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Interview: XIV DARK CENTURIES
Titel: Zur Ehre der alten Werte

Das vorangegangene Minialbum „Jul“ markierte für diese ebenso geradlinig denkende wie musizierende Thüringer Pagan Metal-Horde einen weiteren strammen Erfolgsschritt nach vorne.

Trotz aller ständig mahnenden Zeigefinger aus dem Lager der Globalisierungs-Besessenen verfolgen die Beteiligten weiterhin ihre ureigene Vision der musikalischen Verherrlichung von guten alten Werten wie Ehre, Heimattreue und heidnischen Bräuchen.

Jetzt steht die unermesslich naturverbundene Musikergruppe aus Zella-Mehlis mit der neuen Albumveröffentlichung „Skithingi“ stolz erhobenen Hauptes am Waldrand. Textlich wird laut Bekunden von XIV Dark Centuries vorrangig die ereignisreiche Zeit des damaligen leidvollen Untergangs des Thüringer Königreiches behandelt.

Und das spielstarke Sextett langt auf kompositorischem Terrain erneut ordentlich zu, wie auf „Skithingi“ zu hören ist. Ich begab mich zu Sänger Michel und Gitarren-General Tobalt in die von Moos überwucherte Gruppenhütte, um Näheres zum aktuellen Kriegerwerk in Erfahrung zu bringen.

„Eigentlich sollte ja die `Jul` schon eine vollständige Platte werden. Wir hatten jedoch Ende 2004 einfach nicht die Zeit zehn bis zwölf Lieder aufzunehmen. Also beschlossen wir damals, als weiteres Lebenszeichen diese Mini-CD zu machen und den Rest der damals schon fertig komponierten Platte dann mit ein par neuen Titeln später als Vollalbum aufzunehmen. Das dann noch über ein ganzes Jahr vergeht war nicht geplant, aber es gab leider eben genug hinderliche Dinge zu bewältigen. Natürlich sind im Laufe der Zeit einige Lieder aus der ursprünglichen Auswahl für die neue Platte raus geflogen und neuere Kompositionen kamen dazu. Außerdem reifte der Gedanke auch textlich ein Konzept mit rein zu bringen, weshalb die Lieder, die dann den Weg auf das jetzige Album fanden, auch nach diesen Gesichtspunkten ausgesucht worden sind“, berichtet mir der bärtige Vokalist.

Tobalt ergänzt den Sänger: „Nach diesen oben genannten Rückschlägen war dann alles eigentlich sehr unspektakulär. Wir haben nach dem zweiten Proberaum-Umzug das eigene Studio soweit eingerichtet, weiter eingeprobt und dann schön aufgenommen. Die Aufnahmen an sich dauerten schon sechs Wochen. Es ist halt schwierig einen Zeitraum zu benennen, da wir in Etappen aufgenommen haben und auch immer nur stückweise, so wie eben die Zeit da war. Es hat auch dieses Mal wieder Spaß gemacht. Es ist einfach schön, sein Werk wachsen zu sehen.“

Michel fügt dem ergänzend an: „Etwas problematisch ist jedoch immer, wenn teilweise Bandmitglieder auf Montage arbeiten. Man muss die Aufnahmen dann so legen, dass es für alle möglich ist, andererseits kann man nicht das Keyboard oder die Leadgitarre zuerst aufnehmen. Also alles eine Frage der Koordination. Natürlich konnten wir dadurch aber nicht alles in zwei Wochen schaffen. Spaß macht es eigentlich immer, und die Biervorräte sind eigentlich in dieser Zeit immer erschöpft. Wenn die Scheibe dann fertig gemischt ist, muss man sich erst mal ein paar Wochen Hörpause gönnen, bevor man dann wieder wirklich Freude an den Liedern hat, jedenfalls als Mischer“, lacht der Sänger.

Wir kommen auf die derzeitige zwischenmenschliche Chemie in der Gruppe zu sprechen.

„Gute Frage. Wir haben im letzten Jahr echt eine Menge durchgemacht. Aber gut, dass es so kam wie es kam, denn wir sind nach wie vor die gleiche Band geblieben nur etwas älter und damit reifer und vielleicht auch klüger. Familiäre, berufliche Probleme gab es zu bewältigen, aber nun ist ein großer Schritt getan und auch innerhalb der Gruppe haben sich viele Wogen, die die Auswirkungen dieser Probleme waren, geglättet. Zwischenmenschlich gab es für uns noch nie eine Grundsatzdiskussion. Wir sind alle gute Freunde und werden es auch bleiben. Musikalisch gibt es halt immer mal Diskussionen, aber es wäre schlimm wenn nicht“, befindet Tobalt.

