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Interview: VISIONS OF ATLANTIS
Titel: Hochgradig ambitionierte Wiederkehr

Mittels „Cast Away“, dem famosen 2004er Langspielalbum, nahmen diese österreichischen Vollblutmusikanten die sehnsüchtigen Romantikerherzen sehr vieler Gothic- und Epic Metal-Anhänger geradezu im Sturm ein.

Mit der symphonisch hochgradig niveauvollen Ästhetenscheibe gelang Visions Of Atlantis nach Jahren emsigen Musizierens endlich der große Erfolg. Damit am vorläufigen Höhepunkt ihres Schaffens angelangt, erlitten die beliebten Sympathieträger dann mit der Trennung von der ehemaligen Sängerin Nicole Bogner einen herben Rückschlag ihrer Geschicke.

Doch damit nicht genug: Nachfolgende weitere Besetzungswechsel verschlimmerten die ohnehin angespannte Lage im Gruppen-Lager gar noch zusätzlich. Doch Verzweiflung oder gar Resignation kam für die Verbliebenen und Neuen zu keinem Zeitpunkt in Frage: Im Gegenteil, Sänger Mario Plank, Keyboarder Martin Harb, Gitarrist Wolfgang Koch, Tieftöner Mike Koren und Schlagzeuger Thomas Caser bündelten willensstark ihre künstlerischen Kräfte.

Und nichts hielt die österreichischen Gothic Metal-Hoffnungsträger davon ab, weiterhin mit allem Mut in die Zukunft zu blicken – und auch entschlossen zu schreiten. Da die größte Kraft bekanntlich in der Tat liegt, wurde mit dem weiblichen Sopran-Profi Melissa Ferlaak auch eine technisch noch fähigere und gleichfalls oktavenstärkere Singstimme ins Boot geholt.

In der Band Aesma Daeva besang die ausdrucksstarke Dame zuvor ebenfalls operettenhaften Gothic Metal.

Die neben vokalistischen Qualitäten auch körperlich überaus attraktive US-Amerikanerin veredelt mit ihrem majestätischen Edel-Organ das aktuelle dritte Studioalbum „Trinity“, eine ebenso variantenreiche wie vollends homogene Epiker-Klassescheibe voller einnehmend melodisiert gemachten Gothic Metal-Kompositionen.

Mit dem neuen Silberdiskus dürfte der breitenträchtige Genre-Erfolg des Vorgängers also mühelos glatt noch übertroffen werden.

Für mich unterbrechen die beiden passionierten Gesangsakrobaten Mario und Melissa für einige Zeit ihre monumentalen atlantischen Visionen, um das neue und dritte Musikwerk mit allem nötigen Realismus gesprächig zu behandeln.

Von „Cast Away“ bis „Trinity“ gab es so einige Wechsel im Line-Up, was die Veröffentlichung der neuen Scheibe leidlich verzögerte. Mario blickt für mich zurück:

„Alte Ideen wurden verworfen oder sind einfach verjährt, während andere aufgegriffen und weiterentwickelt wurden. In dieser neuen CD steckt viel Arbeit und Herzblut jedes Einzelnen von uns, weswegen wir mit der Veröffentlichung auch so lang warten mussten bis wir alles aus den Kompositionsideen herausgeholt hatten was uns wichtig war.“ Melissa hat sich glücklicherweise von vornherein ausgezeichnet in das österreichische Ensemble eingefügt: „Nachdem anfängliche Sprachbarrieren durchbrochen waren, wurde sofort klar, dass sie sowohl musikalisch als auch menschlich perfekt zu uns und Visions Of Atlantis passt.“

Laut Aussage des Sängers lässt sich im Wesentlichen schon feststellen, dass die neuen Kompositionen ausgereifter sind und die unterschiedlichen, durch das Genre bedingten Vorlieben der österreichischen Visionäre durchdacht verarbeitet wurden:

„Großen Wert haben wir diesmal auch auf die Tragkraft der Gitarren gelegt. Es gab im Vorhinein jedoch kein einheitliches Konzept. Jeder von uns konnte seine eigenen Ideen sammeln. Im Großen und Ganzen saßen wir viel bei unserem Gitarristen Wolf zusammen, wo wir die gesamte Vorproduktion von `Trinity` abgewickelt haben, um diese Ergüsse dann auch in Form von Songs zu verwirklichen.“

