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Interview: UMBRA ET IMAGO
Titel: Jahr für Jahr reifer

Wurde das 20-jährige Jubiläum dieser anhaltend populären Genre-Vorreiter bereits im letzten Jahr mit der Live-Doppel-DVD „20“ gebührend angegangen, so legt die verkleidungsfreudige Umbra Et Imago-Galionsfigur Mozart jetzt dazu nochmals amtlich nach. Und zwar mit einer ganz speziellen EP namens „The Final Last Dream“, deren Spieldauer über 40 Minuten beträgt.

Dafür hat sich der exzentrische Partymogul Mozart, der sich mit seinem ganz eigenen Mix aus NDH, Gothic Metal und elektronischen Ingredienzien etablieren konnte, sehr viel Mühe gegeben. Veröffentlicht wird das Ganze ausschließlich als Special Edition Box, auf 99 Stück limitiert. Interessierte Käufer erwartet die hiermit dargebotene Musik auf CD und Picture Vinyl.

„The Final Last Dream“ ist nicht im regulären Handel erhältlich, sondern nur bei Umbra Et Imago selbst. Enthalten sind in besagter Box nicht nur diverse Remix-Versionen bereits bekannter Tracks, die mit musikalischen Gästen inszeniert wurden. Sondern eben auch ein außergewöhnlicher Kunstdruck, den der Meister zusammen mit dem österreichischen Maler Leo Rumerstorfer umgesetzt hat. Der Kunstdruck ist nummeriert und weist sogar eine Blattgold-Signatur auf.

„Eigentlich wollten wir ,The Final Last Dream‘ ja letztes Jahr schon auf den Markt bringen, haben es aber noch hinausgezögert. Letztlich war es aber wohl ganz gut so, so erhält der Release noch mehr Aufmerksamkeit. Und eigentlich ist die Nachfrage gar so groß, dass die komplette Auflage bereits mittels Vorbestellungen vergriffen ist“, freut sich Mozart, der wie immer im Dialog sehr mitteilungsfreudig ist.

Die erwähnten Remixe auf der neuen Veröffentlichung sind u.a. von House Of Usher und Traumtänzer. Macher Mozart expliziert noch angeregt:

„Titelgebend war der allererste Umbra Et Imago-Track überhaupt, ,Last Dream‘ vom Oktober 1991. Der Song war tatsächlich die ,Keimzelle‘ von Umbra Et Imago. Ich war von Anfang an sehr stolz auf die Nummer, aber irgendwas schien ihr immer zu fehlen. So fügte ich für die neue Version eine weitere Strophe ein, die aus heutiger Sicht gut rein passt. Beispielsweise hatte ich auch die Gitarrenklänge für das Lied damals noch mit einem Effektgerät inszeniert, weil uns ein Gitarrist fehlte. Umbra Et Imago gibt es ja erst seit 1995 mit ,richtiger‘ Gitarre. Ebenfalls habe ich den zweiten Refrain der Komposition modifiziert, nun ist die neue Version elf Minuten lang. Zum alten Text noch einen neuen mit einzubauen, und dabei die Verknüpfung durchzudenken, erwies sich als sehr interessantes Experiment für mich. Denn vieles hat sich ja mittlerweile komplett geändert, beispielsweise die Arbeit im Studio. Letztendlich hat sich aber der rote Faden bis heute nicht geändert, was die Herangehensweise an neue Lieder angeht. So war die Arbeit an der neuen Version des Songs alles in allem gar nicht mal so schwer. Unser Label wollte den aktuellen Release sogar ursprünglich nochmals verzögern, daher kauften wir die Rechte an dem Stück und nahmen die Angelegenheit gleich selbst in die Hand.“

Ebenso interessant gestaltete es sich für Mozart, wie er anschließend gut gelaunt resümiert, die alte Stimmung von „Last Dream“ erneut einzufangen.