Die nötige Zeit, um Mutter Natur entsprechend zu huldigen, nehmen sich XIV Dark Centuries laut seiner Aussage noch immer nach Kräften.

„Es gibt hierfür noch genug Raum, auch wenn wir nicht immer alle gemeinsam am Schoß der Mutter Erde wandeln, werden wir immer die Zeit haben, der alten Urda unsere Ehre zu erweisen.“ Michel merkt hierzu an: „Ja, meist haben wir nicht mehr alle zur gleichen Zeit frei beziehungsweise Freizeit. Aber wir Zella-Mehliser finden uns regelmäßig in den heiligen Wäldern zusammen um mit Freunden und Bekannten das Horn zu heben und uns in der Natur Inspiration zu holen.“

Für Tobalt ist Mutter Natur gar der größte ideelle „Antriebsmotor“, um diese Art von Musik zu kreieren. Er bekennt:

„Auch der innigliche Bezug zu unserer Heimat und unser unerschütterlicher Glaube an den Sinn der alten Werte treibt uns an. Mehr braucht es wohl nicht, denn es ist Inspiration genug.“

Dann befrage ich die zwei Kerle dazu, wie sehr sie mit dem vorliegenden Endresultat zufrieden sind.

Mir persönlich weiß die neue CD von XIV Dark Centuries sehr zu gefallen, vor allem die qualitative Gitarrenarbeit.

Ich wurde anfangs aber lange nicht so schnell warm mit ihr, wie das bei der einzigartigen „Jul“-Scheibe der erfreuliche Fall war.

Tobalt, beabsichtigt aus der Reserve gelockt, legt sich gleich ins Zeug:

„Das Endresultat ist auch für uns zufrieden stellend. Wir haben Wert darauf gelegt, das die Lieder mit den textlichen Grundlagen übereinkommen und haben dementsprechend auch die entsprechenden Stücke für die neue Scheibe ausgewählt. Was den von dir angesprochenen `Übersong` angeht, hier muss wohl jeder selbst entscheiden, wie er einzelne Lieder aus dem Zusammenhang des Werkes sieht. Rein musikalisch habe ich, als Komponist, drei klare Favoriten: `Runibergun`, `Warnenkrieg` und eines meiner schönsten Stücke, `Hwerenofelda`.“

Wenn der gute Tobalt so komponiert, orientiert er sich nie objektiv an anderen Vertretern dieser Stilistik, wie er vor mir recht eindeutig klarstellt.

„Wenn ich Lieder schreibe lasse ich es einfach laufen und schaue dann was man wie kombinieren kann – und so entstehen die Lieder meist aus den irrsinnigsten Situationen. Ich bräuchte schon öfter Mal meine Klampfe, wenn ich eine Blitzidee bekomme. Also Bands kann man da wirklich keine nennen.“

„Soundtechnisch wollten wir die neue Platte an unsere Art von Musik anpassen. Es gibt sicher wieder einige, die sagen werden, die Leadgitarren in diesem Lied sind zu laut, der Gesang dort zu leise – aber der Sound muss unseren Ansprüchen gerecht werden beziehungsweise den Gesamtsound machen wir so, wie wir ihn uns vorstellen. Ich fände prinzipiell eine Sound-Mischung aus neueren Månegarm und Skyforger klasse“, so Michel.

Und laut seiner Aussage haben XIV Dark Centuries versucht, das Niveau der Lieder auf der aktuellen Scheibe gleich hoch zu halten:

„Dadurch gibt es vielleicht nicht sofort beim ersten Hören `den einen Song`, aber ich hoffe, dass man dadurch auch nach längerem Hören noch Spaß an der Scheibe hat. Denn ich bin sicher, das sich die Lieder nach und nach für Liebhaber solcher Art von Musik erschließen.“

Um die grafische Gestaltung vom neuen Frontbild, dem CD-Büchlein sowie der Rückseite der Platte hat sich laut Tobalt Schlagzeuger Rüd gekümmert.