Für den Vokalisten ist es ein fantastisches Gefühl, nun nach langem Entstehungsprozess endlich die eigene CD in Händen zu halten. Er erzählt dazu: „Da vergisst man auf einen Schlag alle Problemchen, die in der Entstehung auftraten – wie ein Maler, der nach Vollendung eines Gemäldes ein paar Schritte zurücktritt und das große Ganze zufrieden auf sich wirken lässt.“ Die internationalen Reaktionen auf die bisherigen beiden Visions Of Atlantis-Scheiben waren durchwegs positiv, so Mario. „Während man sich aber im Ausland trotzdem stärker für uns als Band interessiert als in unserer Heimat Österreich, wo Metal in großen Medien leider noch immer ein rotes Tuch zu sein scheint.“

Erst die Liedertexte verleihen den aktuellen Liedern des beflissenen Sextetts seiner Meinung nach Beseeltheit.

„Die Lyriken spielen zwar vorerst eine untergeordnete Rolle, aber wenn man unter unsere musikalische Oberfläche taucht und sich mit den Texten befasst, kann man bei `Trinity` viel zwischen den Zeilen lesen – und entdeckt dadurch vielleicht noch einen Extrareiz im jeweiligen Song. Die meisten Texte auf `Trinity` sind wie Spiegel unserer Seelen. Es freut uns immer wieder, wenn wir hören, dass auch unsere lyrischen Ergüsse emotional aufgenommen werden. Aber es ist letztlich ja jedem Hörer selbst überlassen worauf er sich fokussiert. Jedoch wird bei Nichtbeachten der Texte leider die volle Tragweite jedes Stückes verborgen bleiben.“

Wir plaudern anschließend noch ein wenig über diverse Einflüsse und Inspirationen, welche für die Gruppe immer wieder relevant sind. „Jeder von uns hat seine Lieblingsbands, Musik, Genres, Filme etc., aus welchen wir bestimmt einige Inspiration beziehen. Immer noch wichtig, aber eher etwas in den Hintergrund geraten ist das Thema Meer und Wasser, das zwar zum Teil noch eine tragende Rolle spielt, aber mittlerweile wohl eher metaphorische Bedeutung bei uns hat“, so der Sänger.

Letztes Jahr 2006 haben die Österreicher auf diversen Festivals gespielt, darunter auch dem etablierten schwäbischen SummerBreeze. Mario: „Auch haben wir eine kleine Tour durch Deutschland unternommen. Der Höhepunkt war für uns allerdings unsere kleine aber feine Asien-Tournee in Taiwan und China zum Jahreswechsel.“

Nun löst Melissa ihren Bandkollegen ab, und die Laune der in Minneapolis, Minnesota lebenden Dame am Interviewtag ist dermaßen gut, dass der Dialog erst nach einigen ihrer – noch so oft folgenden – herzlichen Lachsalven begonnen werden konnte.

„Für Visions Of Atlantis gebe ich immer 300 Prozent. Diese großartige Band ist schließlich eines der wichtigsten Dinge in meinem Leben geworden. Dies kann ich aber nur tun, weil die Zusammenarbeit mit den Jungs so dermaßen gut funktioniert und ich so herzlich und harmonisch in die Band aufgenommen wurde. Trotz anfänglicher hauptsächlicher Kommunikationen via Email, Skype etc. bemerkte ich schon sehr schnell, es hier mit ganz besonders lieben Menschen und hoch motivierten Künstlern zu tun zu haben. Nie im Leben hätte ich mir so etwas auch nur ansatzweise vorstellen können, um ganz ehrlich zu sein. Ich erinnere mich noch ganz genau, als wir uns das allererste Mal persönlich gegenüberstanden: Es war eine schier unbeschreibliche, hochgradig emotionale Erfahrung – als meine Aufregung schwand, breitete sich wohltuende Harmonie aus. Spätestens zu diesem speziellen Zeitpunkt war ich mir endgültig sicher, mit dieser Band vieles erreichen zu wollen.“

