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Interview: VISIONS OF ATLANTIS
Titel: Wieder auf bewährtem Kurs

Für viele treue Fans kam die Nachricht über die Auflösung der Band damals wie ein Schock. Schließlich konnte die 2000 gegründete Symphonic (Power) Metal-Hoffnung aus der malerischen Steiermark über die Jahre bis zur Blütezeit der Beliebtheit eine außergewöhnlich große Fanbase aufbauen.

Ein typisches Dilemma: Als sich interne Querelen vermehrt in Besetzungswechseln äußerten, zeichnete sich zugleich ein qualitativer Abfall der musikalischen Güte ab. Dem daher 2013 nur mäßig erfolgreichen Album „Ethera“ folgte dann der Split der Formation.

Doch Schlagzeuger und Gründungsmitglied Thomas Caser dachte gar nicht daran, das Erreichte einfach so aufzugeben. Nun sind Visions Of Atlantis also wieder zurück, mit frischem Wind in den kreativen Segeln! Und als Überbrückung bis zum nächsten Studioalbum dient die EP „Old Routes - New Waters“.

„Die musikalische Ausrichtung entfernte sich immer weiter von dem, was mir für Visions Of Atlantis vorschwebte: Das, was uns in die Herzen der Fans gebracht hatte und das, wofür die Band eigentlich gegründet wurde. Dementsprechend waren auch die Reaktionen auf die neueren Alben. Und nach einem gewissen ,Vorfall‘ rund um das Metal Female Voices Festival 2013, der mein Vertrauen erschüttert hatte, musste ich Teile der Band leider wirklich rausschmeißen“, informiert Thomas. Tiefer möchte er sich zu letzterem nicht äußern.

Die letzten zwei Jahre waren vorwiegend erfüllt mit dem Sammeln von neuem Material, Proben und Shows spielen.

„Wir mussten zusehen, dass der Kahn wieder flott gemacht wird und für die hohe See gerüstet ist“, gibt der Drummer grinsend zu Protokoll.

Siegfried Samer und Clémentine Delauney liefern sich neuerdings am Gesangsmikrofon ebenso ästhetische wie spannende Vokalduette.

Thomas bringt die beiden gerne etwas näher.

„Siegfried lebt in Wien und ist seit 2007 in der Symphonic Metal Band Dragony als Sänger und Bandleader aktiv. Daneben arbeitet er auch noch für Stormbringer.at als Redakteur und betreut im Brotberuf die Rechtsabteilung der AKM (Österreichische Verwertungsgesellschaft). Seine Stimme passt perfekt zu Visions Of Atlantis und er ist der geborene Entertainer. Ein befreundeter Produzent schlug mir Siegfried als neuen Visions Of Atlantis-Sänger vor und nach den ersten Songsamples unseres Backkataloges war klar, dass er wirklich perfekt passt. Auch im Hinblick auf die zukünftige Ausrichtung. Clementine lebt in Lyon und ist in der Szene keine Unbekannte mehr, war sie ja für Serenity einige Zeit am Mikrofon tätig. Nachdem klar war, dass ich Maxi Nil aus dem Grund gehen lassen musste, dass ich die Band mit klassischem Sopran wieder zurück zu den Wurzeln bringen wollte, war Clementine meine erste (und einzige) Wunschkandidatin. Die Tatsache, dass sie Serenity verlassen hatte und dass sie gerade auf der Suche nach einer Band war wo sie im Rampenlicht steht und ihr volles stimmliches Potential ausnutzen kann, half, sie zu Visions Of Atlantis zu lotsen.“

Die Stärken des Kehlendoppels erachtet Thomas vor allem in der Harmonie der Stimmen sowie in den jeweiligen Persönlichkeiten von Clémentine und Siegfried. „Sie passen nicht nur einfach wunderbar in die Band, sondern ergänzen sich stimmlich in allen Songs die wir spielen. Das Spektrum darin ist eben auch in der stimmlichen Vielfalt ziemlich groß. Schließlich sind auf unseren bisherigen fünf Alben zwei Sänger und drei Sängerinnen zu hören. So stellen die zwei ganz einfach das perfekte Duo für Visions Of Atlantis dar.“

Um die alten Visions Of Atlantis-Mitglieder, Keyboarder Chris Kamper, Gitarrist Werner Fiedler und Bassist Mike Koren zur Rückkehr zu bewegen, bedurfte es nicht allzu viel Mühe.

„Wir waren immer befreundet. Nach dem längeren zeitlichen Abstand von der Band waren alle sofort wieder Feuer und Flamme dafür, die Band soweit es ging wieder im originalen Line-Up aufleben zu lassen.“

So stimmte laut Thomas auch binnen kurzer Zeit die Bandchemie wieder bestens. „Das war sofort wieder genau an dem Punkt, wo wir alle aufgehört hatten, als es noch wunderbar klappte. Durch die freundschaftliche Beziehung auch außerhalb der Band war das kein großes Problem.“

Die Idee, noch vor dem nächsten Album zunächst eine EP mit neu aufgenommen Fan-Favoriten-Songs zu bringen, erscheint nachvollziehbar.

„Songs für ein Album waren nicht vorhanden. Wir sind auch jetzt gerade erst im Songwriting. Deshalb musste die Wartezeit überbrückt werden und da schien es uns nur logisch, diejenigen Songs, die live sehr gut beziehungsweise am besten ankommen mit dem aktuellen Line-Up neu zu produzieren. Die Lieder sind eine Mischung aus unseren eigenen Live-Lieblingen und aus Songs, die live von den Fans am meisten Reaktion hervorriefen. Es kamen auch schon Anfragen, ob wir nicht beispielsweise ,Winternight‘ oder ,Seven Seas‘ mit dem neuen Line-Up neu aufnehmen könnten.“

Die Neuaufnahmen des ,alten neuen‘ Materials nahmen nicht viel Zeit in Anspruch. „Das ging recht flott, weil die betreffenden Songs auch in den Live-Sets sind. Alles in allem benötigten wir circa einen Monat, würde ich überschlagen, immer wieder mit Pausen.“

Und die Neuaufnahmen fühlten sich für die Musiker sehr gut an, wie sich Thomas weiter freut. „Das lag daran, dass diese Stücke auch wirklich gut bei den Shows funktionieren!“

Visions Of Atlantis gehen künftig nicht nur mit dem Line-Up, sondern auch mit der kompletten Ausrichtung ,Back to the roots‘, stellt der Stockschwinger klar. „Das heißt konkret, zurück zu den ersten zwei Alben und zu einer Zeit, in der die Band mit Herzblut bei der Sache war und genau die Musik kreiert hat, welche die Mitglieder auch selbst am liebsten gehört haben. Wir wollen wieder mit klassischem Symphonic Metal zurück auf die Bühnen und arbeiten dementsprechend hart am ,Comeback‘-Album, das voraussichtlich in der ersten Hälfte 2017 veröffentlicht werden wird.“

© Markus Eck, 29.03.2016

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