„Wir haben vorher eine klare Aufgabenverteilung gemacht und durchgezogen. Er bekam jedoch Zuarbeit in Form des Coverbildes und der Karte von meiner Frau Steffi.“

Was die neuen Gruppenbilder der Musiker anbelangt: Da fragt man sich, was wohl die leuchtend roten Kampfschilde zu bedeuten haben, welche die Thüringer in den Händen halten. Tobalt scherzt zunächst keck:

„Diese Schilde haben zu bedeuten, das sie alle einem Mann gehören, der seinen Farbeimer leer kriegen wollte“, dann erläutert er jedoch in aller Ernsthaftigkeit: „Die Schilde auf den Bildern sind alle von mir. Ich habe mich halt auf Rot festgelegt. Leider kommt jedoch durch die durchdringende Farbe die Bemalung nicht mehr durch.“

Michel präzisiert in diesem Kontext, schelmisch schmunzelnd: „Tobalt ist derjenige von uns, der sich schon seit längerer Zeit auch dem Reenactment verschrieben hat. Er baut den Großteil seiner Ausrüstung selbst und scheinbar mag er Rot sehr.“

Der neue Albumtitel „Skithingi“ – für die Erklärung desselben musste Saitenmann Tobalt schon etwas weiter ausholen. Er legt los:

„`Skithingi` ist althochdeutsch, das lässt sich eigentlich nicht wirklich übersetzen, aber es wird frei mit `hölzerner Burg` übersetzt. Es ist ein Eigenname, der aus verschiedenen Bedeutungen besteht und der geht auf eine Siedlung zurück, die im mittelhochdeutschen den Namen Seithungi trägt. Die Wortbedeutungen werden wie folgt aufgeschlüsselt: `Skit/Skith` steht für: „hölzerne Burg“ – `Ingen` steht für `Leute von`. Wer mehr wissen will, muss uns einfach mal fragen, denn es ist sehr viel komplexer und würde diesen Rahmen hier bei weitem sprengen.“

Wie er weiter dazu ausführt, beschäftigt sich „Skithingi“ mit der Stammesgeschichte der Thüringer.

Also mit deren Leben, Wirken, ihrem Untergang und auch dem Aufbäumen gegen die Fränkische Besatzung, nach der Zerschlagung des Königreiches der Thüringer zu althochdeutsch „Toringi“ genannt.

„Es ist diesmal so gewesen, das ich den Hauptteil der Texte schrieb; da auch Michel durch Hausbau usw. sehr eingespannt war, habe ich das einfach in die Hand genommen. Das Interesse rührt im Grunde von meinem eigenen menschlichen Dasein als Thüringer her, der wissen will, wo er herkommt und was seine Wurzeln sind. Ich beschäftige mich eigentlich seit Jahren in meiner Freizeit mit nichts Anderem mehr. Ich habe unzähliges Material gesammelt und auch geschrieben, wobei ich für `Skithingi` den Weg gewählt habe, mich eher an Legenden als an 100%ig geschichtliche Überlieferungen zu halten. Durch diesen Weg bekam alles mehr Spielraum und vor allem auch Stoff für ein ganzes Album. Es ist nun nicht so, das alles Sage ist, was `Skithingi` erzählt. Es ist durch Quellen belegbar, aber archäologisch nicht 100%ig nachweisbar.“

Michel hängt da noch an: „Auch die Texte, die ich persönlich geschrieben habe, handeln mehr von Dingen, die so gewesen sein könnten, aber nicht im Detail so nachweisbar sind. Aber was ist das schon wirklich, wenn man bedenkt, dass die meisten Überlieferungen von damals von Geschichtsschreibungen des ehemaligen Feindes herrühren.“

Genau genommen wollte die Thüringer Pagan Metal-Gruppe laut Tobalt mit „Skithingi“ vor allem ihre Härte nicht verlieren, trotz vermehrtem Einsatz von Folkelementen und -Melodien.

„Außerdem haben wir zum ersten Mal ein volles Konzeptalbum produziert. Natürlich wollten wir auch eingängige und gut hörbare Lieder machen, was uns auch gelungen ist – so denken wir. Denn wir sind unseren musikalischen Wurzeln immer treu geblieben und daran wird sich auch nichts ändern. Auffallend ist natürlich die Tendenz dazu, mehr und mehr Gitarren-lastige Musik zu machen. Das liegt und lag aber einfach daran, dass ich seit dem Eintreten in die Band im Jahre 2000 das Komponieren übernommen habe.“

Dann führt Michel ergänzend aus: „Wie Tobalt dir gerade schon sagte, wollen wir unsere metallische Härte von früher jetzt mehr mit folkloristischen Parts mischen – ohne aber viel an musikalischer Bissigkeit und Wucht zu verlieren, wie es vielen alten Bands, gerade aus den Neunzigern, ja leider nicht selten passiert ist. Wir mutieren sicher auch nicht zu einer so genannten `Mittelalter“-Band`. Sondern wir versuchen unseren eigenen Stil zu finden und zu festigen. Viele Bands ähneln sich heute einfach zu stark und vieles kommt einem vor, als hätte man es schon mal irgendwo gehört.“