Wenn sie an das vorliegende fertige Endresultat in Albumform denkt, vermischen sich signifikante Empfindungen wie unermessliche Freude und großer Stolz mit dem gleichzeitigen automatischen Erinnern an verdammt harte Arbeit dafür, so die Sopranistin:

„Man kann sagen, dass es letztlich nur gelang, `Trinity` so homogen und dramaturgisch in sich geschlossen zu halten, weil wir allesamt als fest verschweißte Einheit daran mitgewirkt haben. Für mich war das Ganze ja ein sehr `jungfräuliches` Erlebnis, denn so etwas hatte ich zuvor noch nicht gemacht, nicht mal ansatzweise. Zum absoluten Vorteil gereichte es mir dabei jedoch, dass ich zuvor bei Aesma Daeva ganz ähnliche Musik vokalisierte. Und zwei Faktoren beeinflussten meine Arbeit an `Trinity` ganz entscheidend: Zum einen singe ich mit grenzenloser Leidenschaft tragisch-romantische Vokallinien – und zum anderen gefiel und gefällt mir die einzigartig epische Musik der Band gleichfalls über alle Maßen gut.“

Also sehr ergiebige Tatsachen. Trotzdem mutet es nicht wenig befremdlich an, dass eine Musikgruppe aus österreichischen Landen bis nach Amerika Ausschau halten muss, um die eigenen Kompositionen entsprechend perfekt passend besungen zu bekommen. Melissa resümiert:

„Im Grunde genommen stimme ich da schon zu. Die Sache basierte jedoch nicht auf Einseitigkeit, denn auch ich habe die europäische Musikkultur schon seit Längerem im genauen geschmacklichen und auch künstlerischen Fokus. So viele kompositorisch gehaltvolle und starke Ausstrahlung besitzende symphonische Meisterwerke wurden doch bei euch kreiert – vor allem von den alten berühmten Meistern, von denen nicht wenige absolute Zeitlosigkeit mit ihren Schöpfungen erreichten.“

Was nun die üblichen Reaktionen ihrer einheimischen amerikanischen Freunde über eine solch ungewöhnliche Art musikalischer Künstler-Kooperation betrifft, darüber weiß die auskunftsfreudige Singspezialistin noch zu berichten:

„Überwiegend kommen die aus dem Staunen nicht mehr heraus und fragen mich stets mit hörbarer Hektik in der Stimme, wie zur Hölle ich denn ausgerechnet an so etwas geraten sei. Vor allem basieren die Fragereien aber in aller Regel darauf, wie viel Geld denn mit so etwas eigentlich zu verdienen sei. Wer mich gut kennt, der weiß allerdings ganz genau, dass Geld an sich der allerletzte Grund ist, für den ich Solches machen würde. Von meiner Mutter lernte ich, sehr gut mit Geld umgehen zu können, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Ich benötige glücklicher Weise auch überhaupt nicht viel vom schnöden Mammon, um mein Dasein auf dieser Welt zu ermöglichen. Geld allein macht doch niemanden glücklich. Mein Glück ist das Singen. Fest steht ja sowieso: Um mit dieser speziellen Art von Liebhaber-Musik seinen Lebensunterhalt zu fristen, muss man schon eine Riesenportion an Glück haben – das gelang bislang wohl nur sehr wenigen. Man kann die wirklich erfolgreichen Gothic Metal-Überflieger also an einer Hand abzählen. Diejenigen wenigen Leute hier bei mir in Minneapolis aber, welche mich nicht nach dem Verdienst bezüglich Visions Of Atlantis fragen, begeistern sich stets umgehend für das Fantasy-Konzept der Band. Amerikaner fahren eigentlich grundsätzlich auf solcherlei Themen-Kontexte ab.“

Bleibt also dabei zu hoffen, dass die beständigen Österreicher auch über den Atlantik hinaus in Richtung USA baldmöglichst so erfolgreich wie hier in Europa werden.

Für Melissa wiegt dies sekundär, wie sie bekundet.

„Schön wäre es natürlich, doch auch ohne Durchbruch hier bei uns werde ich der Band die Treue halten – schließlich singe ich ihre Lieder mit aller Leidenschaft, und nur das zählt letztendlich.

