gegenüber ist sich dessen bewusst, dass es mittlerweile im Zuge dieses stilistischen Trends leider sehr viele halbherzige und vor allem künstlerisch identitätslose Folk Metal-Repräsentanten gibt. Troll stellt somit fest:

„Meiner Ansicht bewegen sich die allermeisten der heutigen Pagan- und Folk Metal-Bands im selben musikalischen Rahmen; melodische Klischeereiterei und fast keine Unterschiede im Sound sind dabei beinahe schon allgegenwärtig. Das liegt eben daran, dass einige gute Gruppen sehr großen Erfolg mit ihrem entsprechenden Klangbild haben, was die jüngeren Vertreter des Metiers denken lässt, es mit derselben Art von Songs nachmachen zu können. Die größeren Labels allerdings sind an dieser leidigen Entwicklung auch nicht ganz unschuldig: Es werden nämlich von dort größtenteils gleich klingende Produktionen gefahren beziehungsweise verlangt, sodass sich die Veröffentlichungen der etablierten Bands zumeist klanglich völlig gleich anhören. Klar, dass aufstrebende junge Bands dies eben so gut als möglich zu imitieren versuchen.“

So freut sich der ungestüme Bier-Mann im Weiteren doch sehr über den Fakt, es mit seiner Trinkertruppe Troll Bends Fir auf ganz eigene Weise zu machen.

„Ich selbst behaupte in der Regel nicht, dass wir als Band etwas völlig Neues erschaffen, doch wie viele Leute uns immer wieder schreiben, scheinen wir unsere Lieder auf eine sehr differenzierte Weise zu melodisieren. Zudem können die Hörer bei unseren Liedern die charakteristische Besonderheit genießen, dass wir auf einen ganz speziellen Mix aus verzerrten und klaren Klängen setzen. Denn für uns als ambitionierte Musiker ist es von entscheidender Wichtigkeit, einen ganz eigenen und unverkennbaren Sound zu haben; gerade in Zeiten, in denen viele Bands nicht mehr auseinanderzuhalten sind, was die Anmut der Stücke anbelangt.“

Zu den Hergängen im individuellen Kompositionsprozess der russischen Troll-Bande will dieser ebenso obskure wie sympathische Kauz nichts preisgeben, außer: „Das Einzige, was ich hierzu ablasse, ist, dass es ohne Bier bei uns nicht funktioniert“, kommt es von einem Lachanfall begleitet über die Lippen des Kerls.

Und daher überrascht es wohlwollend zugeneigte Troll Bends Fir-Hörer wohl auch nicht im Geringsten, dass die hochgradig fidelen Liedertexte dieser köstlich-versoffenen Sudkessel-Meute sich auch auf „Brothers In Drinks“ ausschließlich um die Glorifizierung von Bier drehen. Troll reißt die Augen weit auf:

„Wir preisen dieses göttliche Gesöff in den neuen Liedern mit großer Freude, so, wie auch auf unseren vorherigen Veröffentlichungen der Fall war. Und für uns ist Hopfen die Seele des Bieres. Selbst mythologische Figuren huldigten gerne der Braukunst, und auch sie haben darum ihren verdienten Platz in unseren Songs.“

© Markus Eck, 09.08.2011

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