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Special: Deutschsprachiger Black- und Dark Metal
Titel: Dem Tode nahe

Was Black Sabbath einst okkultistisch ambitioniert empor hievten, das trieben ihre schlitzohrigen Landsleute Venom eine Dekade später vielfach multipliziert auf die vorläufige Spitze.

Rebellische Verdunklung, aggressive Abgründigkeit, unheimliche Dämonenkulte, einschlägige Teufelsthemen: Der Begriff „Black Metal“ wurde mit dem gleichnamigen Album 1982 geboren.

So einige Monde blieb das Ganze im tiefsten Underground verdammt. Bis vor allem die norwegischen Spitzenkönner Dimmu Borgir, Satyricon und Emperor Mitte der 1990er als Trio Infernale den Genre-Booster anwarfen. Kurze Zeit später wandten sich auch die ersten auf Deutsch vokalisierenden Formationen dem Black Metal zu, welche vor allem unter dem Einfluss genannter und weiterer skandinavischer Acts entsprechend zu musizieren begannen. 



Dornenreich
Die Tiroler Feingeister Dornenreich brachten 1997 ihren ersten Langdreher „Nicht um zu sterben“ auf den damals noch relativ jungen Schwarzmetallmarkt.

Philosophisch und entrückt, entsprach ihre auch lyrisch stark atmosphärisch aufgeladene Version vielfach dem Begriff der Avantgarde.

Betont stimmungsvoll und voller emotionaler Hingabe blieb ihr Schaffen auch weiterhin, was die Band über die Jahre zu einer der künstlerisch bedeutungsvollsten Repräsentanten werden ließ.

Songtitel wie „Im flatternden Schleier der Vergänglichkeit“, „Schlaflos träumend“ oder „Verlorenes gefunden, Gefundenes empfunden“ enthalten Textzeilen mit Nähe zur Dunkelromantik, die von Tiefgang künden.

Kürzlich beendeten Dornenreich ihre Aktivitäten mit dem Abschlussalbum „Freiheit“.

Nocte Obducta

Nocte Obducta begannen 1993 zunächst als Desîhra.

Mit der Zeit dann ebenfalls eher avantgardistisch ausgerichtet, veröffentlichten die Mainzer Individualisten ihr Debütalbum „Lethe – Gottverreckte Finsternis“ 1999.

Der Titel des bissigen Openers „Im bizarren Theater“ sollte oberbegrifflich bis zur Auflösung der Band programmatisch sein.

Inhaltlich zogen die Beteiligten es anfänglich vor, vor allem Unmut, Zorn und Wut zu thematisieren.

Mit weiteren Alben geriet ihnen ihre Musik immer atmosphärischer, was sich auch auf die Lyriken niederschlug, die deutlich von zynisch und sarkastisch zu surreal und entrückt abgewandelt wurden. Von ihrer eigentlich sukzessive geplanten Auflösung kehrten Nocte Obducta jedoch ab.

Eisregen
Eisregen aus Thüringen sind ebenfalls als wichtige Vorreiter des deutschsprachigen Black- und Dark Metal zu kategorisieren. Ihr Debütalbum „Zerfall“ generierte schlagartig große Aufmerksamkeit. 1998 veröffentlicht, ebnete dieses vielfach markante Werk massiv und breit den Weg. Von Anfang dominiert pure Morbidität die lyrischen Geschicke der Gruppe um Sänger Michael ,Blutkehle‘ Roth.

Nachtschwelgerei? Gefühlsduselei? Garantiert nicht bei Eisregen! Aufgrund ihrer oftmals arg grausam und überzogen gruselig angelegten Textzeilen schlug ihnen nach einiger Zeit sogar die Aufmerksamkeit der BPjM (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) entgegen, was zur Indizierung von bislang drei Alben führte.

Helrunar

Die naturnahen Helrunar aus Nordrhein-Westphalen schickten sich 2001 an, aktiv im Geschehen mitzumischen.

Ihr zwei Jahre später herausgebrachtes Demo „Grátr“ machte die Band primär in Pagan Black Metal-Zirkeln bekannt.

Hypnotische Stücke wie „Raune mit der Tiefe“, „Seelenwinter“ und „Das heilige Feuer“ verdeutlichten die lyrischen Intentionen rasch: Naturmystizismen, Heidentum und entsprechende Legenden.

Und davon wichen Drummer, Gitarrist und Bassist Alsvartr sowie Sänger Skald Draugir bis heute auch nicht ab, wenn auch die Lyriken des 2007er Albums „Baldr Ok Íss“ teils auf Skandinavisch verfasst wurden.


Eden weint im Grab

Eden weint im Grab sind seit dem Jahrtausendwechsel aktiv.

2000 ins Unleben gerufen, debütierten sie vier Jahre später mit dem vielfach gelungenen „Traumtrophäen toter Trauertänzer“.

Thematisch dreht sich bei ihnen beinahe alles um Gevatter Tod und allerlei damit zusammenhängende Gegebenheiten.

Unheimlich und beängstigend getexteten Liedern wie „Den Herbstlaubreigen tanzt der Tod“, „Im Blutrausch schreien Engel schrill“ oder „Oh, Grabesstille...“ stehen nicht ganz so dunkle Wortschöpfungen wie in „Untergang Im Rosenmeer“ gegenüber. Das stilistische Repertoire der Berliner ist voll von schauerlich schönem (Keyboard)Klangmoder und birgt nicht wenig Nähe zum klassischen Gothic Metal.


Ewigheim

Auch Ewigheim aus Thüringen wurden ebenfalls zum Millenniumswechsel aus dem Taufbecken gehoben. Mit von der ebenso kranken wie traurig gestimmten Gothic Dark Metal-Partie sind Eisregen-Drummer Yantit und Allen B. Konstanz, bekannt von The Vision Bleak.

Was 1999 zusammenfand, ließ sein Schaffen drei Jahre später im Debütalbum „Mord nicht ohne Grund“ münden. Ewigheim thematisieren auf ihren bislang vier Alben primär das menschliche Ableben. Und das tun sie mit teils unerhört bizarrer, verschlingend morbider und (todes)sehnsüchtiger Lyrik. Mittlerweile mischt auch Musikproduzent Markus Stock alias Schwadorf von The Vision Bleak an der Leadgitarre mit.

Geïst / Eïs
Ab 2005 ist das kompetente Wirken der betont seriös agierenden Schwarzmetaller Geïst überliefert, die in Bielefeld zunächst als Geist mit ihrem lichtlosen Treiben starteten.

Ein Namenstreit bedingte eine Modifizierung, 2010 erfolgte schließlich die finale Umbenennung der Band in Eïs.

Der monolithisch-kalte Stil dieser außerordentlich kompetenten Gesandtschaft offenbarte bereits auf dem 2005er Debüt „Patina“ das Trachten zur Errichtung außergewöhnlich symbolschwangerer Wortkonstrukte.

Eigenständigkeit ist ihnen extrem wichtig. Besungen werden daher spezifisch gewählte, im Black Metal nonkonforme Themen, wie beispielsweise allerlei Seemannsgruselei auf dem 2009er „Galeere“. Selbst Texter Alboin geht absolut penibel vor, was bei Eïs einen recht hohen Grad der Perfektion ermöglicht.

© Markus Eck, 28.05.2014

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