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Interview: TRROLLHEIMEN
Titel: Eigenwilliger Mystizismus

Überaus verspielten und wunderbar stimmungsvollen Mystic Folk zelebrieren diese Paderborner Historienklangerzeuger. Und das fünfköpfige Ensemble bringt dem Hörer auch noch eine große Portion willkommener Authentizität ins Ohr.

Anfang 2010 zunächst noch als Trioformation gegründet, konnte der ambitionierte Trupp rasch weitere musikalisch und ideell Gleichgesinnte um sich scharen. Resultieren konnte dies in vor Spielfreude strotzender rhythmischer Dudelsackmusik, wie man sie in solcherlei animierender Art selbst in diesem Metier selten vernimmt.

So ist laut offen proklamiertem Selbstverständnis der bestens notenkundigen Gruppe mitsamt ihrer drei Sackpfeifer ihr höchstes Ziel, den Zuhörer auf eine Klangreise durch mystische Welten zu schicken. Antreten kann man einen solchen Trip mittels des aktuellen Langspielwerkes „Klänge vom Wind, Lieder vom Stein“.

Beutelbläser Farold Eisenbaum erklärt sich zum Dialog bereit, legt dabei allerdings großen Wert darauf, dass seine Aussagen als repräsentativ für die Ansichten des kompletten Trrollheimen-Haufens verstanden werden.

Von mir auf die überraschende Schreibweise des Gruppennamens angesprochen, lässt der lungenstarke Recke verlauten:

„Wir wurden bei der Namensfindung durch die norwegische Mythologie inspiriert, was uns einen großen Interpretationsraum gibt, und das sowohl in unseren Songs als auch in bei Konzerten. Böse Zungen munkeln, dass es sich bei den beiden ‚r’ um einen nie korrigierten Rechtschreibfehler von mir handelt. Doch so ganz genau weiß es eigentlich niemand mehr“, entfährt es seinem Munde unter schelmischem Grinsen.

In erster Linie waren die Beteiligten der Gruppe laut Aussage von Eisenbaum den heutigen „mittelalterlichen Musikstandard“ leid, wie in Erfahrung zu bringen ist.

„Als wir festgestellt haben, dass es noch wesentlich genialere Töne gibt, die wir unseren Instrumenten entlocken können, waren wir neugierig geworden. Etwas Neues musste her, und die Verbindung der Elemente wie beispielsweise Mittelalter, Steampunk und Folk brachte uns eine Atmosphäre, in der wir uns sehr wohl fühlen, um Musik zu machen.“

Seine Freizeit verbringt der Mann, wie er wissen lässt, sehr gerne damit, mittels Gothic Novels in die düsteren Bereiche des Seins abzusteigen. Er lässt tiefer schauen:

„Auch reizt es mich immer wieder sehr, vielerlei Menschen im Alltag studieren und zu versuchen, sie zu analysieren. Ich möchte daneben die Natur respektieren und sie wahren, denn es wird für die Menschheit höchst Zeit zum Kuscheln der Bäume beispielsweise.“

Im Zuge dessen drehte sich die Kommunikation im Weiteren über diverse heutige gesellschaftliche Missstände und welche dem Sackpfeifer und seiner Rotte persönlich der allergrößte Dorn im Auge sind. Er bekennt: „Da zählen viele Dinge mit hinein und wir maßen uns nicht an über richtig und falsch entscheiden zu können. Trotzdem sind Respektlosigkeit, ob nun im Umgang mit Menschen oder der Welt, ungezügelte Gier und Missgunst Attribute, die wir als Band sehr gering schätzen.“

Kunst ist im Gegensatz dazu immer eine Form von Therapie, so Farold ganz offen. „Dass ist bei uns nicht anders als bei anderen Musikern. Konzerte zu spielen, Menschen tanzen zu sehen und in Musik zu versinken, das ist Balsam für die Seele!“

Komponieren tun diese Multiinstrumentalisten ganz entspannt.

„Wir arbeiten dazu technisch, also mit dem neumodischen Rechenknecht oder auch ganz einfach und traditionell mit Block und Bleistift.“

Und nach der Fertigstellung und Veröffentlichung des neuen Langspielers „Klänge vom Wind, Lieder vom Stein“ kann die Trrollheimen-Truppe nun voll und ganz durchstarten.

Mein Gegenüber freut sich:

„Jetzt sind wir ja voll in der Saison, jetzt wird erstmal gerockt. Wir freuen uns auf die Konzerte, auf die Zeit mit den Fans, die vielen neuen Gesichter, die Reaktionen auf das Album; aber am meisten wohl berühren uns die Freude und der Spaß selbst, den wir gemeinsam erleben. Gleichermaßen werden wir mit neuen Ideen auch neue Ansprüche mitbringen, was uns sehr wahrscheinlich einige Mußestunden bei unserem Dudelsackbauer Mathias Richter, der an dieser Stelle ganz lieb gegrüßt sei, bescheren wird.“

Trrollheimen zeichnet zwar ein gewisser Hang zum Perfektionismus aus, so Eisenbaum, aber: „Wir hatten nicht die Intention, uns wegen dieses Albums eine Platinscheibe an die Klotür zu hängen. Wir sind voll zufrieden mit dem Werk. Und den positiven Feedbacks nach war die Selbsteinschätzung auch genau treffend.“

© Markus Eck, 29.05.2011

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