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Interview: XIV DARK CENTURIES
Titel: Würdigung der eigenen Wurzeln

Ihr 2002er Album „Dunkle Jahrhunderte“ veröffentlichten diese stolzen Thüringer Heidenmetaller noch in Eigenregie – ebenso den kürzlich fertig gestellten Albumnachfolger „…den Ahnen zum Grusse…“.

Die hohe Qualität des Songmaterials beider Scheiben sollte die Band jedoch alsbald zu einem Plattenvertrag nach Österreich führen.

Von dort aus erscheint das aktuelle Langeisen nun erneut, um die kriegerischen Kämpferklänge aus Ostdeutschland einem breiter gestreuten Auditorium zu unterbreiten.

Stilistisch überaus eigenständig vorgehend, bezeichnet das stark naturverbundene Sextett seinen aufrecht inszenierten Sound als „Heidnischen Thüringer Metal“. Und die Gruppe verwendet dabei Gesangstechnik, wie sie auch in den Bereichen Black- und Death Metal für wohlige Schauer sorgt.

Die derzeitige Stimmung innerhalb der heidnischen Horde ist laut Sänger Michel wie immer bestens: „Wir haben in den letzten Wochen einige Konzerte gespielt, die gut gelaufen sind. Alles in Allem sind wir sehr zufrieden.“

Die aktuelle musikalische Mischung kam nicht wirklich zustande, wie er weiter berichtet, sondern war eher das Ergebnis einer Weiterentwicklung.

„Da wir ursprünglich aus der Black Metal-Ecke kommen, uns aber schon immer dem heidnischen Gedankengut verbunden fühlten, wurden auch die Lieder dementsprechend komponiert und zu dem gemacht was sie nun sind: Heidnischer Thüringer Metal. Von Einflüssen in unserer Musik würde ich nicht reden. Wir werden haufenweise mit anderen Bands in Verbindung gebracht, aber keine von den genannten steht in den CD-Regalen von uns. Es wird immer von utopischen Musikrichtungen geredet, nur weil die Musiker eine Mischung kreieren. Wir wollten mit der Namensgebung für unsere Musik einfach einer Schublade entrinnen, die vielleicht einen lustigen Namen bekommen hätte wie: Pagan/Black oder gar Folk Metal. Es gibt wohl kaum eine Band im Metal, die es schafft, nicht irgendwie wie eine andere zu klingen. Deshalb sollte man Wert auf Feinheiten legen. Das haben wir versucht mit diesem Album zu tun.“

Und was XIV Dark Centuries mit ihren Texten versuchen zu vermitteln, beschreibt mein Gesprächspartner mir nachfolgend unter Bezugnahme auf den Titelsong des aktuellen Albums.

„Der Hörer soll sich zurück versetzt fühlen in die Zeit, als noch nicht an das Kreuz und seine Lügen zu denken war, der Mensch noch im Einklang mit der Natur lebte und sich seinen Göttern nicht kriechend nähern musste. Es geht einfach darum, dass sich die Menschen ihrer Herkunft bewusst werden. Das Lied `Unseren Ahnen zum Gruße` ist allerdings nicht nur ein Gruß an die Hermunduren, ein germanischer Volksstamm, der seit dem zweiten Jahrhundert vor Christus auf dem Gebiet des heutigen Thüringens lebte, sondern an alle germanischen, keltischen, slawischen Völker, denen wir wirklich unser Dasein und vor allem unsere Wurzeln zu verdanken haben. Man soll sich der Tatsache bewusst werden, dass es das Kreuz, trotz 2.000-jähriger Verfolgung nicht vermochte diese Wurzeln auszulöschen. `Wir ehren Erde und Natur im Geiste an Walhallas Fuße und geben darauf unseren Schwur unseren Ahnen zum Gruße`. Die Titelzeile aus dem Lied spricht glaube ich für sich.“

XIV Dark Centuries haben ihrer Musik einen eigenen Namen verpasst, wie Gitarrist Tobalt nun ausführt, um Schubladendenken zu entgehen.