„Da kamen beziehungsweise kommen viele alte Erinnerungen hoch, die man teils längst nicht mehr so prägnant im Bewusstsein hatte. Ich persönlich höre meine alten Stücke eigentlich nicht mehr an, denn ein Song stellt für mich immer auch ein Zeitdokument dar, was eben in eine bestimmte Zeit gehört. Manchmal fällt mir aber bei neueren Liedern auf, dass Biss und Anarchie Einbußen aufgrund der ganzen Professionalität erleiden. So bot mir die Neuaufbereitung von ,Last Dream‘ eine gute Gelegenheit, mir dessen mal wieder so richtig bewusst zu werden.“


An der Zusammenarbeit mit dem Pinselschwinger Leo Rumerstorfer hatte der Karlsruher Lokalmatador mit dem musikhistorisch bedeutsamen Künstlernamen sehr viel Freude, wie er sich erinnert.

„Ich gab das Thema vor und Leo setzte es in enger Zusammenarbeit mit mir malerisch um. Nach zwei arbeitsreichen Tagessätzen war es vollendet, und ich bin sehr froh um die wichtige dabei gemachte Erfahrung.“



20 Jahre Umbra Et Imago: Hätte der innovationshungrige Mozart je gedacht, so lange damit am Start zu sein? Diese Frage lässt im Kopf des Mannes offenbar unzählige Hirnströme heiß knistern. Er überlegt … dann platzt es aus ihm heraus:

„Nein, eigentlich nicht! [lacht, merklich über sich selbst verdutzt] Letztendlich denke ich über so etwas ja nie nach. Der Wille zum unbedingten Weitermachen war jedoch in mir seit jeher da. Ich wollte Umbra Et Imago jedoch schon immer so lange wie möglich am Leben erhalten, das wurde zum Selbstläufer. Mit der Zeit denkt man da gar nicht mehr drüber nach.“ 



So möchte dieser ausgesprochene Showman auch in 20 Jahren noch musikalisch aktiv sein, wie sich ihm entlocken lässt. Er überlegt erneut merklich, um dann, abermalig schelmisch lachend, die Gegenfrage zu stellen.

„Warum nicht? Unsere Hörer können sich sowieso in absehbarer Zeit auf ganz neues Material von Umbra Et Imago einstellen, so schnell gehen mir die Ideen nicht aus. Genau, wie es vor 20 Jahren der Fall war, habe ich allerdings natürlich auch gegenwärtig keinerlei Ahnung, was in 20 Jahren in Sachen Umbra Et Image los sein wird. Vorstellen kann ich mir allerdings schon, dann noch immer Musik zu machen und für die Fans auf der Bühne zu stehen. Schließlich muss eine Band mit ansteigendem Alter künstlerisch wachsen und kontinuierlich reifen, was ich persönlich auch nur vernünftig finde. Viele der ganzen großen Umsatzträger in der Rock-Branche sind ja heutzutage schon in einem Alter von beinahe 70 Jahren, beispielsweise Lemmy von Motörhead. Was ich allerdings unter keinen Umständen machen möchte, ist, dass ich mich dann ,auf jung‘ trimmen würde, wie es so viele in nicht selten ziemlich peinlicher Manier machen. Denn ich zähle nicht zu der Sorte von Menschen, die ihr Alter vertuschen.“

Ebenfalls gibt es neues Spezielles von Madeleine Le Roy zu vermelden. Das vielen als Fetisch-Ikone geltende Model, das seine erotisch angehauchte Kunst bekanntlich auch bei Auftritten von Umbra Et Imago zur Schau stellt, veröffentlicht ihren neuesten und siebten Kalender. Mozart expliziert:

„2006 erschien der erste dieser begehrten Kalender, und die Leute konnten sich weit über die eigentliche Szene hinaus dafür begeistern. Der kommenden aktuellen Ausgabe liegen als Beigabe sogar neun farbige Postkarten bei. Erhältlich ist der neue Fetisch-Kalender primär über unsere Website, im Shop von Madeleine Le Roy oder auch bei Amazon.“

© Markus Eck, 12.10.2012

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