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Interview: WARDRUNA
Titel: Übersinnliche Runenmystik

2009 erschien ein gleich vielfach faszinierendes Debütalbum, wie man es in solcherlei musikalischer Erscheinung bis dato überhaupt noch nicht vernehmen durfte: „Runaljod - Gap Var Ginnunga“. Als liebevoll aufspielende Urheber erschlossen sich diverse freigeistige Vollblutmusikanten, welche auf diese Weise das spirituelle heidnische Vermächtnis ihrer norwegischen Heimat möglichst authentisch kultivieren wollten.

Nun kehren die beflissen Bergener Ambient Folklore-Vertoner mit ihrer neuen Liedersammlung „Runaljod - Yggdrasil“ reüssierend zurück, um dieser immer geistloser werdenden Welt einmal mehr zeitlose Schönheit und wichtigen Tiefgang zu geben.

Wardruna bestätigen sich mit dieser weiteren hypnotisch archaisierenden Reminiszenz an die sagenumwobenen 24 Runenzeichen der Reihe des älteren Futhark zweifellos als vollauf ernstzunehmende Künstler.

Wie der vor der Gründung von Wardruna primär als Black Metal-Protagonist bekannt gewordene Einar ,Kvitrafn‘ Selvik eröffnet, hat er derzeit nicht gerade wenig zu tun.

„Alles läuft gut hier in Bergen, auch wenn ich durch ziemlich hektische Tage zu gehen habe. Es ist viel vorzubereiten für mich, was die neue Veröffentlichung anbelangt, und auch die anstehenden Live-Auftritte müssen sehr sorgsam erarbeitet werden. Aber alles in allem erlebe ich gerade eine sehr gute Zeit, an der ich viel Freude habe“, spricht der mittlerweile kurzhaarige Natur- und Notenfreund, welcher im Fall des aktuellen Albums tatsächlich als Multiinstrumentalist, Sänger, Composer und Produzent fungierte.

„Ich habe mir das jedoch alles sehr gerne aufgehalst, denn ich stelle bei Wardruna sehr hohe Ansprüche, sowohl in kompositorischer als auch in klanglicher Hinsicht. Zudem ist beides auch immens zeitaufwändig.“ 



Sich als umfangreich geforderter Familienvater dennoch voll und ganz dem Erstellungsprozess neuer Lieder hinzugeben, stellte für ihn erneut eine ebenso individuell wichtige als auch sehr schwere Herausforderung dar, wie sich Kvitrafn besinnlich zurückerinnert.

„Wenn ich Lieder schreibe, möchte ich mich nämlich unbedingt gänzlich darin verlieren, um größtmögliche Tiefe zu erreichen. Manchmal kann es länger dauern, bis ich in einen solchen Zustand gerate. Denn all die ablenkenden Faktoren sind einfach viel zu viele. Doch wenn es erstmal soweit ist, dass ich mit meiner jeweiligen Kreativität verschmelze, dann ergeben sich gute und hochwertige Resultate relativ schnell.“

Da „Runaljod - Yggdrasil“ ein weiteres Set an Futhark-Runen musikalisch porträtiert, so der Mann, ging er auch entsprechend anders an die Songwriting-Sache heran.

„Das erste Album behandelte thematisch die Schöpfung an sich respektive das Aussäen der Saat. Das neue Werk aber dreht sich um das Wachstum jener Saat und das Stärken der dazugehörigen Wurzeln. Hört man sich die Stücke von ,Gap Var Ginnunga‘ aufmerksam an, dann bemerkt man den stetigen Aufbau der Lieder aufeinander. ,Yggdrasil‘ baut nun erneut darauf auf, und dieser Aufbau zieht sich ebenso vom Anfang bis zum Ende. Für die neue Veröffentlichung fokussierte ich zudem vermehrt den Bereich der Poesie, und arbeitete gemäß den sprachlichen Vorgaben der altnordischen Meister. So verfasste ich auch einige der Lyriken in altnordischer Sprache.“

Obwohl er auch neuerlich wieder mal fast alles im kompletten Alleingang gestemmt hat, so arbeitete er gegenüber dem Debütalbum doch um einiges geschlossener mit Vokalist Gaahl und Sängerin Lindy Fay Hella zusammen, legt Kvitrafn dar.

„Dies zeichnete sich vor allem in der Erstellung der sehr wichtigen Arrangements in den Liedern ab.“

Gaahl spielte von Anfang an ohnehin eine eminente Rolle in Wardruna, so der Multiinstrumentalist weiter, was das Formen des Gruppenkonzeptes betrifft.

„Noch immer ist er derjenige geschätzte Vertraute für mich, mit dem und an dem ich meine neuen Lieder teste, bevor ich überhaupt damit beginne sie aufzunehmen. Er war mir daher auch im vergangenen Songwriting-Prozess eine sehr große Hilfe, welcher alles in allem nun fast drei ganze Jahre einnahm, jedoch hauptsächlich in 2012 finalisiert werden konnte.“

Absolut außergewöhnlich ist die Tatsache, dass ein Teil der Gesänge für die aktuelle Runenscheibe in freier Natur aufgenommen wurden. Der Bergener erinnert sich zurück.

„Das geschah für das Lied ,Naudir‘. ,Naudir‘ steht dafür, etwas zu brauchen, für einen Bedarf. Das Lied symbolisiert ebenso das Feuer, welches sich in einem entzündet, wenn mann etwas verzweifelt benötigt. Das Feuer also, das gleichzeitig nimmt und auch Leben gibt. Die Vocals für diesen Song wollte ich unbedingt ,outdoor‘ aufnehmen, um die Thematik besagten ambivalenten Feuers möglichst lebensnah wiedergeben zu können. So fastete ich zuvor zwei Tage, machte mich dann auf einen zugeschneiten Berg auf, um dann dort barfüßig und nackt möglichst ursprünglich gesanglich zu agieren.“


© Markus Eck, 09.03.2013

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