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Interview: WRATH
Titel: Fasziniert von heidnischer Vergangenheit

Sein letztes Demo erhielt die programmatisch zu verstehende Botschaft aufgedruckt: „This record is dedicated to the Germanic and the Norwegian Black Metal scene!“

Und wahrlich, seine böse rumpelnden Old School Schwarzstahlkreationen sind tief in der Historie dieses faszinierenden Genres verwurzelt. Die Rede ist von Ketzerdenker und Multiinstrumentalist Nazgul, welcher dem Bandnamen erstmals 1998 Leben einhauchte. Ursprünglich im sonnigen Kapstadt in Südafrika lebend, siedelte der leidenschaftliche Black Metal-Maniac mittlerweile nach Deutschland über: Korrekte Tat, denn das hier oftmals anhaltend nasskalte Klima passt doch auch viel besser zu solcherlei musikalischem Treiben.

Fanatische Untergrundhörer, welche über die Kultwerke von Genre-Vertretern wie beispielsweise Burzum, Sort Vokter und Ildjarn tagsüber schwärmen und nachts davon träumen, könnten sich gut für die passionierten Kreationen von Wrath erwärmen; zumal die Lyriken der Lieder bis an den Rand gefüllt sind mit heidnischen Bekenntnissen und Sehnsüchten nach den guten alten Zeiten der ehrenreichen Vorväter. Im Jahr 2005 nach ärgerlicher christlicher Zwangszeitrechnung ist davon freilich nicht mehr viel übrig, doch darin ein Album wie „Viking” zu veröffentlichen, ist sicherlich nicht das Schlechteste, was man dem geld- und materialismusgierigen Zeitgeist entgegen setzen kann.

„Als Mensch ist meine Seele tief mit der Kraft der Mutter Erde verbunden. Als Persönlichkeit bin ich jemand der Aufrichtigkeit und Entschlossenheit nahe am Herzen trägt. Daher war es ganz natürlich, dass die rohe Energie und Achtung für stimmungsvolle Atmosphäre mich anziehen würde“, diktiert mir der Musikant zu Beginn in den Block.

Seine Musik war für ihn schon immer eine Zuflucht, wie der Kerl anschließend bekennt.

„Ich wollte mich in den Träumen der Pagan-Epoche verlieren, der nächtlichen Feuer und wo man im ersten Morgengrauen sehen kann wie der Frost die getöteten Feinde bedeckt hat. Ja, die Welt ist wirklich schrecklich geworden. Völlig verschmutzt. Und jetzt scheint es mir als ob die Erde stirbt und das ist traurig. Und doch gibt es immer noch wunderschöne Fleckchen, von denen unsere Seele in den Bann gezogen wird. Ich denke hier an den Schwarzwald im Süden von Deutschland wo eine Freundin, Nattsvart, wohnt. Ich habe sie mal besucht und hatte so die Gelegenheit die majestätische Kraft der unendlichen dunklen Wälder zu erleben. Mein Aufenthalt dort war sehr inspirierend, der Höhepunkt war die Produktion von meiner neuen CD 'Misanthropic Hate Spirits Of The Black Forest.' Ich werde die Aufnahme im Studio wahrscheinlich gegen Ende 2007 durchziehen. Das ganze Album hat eine starke melancholische Atmosphäre und meistens ein mittelmäßiges Tempo.“

Seit der Veröffentlichung von „Viking“ hat Nazgul schon wieder eine Unmenge an Musik kreiert: Lieder, die gleich für mehrere Alben reichen würden. Ohne Zweifel, er ist süchtig danach, solcherlei Klänge zu kreieren:

„Ich bin es sogar ganz sicher. Ich habe beinahe jede Nacht neue Ideen für Songs. Obendrein habe ich auch noch viele Songs beziehungsweise Demos, die hier herumliegen und lediglich noch in ein außergewöhnliches Hörerlebnis geformt werden müssen. Mein Hintergedanke ist immer: 'OK, Nazgul wenn dieses Album fertig ist, dann musst Du unbedingt ein Label finden und wenn keiner Interesse daran hat, dann ist das auch in Ordnung. Ich werde das dann einfach aufheben und weiter neue Songs fürs nächste Album komponieren. In der ersten Instanz mache ich Musik für mich selber und wenn die Fans das genießen, dann ist es ganz toll. Der einzige Nachteil ist der, wenn das zweite Wrath-Album nun die Öffentlichkeit erreicht, dann arbeite ich schon am vierten Album – und somit zeigt das Material, was dann frisch veröffentlicht ist, nicht wirklich, wie ich meine Musik inzwischen entwickelt habe. Aber das Wichtige ist und bleibt, dass das Album auch gut ist.“

Was das Line-Up von Wrath anbelangt, darüber gibt es eine wichtige Neuerung zu berichten. „Da ich Wrath bislang ganz alleine darstelle, kann man wohl bislang nicht von zwischenmenschlicher Atmosphäre reden. Allerdings wird jetzt Nachtgarm, der Vokalist von der Gruppe Negator für Wrath das Schlagzeug spielen, während wir meine Stücke üben. Ich werde auch noch Session-Gitarristen und einen Bassisten suchen.“

Für Nazgul ist es immer ein bisschen komisch, seinen eigenen Stil zu beschreiben, denn der vereint laut Auskunft des Musikanten viele unterschiedliche Strukturen.