Von ihrem alten Label CCP haben sich XIV Dark Centuries getrennt, weil man sich nach dem Vertragsablauf 2006 innerhalb der Gruppe geeinigt hatte, den Vertrag nicht zu verlängern, so Tobalt zu meiner Frage. Michel hierzu:

„Es hat sich einfach nach einer gewissen Zeit heraus gestellt, das die Vorstellungen von CCP sich oft nicht mit unseren Vorstellungen von Labelarbeit gedeckt haben. Auch sind uns gewisse Abrechnungspraktiken einfach zu undurchschaubar gewesen und trugen nicht unbedingt zu erwünschter Transparenz und Offenheit bei. Wir hätten unsere neue Platte eventuell dann auch selbst veröffentlicht. Als wir Perverted Taste Records dann fragten, mit denen wir hin und wieder sowieso in Kontakt standen, wurde dann aber auch Interesse bekundet. Wir einigten uns relativ schnell und wir haben einfach ein gutes Gefühl bei ihnen.“

Tobalt erhofft sich von der Zusammenarbeit mit Label-Inhalber Falk Schäfer ein offenes Verhältnis – was laut seinem Statement bei CCP nicht immer so war.

„Außerdem ist die räumliche Trennung hier nicht so groß, d.h. wir werden wohl bald mal nach Sachsen fahren und mit Falk und Christina reden. Uns ist auch ein persönlicher Kontakt sehr wichtig.“

Das allermeiste der derzeitigen Pagan-, Viking- und Folk Metal-Veröffentlichungen ist in Sachen musikalische Qualität leider eher unterdurchschnittlich.

Ich hake bei Tobalt nach, welche der „Guten“ wohl seine Favoriten sind.

„Ich kann mich momentan nicht wirklich an Neuerscheinungen dieser Szenerie erfreuen, da ich es aufgegeben habe mich mit zu viel Musik zu beschäftigen. Ich bin einfach durch XIV Dark Centuries schon ziemlich stark ausgelastet. Außer von Freunden wie beispielsweise Thrudvangar, deren Album `Walhall` ich auch sehr mag, habe ich keine neue Scheibe in diesem Jahr aus der Pagan/Viking/Folk-Richtung bekommen. Ich denke aber, es gibt sehr viele talentierte, gute Bands, die natürlich ihr Ding machen werden. Aber man kann ja nicht alles kennen.“

Michel hingegen hat so einige Sachen gehört. Doch:

„Vieles klingt in meinen Ohren einfach viel zu ähnlich, wie es oft auch im Black Metal der Fall ist. Ich befürchte, das viele jetzt auf die Hummpa-Schiene aufspringen, da reichte mir als gute Band eigentlich Finntroll voll und ganz. Ich bevorzuge oft mehr atmosphärische Sachen, teilweise auch noch Black Metal. Was ich allerdings genial finde sind die `Dödsfard`- und die `Vredens Tid`-CD von Månegarm.“

Anschließend erkundige ich mich bei den beiden Musikern, was ihrer Meinung nach wohl das offenbar urplötzlich erstarkte Interesse der vielen Metaller an dieser spezifischen Art von heidnischer Klangkunst sein könnte.

Ich persönlich meine, in einer mehr und mehr ihren lebenswichtigen Wurzeln, Traditionen, Identifikationsmöglichkeiten und einstigen Idealen beraubten Wohlstandsgesellschaft herrscht gigantischer Bedarf für alles, was künstlerischen beziehungsweise spirituellen Zugang zu Werten und geistigen Festhaltemöglichkeiten bietet.

„Du hast eigentlich die Antwort fast vorweg genommen. Es ist wohl so, das gerade der jugendliche Freigeist auf der Suche nach seinen Wurzeln ist und sich nach Werten sehnt, die entweder verpönt sind oder schon lange nicht mehr da sind“, bemerkt Tobalt dazu.

