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Interview: WHITESNAKE
Titel: Wie in guten alten Zeiten

Nach über einer Dekade Veröffentlichungspause mit einem dermaßen hammerguten neuen Studioalbum wie „Good To Be Bad“ aufzukreuzen, dazu gehört schon was – und was viele Hardrock-Fans erst gar nicht für möglich gehalten hatten, das machen Whitesnake hierauf mit absoluter Bravour wahr.

Als wäre die Zeit einfach stehen geblieben, brillieren Oberschlangen-Beschwörer und Ausnahmesänger David Coverdale samt Band wie in den allerbesten Erfolgszeiten der weltberühmten hart rockenden Sympathieträger aus England. Umso besser, dass David nicht nur ein noch immer absolut begnadeter Vollblut-Vokalist ist, sondern mir auch im erfreulich herzlichen Interview-Gespräch viel zu erzählen hatte.

„Hätten wir zwei uns vor zehn Jahren unterhalten, hätte ich dir in aller Offenheit gesagt, dass ich kein weiteres Album mehr mit Whitesnake auf den Markt bringen werde. Viel zu sehr war ich von der profitgierigen Musikindustrie enttäuscht und letztlich irgendwann total desillusioniert. Hinzu kommt, dass auch die bei uns immer sehr ausgedehnten globalen Konzert-Tourneen ihren körperlichen Tribut fordern, was einen ehrlich gesagt mit jedem Jahr mehr und mehr schlaucht. Doch gefehlt hat mir das Ganze mit der Zeit schon sehr, denn ich liebe diese Musik nun mal über alles. Und ich kann ohne sie einfach nicht leben. Doch irgendwann geriet ich glücklicherweise an die neue Plattenfirma, und die Leute stellten sich mir als echte Musikfans vor, denen Geld nicht restlos alles bedeutet“, erzählt mir der Sänger voller Funken sprühendem Enthusiasmus, welcher laut eigener Aussage dann auch nicht lange zu überlegen hatte, was die anschließende Vertragsunterzeichnung anbelangt.

Mit seiner eigenen Band ist der sich im Dialog sehr freundlich gebärdende Brite rundum zufrieden: „Ich arbeite mit einigen aus der Gruppe ja schon seit Längerem fantastisch zusammen, von daher gibt es da gar keine Probleme – wir sind eben ein absolutes Spitzenteam, was wir auch bei der sich gerade in Planung befindenden kommenden Tour zum neuen Album gerne wieder unter Beweis stellen werden.“

Als sie das Songwriting angingen, machte sich laut Aussage von David schnell eine Art positiver kreativer Magie breit, welche sich ihrer Sinne machtvoll bemächtigte. Der Vokalist hierzu:

„Nach und nach entstanden somit neue Whitesnake-Kompositionen, die überraschenderweise den Geist und die Kraft alter Whitesnake-Klassiker offenbarten. Wir ließen uns derart nur zu gerne inspirieren und machten immer munter weiter, bis das aktuelle Album stand.“

Bedingung von David für das Einspielen einer weiteren Whitesnake-Platte war, dass er und seine Truppe sich alle Zeit der Welt dafür lassen konnten. Er resümiert:

„Ja, ich wollte die Dinge in aller nötigen Ruhe angehen, ohne, dass mir irgendjemand auch nur ansatzweise Druck oder Hektik macht. Denn das ist das Allerletzte, was ich gebrauchen kann. Ich mache diese Art von Musik schon so lange, dass ich ganz genau weiß, was ich will. Mit Halbgarem kann und will ich mich da nicht zufrieden geben. Aber das dauert eben. Und so konnten wir in aller Entspanntheit an den Liedern feilen – solange, bis wie restlos davon überzeugt waren. Daher ist die Platte letztlich auch so homogen und authentisch geworden. Typisch Whitesnake eben!“

„Good To Be Bad“: Laut David der perfekte Brückenschlag zwischen sämtlichen (alt)bewährten künstlerischen Tugenden seiner Hardrock-Combo und modernen Produktionsmöglichkeiten.

„Die Scheibe enthält einfach rein alles, was Whitesnake ausmacht. Selbst mein Sohn liebt sie schon jetzt sehr. Wir wollten darauf schon gezielt zeitgemäß klingen und nicht altbacken, aber natürlich auch die alten Whitesnake-Charismen wieder kultiviert wissen. Und das ist glücklicher Weise perfekt gelungen, denn das Album beziehungsweise sein druckvoller und sehr satter Sound hat klanglich wirklich enormen Biss. So kommen die neuen Nummern bestens zur Geltung. Insgesamt bin ich also rundum glücklich mit der neuen Veröffentlichung.“

Und ich erst! So merke ich bei der Gelegenheit noch dankbar an, dass mich der überaus genussvolle und erhebend stimulierende Positivismus von „Good To Be Bad“ doppelt freut in einer Welt, welche die letzten zehn Jahre auf vielen Ebenen immer schlimmer geworden ist. David entgegnet:

„Ich gebe dir recht. Und das zieht seine dunklen Kreise leider auf sozialen, wirtschaftlichen und auch ökologischen Bahnen. Doch wir guten Menschen sollten uns davon nicht den Geist und die Seele traurig machen lassen, sondern mit den ganzen scheinbar unvermeidlichen Miseren reifen und mental umso stärker werden, je negativer die Dinge um uns herum sich gestalten. Denn das ist der allerbeste Weg, den man als Mensch und als Charakter nur gehen kann.“ Exakt. Und dabei gilt es auch, niemals zum Stehen zu kommen, wie dem Autor dieser Zeilen nur noch hinzuzufügen bleibt.

© Markus Eck, 10.03.2008

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