Wir bleiben aus aktuellem Anlass bei dem Thema und wie die Sängerin im Weiteren berichtet, findet in den USA seit einigen Jahren schon immer stärker ein finanzieller Umbruch statt, wie ihn Amerika seit Langem nicht erlebt hat.

„Wenn ich meinen Künstler-Freundeskreis so beobachte, stelle ich dabei immer wieder eines ganz prägnant fest: Denen bedeutet Finanzielles herzlich wenig, diese Menschen leben wie ich für ihre kreativen Leidenschaften. Ganz entgegengesetzt eben vom amerikanischen Klischee, welches ja besagt, dass man es nur mit viel Geld im Sack zu Glück und Gesundheit bringen kann. Ein fataler und vor allem wirtschaftlich total perfide inszenierter Trugschluss, durch den sich unermesslich viele Leute hier in Amerika total verschuldet haben. Konsum geht bei uns über alles, und die überwiegende Mehrzahl der Amerikaner haben mittlerweile auf ihre Häuser Hypotheken aufgenommen, um sich den ganzen modernen Krempel wie Unterhaltungselektronik, immer schneller wechselnde Kleidungs-Modetrends sowie stets neueste Autos etc. leisten zu können. Da die einst so hohe Finanzkraft des viele Jahre lang übermächtigen US-Dollars aber mit jedem Jahr durch verschiedene außenwirtschaftliche Einflüsse mehr und mehr geschwächt wird, ziehen die großen als auch kleinen Bankinstitute die Zins- und Rückzahlungs-Schrauben für all die Kredite und Hypotheken simultan auch stetig steigend an. Hunderttausende US-Bürger werden daher in sehr baldiger Zeit nicht nur ihre Häuser verlieren, sondern darüber hinaus auch noch völlig mittellos dastehen – eben auf `der Straße dastehen`. Mich persönlich wird das nicht besonders überraschen. Trotzdem, die schrecklichen Nachfolgen mag man sich noch gar nicht vorstellen – denn so wie es momentan stark danach aussieht, wird die amerikanische Regierung in diesem Punkt leider restlos versagen. Für mich riecht das Ganze stark nach der zugrunde liegenden Absicht, die überwiegende Anzahl von Amerikanern zukünftig in massenhaft gebaute Mietshäuser zu verfrachten, wo man ihnen dann dauerhaft horrende Mieten abknöpfen kann. Einfach ein perverser Gedanke“, seufzt die Vokalistin mit einiger Melancholie in der Stimme.

Noch eines ist Melissa in diesem Zusammenhang äußerst wichtig, es den europäischen Hörern in aller Deutlichkeit auszusprechen:

„Dass, was MTV euch den ganzen Tag lang zeigt, entspricht überhaupt nicht dem wahren Amerika. Da wird bewusst eine spezifische Meinung beziehungsweise Einstellung erzeugt, mit der eine Unmenge an Geld zu verdienen ist. Den Leuten, vor allen aber eben einer in ihrem Alter noch sehr beeinflussbaren Jugend, wird mit aller Penetranz die absolut fatale Illusion vorgegaukelt, hier in den Staaten hätte jeder alles. Besitzneid beziehungsweise Materialismus und Abhängigkeit davon wird nach allen vorhandenen medialen Marketing-Kräften geschürt. Da findet eine restlos verfälschte Verherrlichung mit hintergründiger wirtschaftlicher Interessenvertretung auf Abermillionen von teilweise ganztags frequentierten Fernsehbildschirmen statt, die wirklich ihresgleichen sucht. Und das fiese Konzept scheint hervorragend aufzugehen, Europa wird mehr und mehr amerikanisiert.“

Melissa, welche in ihrer Heimatstadt laut eigener Aussage in einer Kunsterziehungsschule für Tanz, Theater und Musik arbeitet, hat jedoch nicht allzu viel Zeit, um sich derlei abgrundtief miesen globalen Machtspielchen mental zu widmen:

„Ich entwickle dort diverse Erziehungsprogramme für die Schulbesucher, was mir noch immer sehr große Freude bereitet. Hier auf dieser Schule gibt es keinen regulären Unterricht mit all den Lernzwängen und Prüfungsängsten, denn diejenigen, welche unser Haus beanspruchen, wollen wirklich etwas dazulernen. Ich bin sehr froh, diese Tätigkeit ausüben zu können, denn so lerne ich auch viele interessante Leute kennen, die mir teilweise neue Horizonte eröffnen. Ich bin ein von Haus aus sehr neugieriger Menschentyp, der gerne jederzeit etwas Neues dazulernt; von daher kann man meine Arbeit hier mitunter als gegenseitiges Geben und Nehmen bezeichnen. Und diese Tätigkeit nimmt zusammen mit meinen umfangreichen eigenen künstlerischen Aktivitäten neben dem täglichen Schlaf beinahe sämtliche Zeit meines derzeitigen Daseins ein. Somit habe ich günstiger Weise eigentlich gar nicht die Muße, mich mit zuvor angesprochenen Missständen zu viel auseinanderzusetzen.“

So will sie auch fürderhin alles dafür tun, damit die Kunst an sich ihr Leben ausfüllt und gewissermaßen auch bestimmt, wie sie freudig ergänzt. Melissa: „Denn ich persönlich bin am Ende nur dann ein vollkommen glücklicher Mensch, solange ich mein Innerstes in meine Lieblingskunst legen kann, das Singen. Ich freue mich daher schon jetzt riesig auf sämtliche anstehenden Live-Aktivitäten mit Visions Of Atlantis. Aktuelle Konzert- und Tourdaten kann man jederzeit auf unserer eigenen Band-Homepage erfahren.“

Mit ihrem aktuellen Album „Trinity“ können sich diese Österreicher Gothic Fantasy-Metal-Ästheten also derzeit berechtigt auf beachtliche Verkaufserfolge freuen. Kein Wunder, denn die Band um die vor einiger Zeit neu rekrutierte US-amerikanische Sopran-Gesangsakrobatin Melissa Ferlaak hat auch verdammt hart darauf hingearbeitet.

So vollzieht die beliebte Gruppe um die attraktive Könnerin, bestehend aus Sänger Mario Plank, Tastenmann Martin Harb, Gitarrist Wolfgang Koch, Tieftöner Mike Koren und Schlagzeuger Thomas Caser auf dieser neuen Edelplatte einen künstlerischen Schaffensprozess, welcher bereits mit dem exzellenten Albumvorgänger „Cast Away“ höchst dynamisch angeleiert wurde. Gerade die internationale Konkurrenzfähigkeit von Letzterem wurde primär ganz bewusst mit kreativem Nachdruck angestrebt.

Wie das Interview zutage bringt, legt die hochsympathische Kehlenmeisterin Feerlak nicht allzu großen Wert auf materielle Dinge.

Sie ist viel eher eben eine ausgesprochene Vollblut-Künstlerin, deren Fokus sich größtenteils auf geistiges Glück konzentriert.

Und davon verspürt die Dame aus den vereinigten Staaten derzeit geradezu eine Überdosis, wie sie mir im weiteren Interview-Gespräch freudig bekundet.

Innerhalb der Band ist man jedenfalls nicht im Geringsten dem derzeit noch immer galoppierenden Metalcore-Virus erlegen, welches in den USA schon solche Krachtruppen wie beispielsweise Limp Bizkit schon vor längerer Zeit akut befallen hat.

Melissa hierzu, entschlossen verneinend: „Wir kümmern uns eigentlich sowieso nicht viel um diese ganzen von der Musikindustrie in Szene gesetzten Genre-Trends, die da stets kommen und gehen. Es dreht sich dabei im Endeffekt doch alles nur ums Geld. Die Musikindustrie kreiert ständig neue Sub-Genres im Metal-Bereich, um neue Käuferschichten zu erreichen. Mir kann keiner erzählen, das dieser ganze Metal-Mist, der nicht nur in bei uns hier in Amerika, sondern auch bei euch in Europa den ganzen Tag bei MTV und entsprechenden Spartensendern rauf und runter läuft, etwas mit ehrlicher Musik zu tun hat. Trends sind aber in erster Linie für Teenies und Pubertäre – erwachsene Menschen sollten sich ihren eigenen Geschmack aufbauen und sich ihre favorisierte Musik selber aussuchen. In USA regiert aber in den einschlägigen Musikmedien eben nach wie vor die Metalcore-Schiene, welche von ständig pflichtschuldig abgefeierten Bands wie beispielsweise As I Lay Dying, Chimaira, Hatebreed und Killswitch Engage beackert wird. Ich persönlich kümmere mich jedenfalls nur um die Belange von Visions Of Atlantis und einigen anderen, bisweilen ganz ähnlichen Bands, die mir aber dann auch wirklich sehr gut gefallen.“

