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Interview: WITHOUT FACE
Titel: Ohne Vergangenheit keine Zukunft

Gegründet 1997, begab sich diese geistesoffene Vereinigung von ungarischen Unterweltkreaturen nachfolgend auf eine noch heute andauernde musikalische Entdeckungsreise, deren Ende noch lange nicht in Sicht erscheint. Der sich auf diesem sehr ereignisreich entwickelnden Kreativtrip mit der Zeit entstandene Gothic Dark Metal des instrumentell sehr souverän vorgehenden Sextetts weist eine ganz ureigene progressive Kompositionsnote auf, welche bereits das Debütalbum „Deep Inside“ entscheidend prägte.

Hört man nun das neue Werk von Without Face, stellt man schnell fest, daß deren Songs abermals überhaupt nicht zum gewählten Bandnamen passen wollen. Sie sind nämlich alles andere als gesichtslos. So verspricht das kürzlich erschienene zweite Album „Astronomicon“ schon aufgrund seines esoterisch angehauchten Albumtitels wieder tiefsinnige Klangkreationen von höchst träumerischer Anmut. Ein Versprechen, welches von der enthaltenen Musik vollauf gehalten wird.

Vokalistin Julie bringt die Entstehungshintergründe zur neuen Scheibe näher.

„Die Idee zum Titel `Astronomicon` hatte unser Sänger Andras. `Astronomicon` stellt eine Wortverbindung von Astronomie und Lovecrafts `Necronomicon` dar. Das gefiel uns, da beide Wissensgebiete gleichermaßen überaus komplex wie mysteriös sind, was perfekt zu unserer Musik paßt. Für Andras liegt der große Reiz der Wortkreation vor allem darin, daß Astronomie sich überwiegend mit der Zukunft befaßt, während hingegen das Necronomicon die Vergangenheit verarbeitet. So stellt `Astronomicon` einen prickelnden Mix aus mysteriöser Vergangenheit und ungewisser Zukunft dar.“

Unbedingt muß mir Julie auch den Bandnamen erläutern, den man nun um einiges besser versteht:

„Wir wollten schon von Anfang an unsere absolut eigene Musik machen, welche man in keinen bereits vorhandenen Style packen kann. Also individuelle Musik ohne ein erkennbares Gesicht. Wir mischen eine Menge an Einflüssen in unseren Sound ein und haben überhaupt keine Angst davor, auch die scheinbar ungeeignetsten Ideen und Gestaltungselemente darin zu verweben. Nicht, daß wir keine stilistische Linie verfolgen, aber jeder von uns hört sich privat die unterschiedlichsten Sachen an, was letztendlich in die originellen Songs von Without Face einfließt.“

In diesen ständigen Einflußprozeß strömen auch Klassiker dunkler Lyrik ein, wie die Dame berichtet. „Ganz speziell sind das nämlich die Bücher von Anne Rice, darunter `The Witching Hour` oder `The Vampire Chronicles`. Aber auch so manche der weltberühmten Kurzgeschichten von Lovecraft oder Edgar Allan Poe. Solcherlei Werke sind bei uns die Hauptinspiration für die Texte und den Gesang.“

Demnach kein Wunder, daß sich die Lieder der Band so durchdacht anhören. Überhaupt, man hat es mit diesen Ungaren mit außergewöhnlich eigenständigen Musikanten zu tun.

Julie: „Das liegt daran, daß wir uns wirklich nur auf die Musik konzentrieren und sonst nichts, wenn wir Songs schreiben und danach ausarbeiten. Hinzu kommt, daß wir unsere Kompositionen immer in Gemeinschaft erstellen. Die `erst jeder für sich und dann alle zusammen`-Vorgehensweise hat es bei Without Face auch noch nie gegeben. Wenn wir uns zu einem unserer zahlreichen Rehearsals treffen, hat meistens immer einer aus der Band eine bestimmte Idee, welche sofort vorgebracht wird und um welche herum dann Musik entsteht. Stehen die Stücke vom instrumentellen Aufbau her, mache ich mir Gedanken um die Texte und danach arbeiten wir sowohl den männlichen als auch den weiblichen Gesang aus. Mit ein Grund, warum unsere Songs trotz ihrer latenten Dunkelheit so schillernd sind. Wir freuen uns schon jetzt sehr darauf, die neuen Stücke überall auf der Welt live zu spielen.“

Und diese Stücke entsprießen innerhalb der Band solch unterschiedlichen musikalischen Vorlieben wie Skid Row, Whitesnake, extremer Metal, Queensrÿche und sogar Judas Priest, wie ich von der reizenden Sängerin erfahre.

„Unsere stark progressive Ader rührt von solchen Acts wie Symphony X und Dream Theater her. Das ist auch der Grund, warum wir so oft mit ihnen verglichen werden“, schätzt Julie den oftmals einhelligen Pressetenor über Without Face ein.

Seit der Bandgründung hat sich allerhand im Musikgefüge ihrer Band getan, wie die Sängerin erzählt: „Bereits vorhandene Klangmuster zu kopieren, hat uns noch nie gereizt. Wir starteten schon damals als melodische Thrash Metal-Band mit jeweils extrem geschlechterspezifischem Dualgesang und anspruchsvollen Keyboardschöpfungen, immer wieder vollzogene Mitgliederwechsel und daraus resultierende Soundveränderungen taten das Übrige. So verlief die Entwicklung dahingehend, daß wir weiterhin einen obskuren Stilmix aus Thrash-, Gothic- und Progressive Metal mit ungewöhnlicher Dualvokalisierung kreierten. Dieser hat auf dem neuen Album vorerst erschöpfend Einzug gehalten, welches sehr emotionsintensiv und ausgesprochen technisch, ja, hochkomplex ausgefallen ist.“

Somit läßt Julie die Symphony X-Vergleiche nur zu gerne gelten. Sie resümiert: „Verbunden mit unseren prägnanten und oftmals sehr ausgefeilten Melodien und dem Dualgesang, welchen wir als vollwertig tragendes Instrument einsetzen, ergeben die genannten Gestaltungsmittel eine sehr eigenartige Gesamtatmosphäre, die sich von Song zu Song aufbaut.“

© Markus Eck, 01.08.2002

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