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Interview: UNLEASHED
Titel: Moderne Berserker

„Dawn Of The Nine“ zeigt die schwedische Wuchtbrumme zweifellos von der bislang musikalischsten Seite überhaupt.

Tatsächlich hatte die außergewöhnlich beständige Mannschaft um den vokalisierenden Tieftöner Johnny Hedlund vorab genau derlei im Sinn.

So trampelt, schnaubt und wütet das neue und zwölfte Album des 1989 gegründeten Viking Death Metal-Kommandos zwar grundsätzlich im altbewährten Stil. Aber diesmal eben mit noch wertvoller aufgerüsteter Vergeltungsabsicht sozusagen.

Chronologisch marschieren die vier entschlossenen Protagonisten auf dem heidnischen Kriegspfad weiter, auf welchem sie den 2012er Vorgänger „Odalheim” ins Land trugen: Reißerisch peitschend vorgetragen wird die post-apokalyptische Geschichte der nordischen Mythologie.

„Zur Hölle, ja! Ich würde sogar sagen, wir befinden uns momentan gerade mal auf dem halben Wege unserer Laufbahn“, stellt der bullige Frontmann Johnny auf die Fragestellung hin fest, ob er anfangs jemals daran gedacht hat, mit Unleashed so lange und so gut am Ball zu sein.

„Es ist schließlich nicht nur eine Band. Es ist ein Lebensweg. Wie mein Dasein selbst. Warum sollte ich also mit dem Atmen aufhören? [lacht] So müsst ihr es mit uns schon weiterhin aushalten. Wir werden nämlich auch die nächsten Jahre ganz genau so weitermachen“, entfährt es dem Bandboss in allerbester Laune.

„Als Unleashed 1989 ins Leben gerufen wurde, hatten wir bereits den Plan, die Zukunft des Genres Viking Death Metal anzuführen und zu definieren. Das ist der Vorsatz, einfach und simpel auf den Punkt gebracht. Daher werden wir die Traditionen und Werte der Wikinger bis in alle Zeit verteidigen. Die Geschichten aus der Vergangenheit unserer Vorväter geben uns gleichfalls Weisheit wie Inspiration. Fokussiert sind wir in der Band allerdings auf unsere Stärken in der heutigen Zeit. Und Unleashed zeigen sich auch jetzt wieder entschlossen dazu, die historischen Errungenschaften der altnordischen Vorfahren zu preisen. Wir beschreiben die Zukunft der Krieger von Midgard, ihre schlimmen Torturen und fantastischen Abenteuer.“


Der Mann steht definitiv hinter seinem Tun wie wenige. Binnen Sekunden lief er bereits im Gesprächsanfang ohnehin zur enthusiastischen Hochform auf, was seine Formation angeht.

„Odalheim“ krachte im April 2012 ins weltweite Geschehen. Und seither feilten die Unbeirrbaren in gewohnter Arbeitsweise am ihrer Neuen, so Johnny.

„Die Vorgehensweise bei der Erstellung neuen Materials läuft bei uns immer nach demselben Muster ab. Es hat sich daran bis heute seit ungefähr 14 Jahren fast nichts mehr geändert. In der Regel bedeutet das eineinhalb bis zwei Jahre Songwriting an sich, dann geht es zum Finale ab ins Studio. Und exakt so war es auch diesmal. Ich verfasse sämtliche Lyrics und erstelle die gesamte Storyline. Unser Gitarrist Fredrik Folkare komponierte die komplette Musik.“ 



Die einzig nennenswerte Modifikation im produktiven Prozedere, die dem Guten einfällt, ist das erstmals von den Viking Death Metal-Recken in die Pflicht genommene Mastering-Studio namens Blow Out Productions in Stockholm. Johnny:

„Wir erhofften uns davon einen noch knackigeren und bissigeren Gesamtklang, was meiner Ansicht nach auch gut umgesetzt wurde.“

Da er selbst mittlerweile einen vierjährigen Sohn und große Verantwortung dafür hat, fordern Erziehung und Familienleben einen Großteil seiner Zeit. „Für die Band musste ich deswegen lernen kürzer zu treten. Vieles dreht sich seitdem mehr um alltägliche Belange. Ich finde das alles aber gut so, mir gefällt mein Leben. Unleashed sind immer noch in guter Form und wir vier machen unsere Musik mit der gleichen Leidenschaft wie all die Jahre zuvor.“

Letzteres gilt bei Unleashed genauso für die künstlerische Weiterentwicklung, so der Bassist.

„Unser Ziel mit jedem weiteren Album ist es, den Versuch einer Verbesserung zu wagen. Unsere treuen Anhänger da draußen werden bald das gerechte Urteil fällen, ob es uns auch mit ,Dawn Of The Nine‘ wieder geglückt ist, besser als vorher zu sein.“

Mehr als zufrieden zeigt sich der Kerl auch mit der Produktion der frischen Liederkollektion, wie er wissen lässt.

„Alles ist stimmig darin, und wir konnten sogar einen fetten Zahn in Sachen Dynamik zulegen. Alles in allem forderte uns die Studioarbeit einen Zeitrahmen von circa einem halben Jahr ab. Der Schlagzeugsound hat sich enorm nach vorne gemausert und ich denke, die Songs an sich sind ohnehin ein wenig stärker als diejenigen, die wir damals vor drei Jahren raushauten. Letztlich spreche ich dabei aber eigentlich von eher kleinen Details. Lassen wir die Meute darüber befinden, was wir für das neue Werk kreierten. Aber ich bin diesbezüglich wirklich bester Dinge. Im Moment ist gerade mal ein einziger Song von ,Dawn Of The Nine‘ öffentlich zu hören. Und die Reaktionen darauf sind bislang erstaunlich, um es mal eher zurückhaltend zu formulieren.“

© Markus Eck, 25.03.2015

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