Meine daraufhin anschließend gestellte Frage hinsichtlich der direkten Vergleichbarkeit von Visions Of Atlantis mit etwaigen stilistisch affinen Gruppen zieht keinerlei Nennung von Bandnamen nach, was für sich spricht.

Denn die einzigartigen Epikerklänge der linientreuen Österreicher kann man eigentlich genau genommen sowieso mit keiner anderen Gothic- beziehungsweise Fantasy Metal-Kapelle vergleichen.

„Eine Orientierung an gängige erfolgreiche Bands findet bei uns ehrlich gesagt in keiner Weise statt, das steht fest. Wir justieren die Musik von Visions Of Atlantis lediglich an unseren eigenen Ansprüchen. Anders würde der Kompositionsprozess der Lieder doch auch ständig stocken und nicht so dermaßen flüssig ablaufen, wie das für die aktuelle Platte der Fall war. Ich finde, wer sich ständig nach dem Schaffen anderer richtet oder sie gar listig kopieren möchte, der behindert sich am Ende nur selbst in der freien künstlerischen Entfaltung.“

Weise gesprochen. Mehr ist Melissa darüber leider nicht zu entlocken.

Dies ist aber auch egal, denn die vollmelodische Musik des Sextetts kann schließlich hervorragend für sich selber sprechen. Ebenso wie die auffallend einfallsreichen Lyriken des aktuellen Albums.

Wohltuend abwechslungs- und gleichsam empfindungsreich wurden auch die Songtexte von „Trinity“, übersetzt „Dreifaltigkeit“ gestaltet, wie mir im Gespräch mit der Sopranistin mitgeteilt wird.

„Diese drehen sich überwiegend um Fantastisches, über das man nicht allzu schwer den Bezug zur Realität herstellen kann. Einige Texte behandeln die Vergangenheit, einige die Gegenwart und andere wiederum die Zukunft. Letzteres selbstverständlich aus unserer beziehungsweise meiner ureigenen Sichtweise heraus.“

Den vielen begeisternden Hörern gefällt die Musik von Visions Of Atlantis nicht zuletzt aufgrund der differenziert akzentuierten Gitarrenarbeit, welche entsprechend geneigten Ohrenpaaren einiges an Hörvergnügen bieten kann. Laut Melissas Statement liegt das vorrangig an den zahlreich verarbeiteten Ideen für „Trinity“. Sie präzisiert: „Unsere Musik basiert vordergründig auf betont feingeistigem Metal und massiv eingebrachtem Melodiegespür. Schließlich sollen unsere Veröffentlichung stets von zeitloser Anmut sein.“

Sieht die ansehnliche Gesangsfrau eigentlich eine große Zukunft für die Musik ihrer neuen Band, welche den Hauptsitz in der Alpenrepublik hat? Bei der heutigen Anzahl an monatlichen Veröffentlichungen in diesem Metier ist es doch sicher sehr schwer, sich nachhaltig zu behaupten? Wir erfahren hierzu:

„Dieser Punkt stellt für uns und ganz besonders für mich persönlich keinerlei nennenswerte Relevanz dar. Denn, wenn man nicht nach der großen Kohle schielt und hauptsächlich nur für sich und seine Fans spielt, verschwendet man doch keinen Gedanken daran, lebenslang mega-erfolgreich zu sein. Diejenigen, die immer nur von Anfang an schon nur nach dem ganz großen Erfolg trachten, verschwinden daher in der Regel eigentlich auch ohnehin recht schnell wieder von der Bildfläche.“

© Markus Eck, 21.03.2007

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