Ich frage den Gitarristen gezielt, ob er denkt, das dieser „Trend“ wie alle von der Masse hochgejubelten Trends wieder in der Versenkung verschwinden wird – oder ob Pagan Metal seiner Meinung nach gar noch größer werden wird? Wir erfahren:

„Ich denke, es wird mit dieser Art von Musik wohl noch ein bisschen aufwärts gehen. Wenn auch nur ein Teil der Leute, die sich heute damit beschäftigen, was viele von den Pagan-Bands ausdrücken, bei dem bleibt, was sie plakativ mit Thorhammer um den Hals usw. darstellen, dann hat die Pagan Metal-Szene, übrigens eine schreckliche Wortschöpfung, eine Zukunft. Sicher wird irgendwann diese Trendrichtung vorbei gehen, aber ehrliche Fans und wahrhaft glaubende Heiden werden auf jeden Fall dabei bleiben.“

Michel merkt dazu an, dass man am ständigen Kopieren von bekannteren Bands eigentlich erst so recht merkt, dass dieser „Trend“ richtig groß wird.

„Aber der schnelle Niedergang dieser Stilistik wird sicher kommen. Das merkt man jetzt teilweise schon am Überangebot von Konzertveranstaltungen.“

Überhaupt, wie sieht es denn mit kommenden Live-Aktivitäten von XIV Dark Centuries aus, Tobalt?

„Nun eine Tour mit Helheim im kommenden November mussten wir leider schon absagen, da unser Tastenmann Tobi und ich unsere alten Berufe an den Nagel gehangen haben und wir nun neue Arbeit haben. Wir haben jedoch zwei Konzerte im Herbst – und am 8.12.2006 findet bei uns die Release-Party für `Skithingi` statt. Weiteres ist noch nicht zum erzählen gedacht.“

Apropos, Pagan- und Black Metal-„Konzerte“: Diese geraten im Zuge des angesprochenen Trends doch immer mehr zu „pseudo-solidarisierten“ Menschenaufläufen, zumal mit – sich bereits nach einem oder zwei Schankbier größtenteils infantil gebärdenden – Szene-Kriegern, an deren verchromten Versandhaus-Patronengürteln pflichtschuldig Trinkhörner von überwiegend afrikanischen Kühen baumeln.

Solche immer befremdlicher anmutenden Aufeinandertreffen von überwiegend spaßsüchtigen Möchtegern-Heiden ohne wirklichen Bezug und Liebe zur Natur sind dem Verfasser ehrlich gesagt mehr und mehr zuwider.

Vom größtenteils vollkommen entmenschten Sozialverhalten dieser Klientel gar nicht zu sprechen. Diese harten „Helden“. Einerseits nennen „sie“ sich stolz die „Elite“, die „weisen“ und ach so naturverbundenen Heiden-Metal-Fans, andererseits werden Park- und Zeltplätze (wie beispielsweise auf dem letzten Ragnarök-Festival 2006) bedenkenlos zugemüllt und (Bier)Flaschen nach primitiver Herzens(un)lust nach allen Seiten zerdeppert.

Nun, da höre ich lieber eine gehaltvolle Scheibe und gehe danach in den Wald. Daher: Spielen XIV Dark Centuries noch immer von ganzem Herzen gerne live? Für diese „Menschen“?

Tobalt entgegnet darauf mit stark gerunzelter Stirn:

„Vor dem Hintergrund solcher Tatsachen tut man sich natürlich schwer. Natürlich spielen wir gerne vor viel Publikum, aber es ist wohl an der Zeit, auch die Leute mal live auf diese Probleme aufmerksam zu machen. Was dort teilweise passiert ist einfach eines heidnischen Zusammenseins unwürdig. Für `diese Menschen` kann ich nur hoffen, dass sie ein wenig mehr hinter das schauen, wofür sie vermeintlich einstehen. Einen Thorhammer um den Hals tragen – das macht eben noch lange keinen naturverbundenen Menschen. Ich hoffe da ändert sich was in nächster Zeit.“

Abschließend dreht sich das angeregte Gespräch um die künftigen Ziele der linientreuen Thüringertruppe. „Also, wenn du die so genannte Karriereleiter meinst – wir haben da kein Ziel, bis auf eines: Wir werden so lange gemeinsam Musik machen, wie es uns Spaß macht“, lässt mich Axtschwinger Tobalt mit Entschlossenheit im Tonfall wissen. Sänger Michel schließt sich dem nur zu gerne an:

„Stimmt, Ziele gibt es bei uns eigentlich nicht. Aber ich hoffe schon, das wir noch mindestens zwei oder drei Platten machen werden. Dann überschreiten wahrscheinlich einige von uns schon die nächste Altersdekade. Man muss dann schauen, wie es weiter geht, wo die Prioritäten liegen beziehungsweise liegen werden. Markus, wir danken dir für das ausführliche Gespräch und grüßen all jene, die wie wir, wodenstreu den Weg der Alten suchen. Heidnischer Gruß!“

© Markus Eck, 16.10.2006

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