„Gerade wenn man glaubt das Album geht in Richtung Evil Rock nimmt ein Song plötzlich eine Wendung ins Depressive wie ein Todestrieb. Ich probiere nie einen besonderen Stil zu spielen, sondern es entwickelt sich einfach, wenn ich die Gitarre richtig hart bearbeite – je härter, desto besser wird dann meistens das entsprechende Lied. Trotzdem sehe ich mich nur als Durchschnitt in Sachen Gitarrespielen.“

Der Wrath-Mann mischt eben sehr viel zusammen, vor allem in den Riffs und dem Schlagzeug. Wir erfahren:

„Es gibt eine offensichtliche Huldigung an Thrash Metal in so manchen meiner Tracks. Deren Stil ist dann ähnlich wie auf dem 'Viking'-Album, aber ganz bestimmt beeinflusst von Bathory – um nur mal einen Bandnamen zu nennen. Als ich noch jünger war, habe ich meistens Slayer-Alben nachgespielt, ich war eine Zeitlang ziemlich besessen mit deren Riffs und Texten. So würde es mich nicht wundern wenn deren Einfluss auch in meiner Musik durchklingt. Die anderen Einflüsse stammen natürlich vom Black Metal der 90er.“

Daher ist eigentlich jedes Wrath-Album total anders und doch bleibt so Manches darin auch gleich, so Nazgul.

„Beispielsweise bin ich gerade dabei, Wrath's selbst betiteltes Album zusammenzustellen und dieses Album nimmt wieder die gleiche Atmosphäre an wie 'Viking', mit sehr schnellen Songs und einem oder zwei dunklen depressiven Songs. Aber diesmal gibt es so viel mehr, es sind glatt 15 Tracks dafür vorgesehen. Das Demo für 'Hating Jesus' ist auch schon fertig. Ich hoffe, dieses Material bald mit anderen Musikern einzuüben. Das Grundthema dieses Albums ist ganz einfach `fuck god`. Ich hatte Lust, einfache aber starke Songs zu komponieren, die so richtig die Lügen aus dem Christentum rausschlagen. 'Misanthropic Hate Spirits Of The Black Forest' ist wie erwähnt hauptsächlich ein Midtempo-Album mit ausgedehnten, hypnotischen und einfachen Gitarrenriffs. Dieses Album liegt mir besonders am Herzen. Darüber hinaus habe ich wie gesagt bestimmt noch drei komplette Alben fertig, bis jetzt unbenannt, die auch noch richtig zusammengestellt werden müssen.“

Seine lyrischen Konzepte bewegen sich mehr und mehr in Richtung völliger Dunkelheit und depressiven, dämonischen Wintern.

„Aber Pagan Einflüsse werden auch immer auf Wrath-Alben bleiben, denn im Kern bin ich ein Heide, der das Christentum anspuckt und sich von dem Weg der Heiden inspirieren lässt. Wenn ich traurig bin, kommen langsame melancholische Songs zustande, und wenn ich voller Wut bin, dann natürlich die niederschmetternden, schnellen Tracks.

Sein größter Wunsch für das Jahr 2007 ist es, endlich mal mit einem Live-Auftritt loszulegen. Daher: „Also, dieses Jahr müsste das für Wrath klappen. Ich fühle es schon so in mir, als ob tausende von Dämonen probieren, aus mir heraus zu kommen um ihre, die Christen lästernden Schreie los zu lassen. Mein Ziel ist mit Session-Musikern einige Gigs in ganz Deutschland zu spielen.

Abschließend erkundige ich mich noch über das Denken dieses Umtriebigen über die heutige Black Metal-Szene an sich. Der bekennt:

„Ich stehe eigentlich gar nicht in der Szene und kann darum auch keine großen Bemerkungen darüber machen. Ich komme wie gesagt aus Kapstadt, Südafrika, und so um 1998 gab es dort kaum oder keine Black Metal-Szene, nur eine kleine Gruppe von Individuen fühlte sich von der Musik angesprochen. Ich hatte ungefähr vier Freunde, die genauso besessen waren wie ich mit diesem eiskalten Sound. Im Endeffekt bin ich mehr ein Einzelgänger und habe wenig Interesse in Gruppen herumzuhängen. Mir passt es eben bestens, alleine im Dunkeln mit einer Kerze zu sitzen und im Schatten des Lichtens meine Songs zu üben oder neue Kreationen in die Welt zu rufen. Logisch, das ich es auch ab und zu mal toll finde, unter Menschen zu gehen, mit ihnen deren Ansichten zu diskutieren oder die eine oder andere Untergrund-Band auf der Bühne zu sehen, aber ich halte das in Grenzen, denn der Hauptfokus ist und bleibt meine eigene Musik. Über das Bisschen aus der Szene, was ich mitkriege, kann ich nur sagen, dass die Flame in vielen Black Metal-Leuten noch immer hell brennt. Es gibt eben noch immer viele Fanatiker, die diese Musik verstehen und respektieren – und das ist Klasse. Danke dir, Markus, für Dein Interesse in Wrath. Mitternächtliche Grüße auch an Olaf und Bjoern von Einheit Produktionen; alles Gute!“

© Markus Eck, 24.01.2007

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