„Heidnischer Thüringer Metal lautet die Bezeichnung. Wir haben in diesem Namen die stärksten Elemente unserer Musik und unserer Einstellung vereint. Die Liebe zur Natur, das Andenken an unsere heidnischen Vorfahren, die Verbundenheit unserer Heimat Thüringen gegenüber und Metal als das Grundgerüst, auf dem sich alles andere aufbaut.“

Zum größten Teil stammen die Kompositionen von XIV Dark Centuries aus Tobalts Feder, wie dieser stolz bekennt.

„Wobei ich die Grundgerüste der Lieder erarbeite und die anderen bringen in diesen Rahmen ihre eigene Note mit ein. Es bringt jedoch jeder Ideen dazu, die in die Lieder eingearbeitet werden.“

Der Großteil der Texte stammt jedoch von Sänger Michel, der, wie alle in der Band finden, sehr gut in seiner Rolle als Texter aufgeht. „Es werden alle Neukompositionen und Texte mit allen Bandmitgliedern besprochen und erst dann wirklich ernsthaft einstudiert, wenn jeder damit zufrieden ist“, ergänzt Tobalt.

Die sechs Thüringer von XIV Dark Centuries halten sich im Allgemeinen sehr viel in ihrer umgebenden Natur auf und beschäftigen sich dementsprechend auch mit den Naturgottheiten, wie zu erfahren ist. Michel hierzu:

„Wie es schon unsere Vorväter taten. Ihnen zu Ehren gaben wir diesem Album den Titel „...den Ahnen zum Grusse...“. Unser Ahnengruß geht an die Völker, denen wir unsere Wurzeln zu verdanken haben. Wenn sie von der Walhall auf Midgard blicken, dann soll ihnen gewiss sein, das es Menschen gibt, die ihr Ansehen in Ehren halten. Darum der Titel, denn wir wissen der alte Mann ist immer dabei.“

Mit letzterem meinte er den Göttervater Wotan. Das Konzept der ostdeutschen Musiker war von Anfang eigentlich lediglich, heidnische Musik zu schaffen, die ihren Vorstellungen entspricht.

„Wir wollten Lieder aufnehmen von denen wir alle zu 100 % überzeugt sind. Ich rede hierbei nicht nur über die Musik an sich, sondern auch über unsere Texte. Die Lieder folgen keinem durchdachten Konzept, also einer Reihenfolge, durch die sich ein inhaltlicher Kreis schließt. Jedes Lied erzählt seine eigene Geschichte und ist auch, zumindest in unseren Ohren, eigenständig und unabhängig von den anderen. Einzige Ausnahme ist der Prolog und Kriegers Traum, wobei man die beiden Stücke als ein Gesamtwerk sehen muss“, führt Frontmann Michel aus.

Die Idee für das aktuelle Frontcover-Artwork stammt ursprünglich von Schlagzeuger Rüd, es sollte sich von den heutzutage laut Meinung der Band übertrieben künstlerisch oder phantastisch gestalteten Frontbildern abheben.

„Es sollte einfach sein und unserem Albumtitel gerecht werden. Wir haben auch großen Wert darauf gelegt, dass sich die farbliche Gestaltung von kunterbunten New Metal-CDs wie auch von schwarz/weiß gehaltenen Black Metal-Alben abhebt. Das Bild auf der Vorderseite unseres Begleitheftes stammt aus einem sehr, sehr alten Geschichtsbuch und stellt eine germanische Thing-Versammlung dar“, wie Michel darzulegen weiß.

Anschließend geht das informative Interview-Gespräch auch zum Thema Völkervergangenheit über. Ich lasse Michel Stellung zu uralten Zeiten, aber auch zur Gegenwart beziehen.

„Unser Volk hat eine sehr interessante Vergangenheit, welche allerdings für die Länder der Welt im Jahre 1933 endet. Unser Volk wird weltpolitisch immer an diesem Abschnitt unserer Geschichte gemessen. Deutschland findet sich nun in einer amerikanisierten Welt wieder, die uns nicht erlauben will, wahre Gefühle unserem Land gegenüber zu zeigen. Ich finde es traurig, dass gerade ein Land wie das unsere, welches seit jeher die Geschichte der Weltordnung so entscheidend mitgeprägt hat, nun nicht mehr seine eigene Identität haben darf. Die Zeit von 1933-1945 wird uns immer nachhängen, aber ich will als junger, eigenständig denkender Mensch das Recht haben, auf mein Land, unsere Wurzeln und unsere Ahnen stolz zu sein. Und ich will es auch in aller Öffentlichkeit sagen ohne dafür gleich in einer Schublade zu landen. Diese Aussage hat allerdings nichts mit dem Großteil der letzten 70 Jahre deutscher Geschichte zu tun. Und es ist es nicht nachvollziehbar, wieso ich mich dafür nun verkriechen und aller Welt ewig und für alles die Füße küssen soll.“

Viele in den Reihen der Gegner und Befürworter der Gruppe wird in diesem Zusammenhang interessieren, welche völkischen Ideale denn XIV Dark Centuries mit ihren musikalischen Kreationen verkörpern.

„Wir versuchen höchstens etwas zu verkörpern, denn einen idealen Zustand kann kein Mensch erreichen. Wir versuchen alte Ideale wieder zum Leben zu erwecken, wie das Andenken an unsere Ahnen, eine Mensch-Natur-Beziehung in der sich der Mensch in den ewigen Kreislauf einfügt und sich nur so viel nimmt wie er braucht, und auch zurückgeben kann. Es gilt für uns alle, zu versuchen Vorbild zu sein, ehrenhaft zu handeln und loyal gegenüber unserer Sippe zu sein“, berichtet Michel.

Sippe? „Wir sind Nachkommen der Hermunduren und fühlen uns als solche. Leider wird in der christianisierten Gesellschaft versucht, die heidnische Geschichte unseres Landes zu Ungunsten der Heiden zu verfälschen. Jedoch sind diese Wurzeln zu stark und keine Axt vermag es, sie zu zerschlagen. Wir sind jedoch als Hermunduren bestrebt, auch die Geschichte von anderer Völker zu erfahren, wie beispielsweise der Wikinger, Kelten, Slawen, Franken und sämtlicher anderer germanischer Volksstämme, die in der nordischen Geschichte eine Rolle gespielt haben. Diese Wege führen uns zu vielen Gleichgesinnten im ganzen germanischen Gebiet. Zum Verständnis müssen wir klarstellen, das wir nur ein Teil einer großen Gemeinschaft sind, die sich der Natur und dem Heidentum verschrieben hat. Wir finden auch in diesen Kreisen unsere besten Freunde, die sich auch immer kritisch zu unserer Musik äußern und auf deren Urteil wir den größten Wert legen. In diesem Kreis verbringen wir natürlich einen großen Teil unserer, neben der Musik, noch verfügbaren Freizeit. Wanderungen, Lagerfeuer heidnische Feste, welche natürlich im Walde oder auf einem unserer heiligen Berge abgehalten werden, zählen dabei zu unser aller Favoriten. Dazu haben wir ja hier im grünen Herzen Deutschlands auch die besten Bedingungen.“

Hierbei lässt der Mann es sich nicht nehmen, Grüße an nahe stehende Gleichgesinnte wie Fhyr Gerdson, Ronny und Opinn Skjold zu übermitteln. Laut seiner daran angehängten Aussage sind XIV Dark Centuries eigentlich nicht von speziellen Bands beeinflusst. Wir erfahren:

„Wir versuchen die Musik zu machen, die unseren Herzen entspringt. Jeder von uns bringt mit seinem Instrument seine Einflüsse mit in die Musik. Diese unterscheiden sich, werden dennoch in unserer Musik eine Einheit. Es hat wohl jeder von uns seine Vorbilder oder Vorlieben, die ihn in dessen Bann ziehen. Und da wir ja sechs Individuen sind, reichen diese dann ganz allgemein von Hardrock über Black Metal bis hin zu germanischer oder keltischer Folklore. Wir machen unsere Musik hauptsächlich für uns, also sollte sie uns auch wirklich gefallen. Es mag, im Gegensatz zu uns, auch Metal-Bands geben, die privat größtenteils auch andere, teils auch neumodische elektronische Musik hören. Zu denen kann ich nur sagen, legt euren Schein ab, verarscht eure Fans nicht mehr und macht die Musik, die ihr selber auch hören würdet!“

Und weil wir bereits beim Thema sind: Nach Meinung des Autoren kommen die allerbesten Pagan- und Heathen Metal-Horden aus der Ukraine, Weißrussland, Litauen, Polen und Tschechien.

Dies liegt wohl an regional bedingtem vermindertem Materialismus und einem daraus resultierenden tieferen Bezug zu den alten Werten und Sagen ihrer jeweiligen Heimat. Michel sieht dies ähnlich:

„Es ist schlecht einschätzbar, aber zu vermuten, dass dies so ist. Wir sind jedoch bestrebt, in ähnlicher Art und Weise die alten Werte unserer Ahnen in der heutigen Zeit wieder aufleben zu lassen, denn es gilt diese zu erhalten und vor allem zu leben – auf das sie niemals in Vergessenheit geraten.“

Den Menschen, welche den sechs Thüringer Naturliebhabern nun aufgrund Verwendung von germanischer Symbolik etc. Verherrlichung braunen Gedankengutes vorwerfen, bringen XIV Dark Centuries ihre Verachtung entgegen.

„Denn sie sind durch ihre Unwissenheit nicht wirkliche Kritiker, sondern meist nur Auslöser von politischen Diskussionen, die der herrschenden Finanzwelt dienen und den einfachen Freidenker vom Wesentlichen abzulenken versuchen. Sie sind wissentlich oder unwissentlich Werkzeuge der Imperialisten, die unser Land zerstören, Zwietracht und Uneinigkeit unter das Volk säen und es meistens schaffen, alle gegeneinander aufzuhetzen, zu spalten, zu unterwandern. Und zu wessen Wohle – zum Wohle der Reichen! Denn diese können sich in aller Ruhe zurücklehnen und weitermachen, unsere Umwelt zu zerstören, unsere Wälder zu verkaufen und dem kleinen Mann seine Lebensgrundlage zu nehmen und ihn immer abhängiger vom ach so sozialen Staat machen! Es herrscht das Prinzip von „Divide Et Impera“, das heißt, teile und beherrsche. Kleiner Mann wach endlich auf – und registriere von wem die wirkliche Gefahr für unsere Zukunft ausgeht!“, fordert Michel auf.

Und der Kerl erläutert gleich auch noch den Bandnamen: „XIV Dark Centuries bedeutet die Vereinnahmung der germanischen Welt durch das Christentum, welche in unserem Gebiet nun schon seit 14 Jahrhunderten anhält. Wir halten diesen Zeitabschnitt für die dunklen Jahrhunderte und es wird Zeit das sich die germanische Welt wieder dem Licht zuwendet.“

Und wenn sich XIV Dark Centuries dem Bühnenlicht zuwenden, gibt es neben der Musik einiges zu bestaunen, wie Saitenspieler Tobalt beschreibt.

„Mit Fellen treten wir schon seit Längerem auf und natürlich auch in entsprechender Gewandung. Auf die Authentizität legt der eine mehr, der andere weniger viel Wert. Es existiert auch nicht die Vorstellung, dass wir alle in historisch einwandfreien Gewandungen da stehen. Aber ganz so albern und faschingsmäßig wie einige namhafte Mittelalterrockgruppen wollen wir dann auch nicht auf der Bühne stehen. Unsere Waffen hatten wir bisher noch nie mit auf der Bühne, denn die tragen wir nur zu besonderen Anlässen und wenn sicher ist, das sie dann auch benutzt werden. Ansonsten zählt unserer Meinung nach auf der Bühne hauptsächlich die Glaubhaftigkeit dessen, was man versucht rüber zu bringen. Deswegen ist unser Motto eigentlich `weniger Show` – sondern diese Musik live zu fühlen und auszuleben.“

Die letzten Worte in diesem Interview gehören Michel: „Wir haben in jedem Falle vor unter dem Banner von CCP Records noch zwei oder drei weitere CDs zu produzieren. An der Thematik wird sich unter Garantie nichts ändern, vielleicht wird aber mal ein Konzeptalbum dabei sein. Außerdem wollen wir Konzerte spielen, für wahre Verbündete. In diesem Sinne: Den Göttern zum Gruße!“

© Markus Eck, 08.09.2003

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